Opel
Kampfgeist und Kampfpreis

Der neue "Insignia" soll den Autobauer Opel ein für alle Mal aus der Krise holen, das Werk Rüsselsheim endlich voll auslasten und auch noch der trudelnden US-Mutter GM neue Hoffnung machen - das ist ziemlich viel für ein einziges Modell

LONDON/RÜSSELSHEIM. London, Potter Fields, am Ufer der Themse. Früher wurden in der Nähe Bettler und Namenlose beerdigt. Am Montag wurde die Stätte als Krippe einer Wiedergeburt inszeniert. Rockmusik wummert. Am blauen Himmel, die Tower Bridge in Sichtweite, schwebt ein stählernes Raumschiff aus etwa 50 Meter Höhe herab. Es hängt an einem Kran.

Darunter erstreckt sich eine weite graue Bühne. Stille. Vier Violinistinnen in knappen Kleidern betreten die Bühne, sie stimmen Vivaldi an. Dann öffnet sich das Raumschiff, und an vier Stahlseilen kommt ein stahlblauer Opel Insignia auf die Erde herab. Schaulustige drängen sich an den Absperrungen. Blitzlichter. Willkommen zur British Motor Show! Willkommen zur Weltpremiere des neuen Opel-Mittelklassewagens! Marketingchef Alain Visser steigt aus: "Alles, was wir in London starten, verwandelt sich in Gold, hoffen wir." GM-Vize Bob Lutz, der das Spektakel in der ersten Reihe verfolgt, nickt beifällig. It's Showtime.

Aber es ist auch "crunchtime", wie Amerikaner die letzten Minuten eines Spiels nennen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Opel tankt Super Plus - in Form von frischem Selbstvertrauen. Auf dem Insignia ruhen fast mehr Hoffnungen, als er erfüllen kann: Das neue Modell soll dem Traditionskonzern den ersehnten Imagegewinn bringen, es soll das Comeback in der Mittelklasse schaffen und die Aufholjagd gegenüber Konkurrenten wie Volkswagen und Ford anführen. Es soll den Standort Rüsselsheim auf Jahre hinaus wetterfest machen. Und es soll das Europageschäft vor dem gefährlichen Sog des stotternden Opel-Mutterkonzerns General Motors retten.

Doch auch ein Insignia hat nur vier Reifen und einen Motor. Die Ausgangslage, um den rostigen Ruf der Marke mit dem Blitz wieder aufzupolieren, ist so ungünstig wie selten. Nicht nur hat die Konkurrenz schon vorgelegt, auch ruht der lange Schatten von GM mehr denn je über Opel. Sie hoffen auf ihren Insignia, und sie bangen mit ihm, die 18 500 Opelaner in Rüsselsheim.

"Unsere Zukunft heißt Insignia": So steht es in schwarzen Lettern auf großen Plakaten, die überall im Opelwerk zu Rüsselsheim hängen. Seit über 100 Jahren werden hier Autos gebaut (siehe: Ein Mann, eine Stadt). Aber selten haben die Opelaner einer Modelleinführung so entgegengefiebert wie dem Start des Insignia. Hans Demant streitet das auch nicht ab: Von einer "der wichtigsten Modelleinführungen in Rüsselsheim" spricht der

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