Ostermontag
Mineralölwirtschaft warnt vor Benzinknappheit

An vielen deutschen Tankstellen könnte es über Ostern zu Versorgungsengpässen kommen. Aufgrund der mangelnden Akzeptanz des Biosprits E10 hat die Mineralölwirtschaft mit logistischen Problemen zu kämpfen.
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BerlinAn vielen deutschen Tankstellen könnte es über Ostern zu Versorgungsengpässen kommen. Sowohl Super, Superplus als auch der "Bio"-Sprit E10 könnten vorübergehend ausverkauft sein, wie die großen Ölkonzerne der gegenüber der "Welt am Sonntag" erklärten. "Am Ostermontag kann es kritisch werden", sagte eine Shell-Sprecherin. An den Tankstellen des Konzerns könne es in den nächsten Tagen "punktuell zu Leerständen" kommen. Auch Sprecher von Aral und Esso bestätigten, dass Engpässe drohten. Als Gründe würden "die Anpassung des Vertriebs und der Produktion an die veränderte Nachfrage" genannt.

Konkret hat die Mineralölwirtschaft mit logistischen Problemen zu kämpfen, da viele Autofahrer weiterhin kein E10 tanken. Aktuell hinzu kommt die Umstellung der Tankstellen "von Winterware auf Sommerware"; dass das Osterfest mit seinen Fahrverboten für Tank-Lastwagen und seinem hohen Verkehrsaufkommen in diesem Jahr nur eine Woche vor diesem Stichtag liegt, macht die Situation für die Mineralölkonzerne noch komplizierter. Die sogenannte E10-Winterware darf nur bis zum 30. April verkauft werden, danach ist die Sommerware dran.

Die Herausforderungen an die Logistik seien wegen der E10-Einführung ohnehin außergewöhnlich groß, heißt es bei den Konzernen. So hat die BP-Tochtergesellschaft Aral auf einen Erfolg von E10 gesetzt und die großen Tanks an den Stationen mit dem "Bio"-Sprit gefüllt. Doch der Absatzanteil von E10 liegt unverändert bei höchstens einem Drittel. "Wir nutzen für unser Superbenzin V-Power kleine Tanks an den Stationen, die Nachfrage nach dem Produkt ist aber riesengroß", heißt es bei Shell. Daher müsse nun viel öfter Nachschub herangeschafft werden - was dazu führt, dass die Tanklastwagen von Speditionen und Großhändlern im Dauereinsatz sind.

Erschwerend wirkt, dass die Mineralölwirtschaft gegenwärtig den zum 1. Mai vorgeschriebenen Austausch des Benzins an allen 14.700 Tankstellen vorbereitet. Grund für die Umstellung ist, dass bei den höheren Temperaturen im Sommer die Bildung von Dampfblasen verhindert werden soll. Dies geschieht, indem dem Benzin weniger leicht siedende Alkane beigemischt werden, die im Winter den Kaltstart erleichtern. E10-Chaos und die Umstellung auf Sommerkraftstoffe führen in ihrer Kombination zu einer "kritischen Logistiksituation", sagt ein Speditionsmanager.

An Ostern spitzt sich diese Situation zu: Erstens wegen des Reiseverkehrs und zweitens, weil auch für Tanklastwagen das Feiertagsfahrverbot von Mitternacht bis 22 Uhr gilt. Ausnahmen gibt es nur für Speditionen, die vorab Sondergenehmigungen eingeholt haben. Möglich ist daher, dass sich an zahlreichen Tankstellen über Ostern die Tanks leeren, ohne dass rechtzeitig Nachschub herbeigeschafft werden kann. Erste ausverkaufte Tankstellen gab es diese Woche schon.

Bis zum Sonntagmittag war dem ADAC von regelrechten Leerständen allerdings noch nichts bekannt. ADAC-Sprecher Andreas Hölzel sagte, bisher habe er „nur vereinzelt von Knappheit“ gehört. Hölzel kritisierte: „Das ist das Ergebnis des ganzen Tohuwabohus der Umstellungsphase auf E10. Hinzu kommt, dass die Mineralölkonzerne keine echte Alternative zu E10 angeboten haben.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ostermontag: Mineralölwirtschaft warnt vor Benzinknappheit"

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  • Also primitiver geht`s nimmer. Das ist doch ganz eindeutig ein gewolltes Vorgeplänkel für Hochpreise. Wann bekommen die endlich einen vor den Latz??? Vom Kartellamt bestimmt nicht.

  • Wir werden von allen Seiten belogen und verarscht....
    Ich hoffe ihr merkt das endlich....
    Nächsten Monat kracht es ganz gewaltig.......seid wachsam !!!!!

  • Ich kann die Skepsis des Kommentators Schilli-Hahn nur bekräftigen. Das Ganze sieht nach einer neuen Dimension der Durchsetzung hoher Spritpreise aus. Normal-Benzin haben die Konzerne abgeschafft, nachdem sie es zuvor genau so teuer wie Super gemacht haben.

    Jetzt wird dasselbe mit E10 gemacht, wobei hier ebenso geschickt wie dreist der Eindruck erweckt wird, als seien die Versorgungsengpässe auf das Verbraucherverhalten und auf die Regierung, die E10 durchdrücken will, zurückzuführen. Nebenbei können die Konzerne ihren Sprit - unterstützt von Spekulanten - zu Höchstpreisen verkaufen.

    Niemand kann mir erzählen, die Mineralölkonzerne würden keine Absatzplanung betreiben. Sie wissen sehr genau, wie sich die nachfrage über das Jahr und um Feiertage sowie in ferienzeiten entwickelt. Das es nun angeblich logistische Probleme geben soll, ist eine die Autofahrer verhöhnende Begründung. Sind sich die Konzerne wirklich so sicher, dass sie keine Sanktionen zu fürchten haben? In Frankreich erhebt die Regierung jetzt eine Strafsteuer. Mag sein, dass das nicht wirklich die richtige Maßnahme ist, um die Macht des engen Oligopols zu brechen und wieder für echten Wettbewerb zu sorgen. Aber es ist immerhin ein Zeichen, dass man dort nicht mehr bereit ist, tatenlos zuzusehen.

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