Physik-Professor erforscht Ursachen von Verkehrsstaus
„Das Wichtigste ist, in Bewegung zu bleiben“

Kilometerlange Staus sind programmiert, wenn die Baden-Württemberger am Wochenende in die Sommerferien starten. Gleichzeitig reisen Hunderttausende Urlauber aus Nordrhein-Westfalen heim, weil dort wieder die Schule beginnt.

HB DUISBURG. In allen anderen Ländern dauern die großen Ferien noch an. Laut einer ADAC-Prognose ist die Staugefahr auf den Nord-Süd-Linien besonders hoch, also auf der A1, der A3 und der A9.

Diese Strecken seien die üblichen Verdächtigen, meint Michael Schreckenberg. Er ist Physik-Professor an der Universität Duisburg-Essen. Dort beschäftigt er sich mit der Simulation und Optimierung von Transportsystemen. Und er erforscht, welchen Einfluss menschliches Verhalten auf den Straßenverkehr hat. Kurz gesagt: Er ist Stauforscher.

Für den Professor ist ein Stau „etwas ganz Natürliches“. Ameisen, Lemminge, Menschen an Kassen oder Menschen in Panik - „wo viele Subjekte zur gleichen Zeit dasselbe wollen, entsteht notwendigerweise ein Stau“. Durchschnittlich 60 Stunden im Jahr steht jeder Deutsche im Stau, heißt es in einer BMW-Studie. Weshalb es zum Massen-Stillstand kommt, ist in vielen Fällen nicht erkennbar. „Doch es gibt keine Staus aus dem Nichts, sie haben immer eine Ursache“, erklärt Schreckenberg.

Er nennt vier Ursachen: das Wetter, Unfälle, Baustellen und Überlastung. Das Wetter ist allerdings nur an rund zwei Prozent der Verzögerungen schuld. Unfälle und Baustellen schlagen mit jeweils zehn Prozent zu Buche. Der Großteil sind so genannte Überlastungsstaus: „Pro Stunde und pro Spur können etwa 15.000 bis 18.000 Fahrzeuge fahren, danach ist Schluss.“

Gerade auf nordrhein-westfälischen Autobahnen sorgen die häufigen Auffahrten für zahlreiche Überlastungsstaus: „Auf der A40 haben Sie fast alle 500 Meter eine Auffahrt“, sagt Schreckenberg. Auf- und abfahrende Fahrzeuge behinderten den Verkehrsfluss besonders stark. Bremse ein Fahrer in so einer Verkehrssituation stark, brauche er etwa anschließend etwa zwei Sekunden, um erneut zu beschleunigen.

Die nachfolgenden Fahrer müssten ebenfalls bremsen und wieder anfahren. Diese Verzögerungen summierten sich: „Wie eine Ziehharmonika pflanzt sich die Stauwelle von vorne nach hinten fort.“

Laut Schreckenberg verhalten sich die wenigsten Autofahrer in einer Schlange kooperativ: Viele verhinderten ein Reißverschlussverfahren oder wechselten ständig die Spur. Dabei sollten die Fahrer laut Schreckenberg möglichst gleichmäßig schnell fahren und abruptes Bremsen und Gasgeben vermeiden: „Das Wichtigste ist, in Bewegung zu bleiben.“

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