Pick-ups haben ein Imageproblem in Deutschland
Markante Neuheiten beleben die Pritschenwagen-Nische

In den USA sind sie hoch im Kurs. „Doch in der deutschen Zulassungsstatistik sind Pick-ups nach wie vor eine Randerscheinung“, sagt Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen.

dpa/gms LEVERKUSEN/RECKLINGHAUSEN. Während jenseits des Atlantiks im Jahr etwa drei Mill. Exemplare verkauft werden und der Marktanteil bei 18,5 Prozent liegt, kommt diese Fahrzeuggattung Dudenhöffer zufolge bei uns nur auf magere 10 000 Zulassungen und 0,3 Prozent. Selbst für Europa rechnet er in diesem Jahr mit gerade einmal 170 000 Zulassungen - und das bei insgesamt 14,7 Mill. Fahrzeugverkäufen.

„Allerdings hat in den letzten Jahren eine neue Zielgruppe die Absätze angekurbelt“, sagt Mazda-Sprecher Jochen Münzinger in Leverkusen. Er verweist auf Kunden, die ein Fahrzeug für ihre Freizeitaktivitäten suchen und dabei ihre Liebe zum Pick-up entdecken. Das mache sich auch bei den Verkäufen bemerkbar: „Zwischen 2001 und 2005 wuchs das gesamte Segment in Europa um 29 Prozent“.

In nächster Zeit werden ein paar Neuheiten die Nische weiter beleben. Diesen Fahrzeugen gemein ist die verhältnismäßig breite Modellpalette, die den Kunden oft die Wahl zwischen mehreren Karosserie- und Antriebsvarianten lässt. So gibt es Pick-ups in der Regel mit Heck- oder Allradantrieb und meist mit zwei oder drei Kabinentypen. Während die Ladefläche entsprechend schrumpft, gibt es vorne dann sogar vier Türen und fünf Sitzplätze.

Neuestes Modell am Markt ist der Mazda BT-50, der laut Münzinger mit einem 105 kW/143 PS starken Diesel und Allradantrieb zum Jahreswechsel für Preise ab 23 800 Euro an den Start geht. Der neue Pick-up sei in jeder Dimension gewachsen und biete nun mehr Platz für Ladung und Passagiere. Aus der gleichen Fabrik in Thailand kommt nach Angaben von Ford in Köln auch der Nachfolger des Ranger. Allerdings soll der Zwilling des BT-50 erst Anfang 2007 in den Handel kommen.

Bereits im Frühjahr hatte Mitsubishi die neueste Generation des L 200 vorgestellt. Sie gibt es für Preise ab 22 290 Euro mit einem 2,5 Liter großen und 100 kW/136 PS starken Diesel. Dazu gibt es einen zuschaltbaren Allradantrieb, drei verschiedene Kabinen sowie allerlei Aufbauten für die Pritsche. Ebenfalls in mehreren Varianten verkauft Nissan den Navara, der im letzten Jahr seinen Generationswechsel hatte. Er steht mit mindestens 26 200 Euro in der Preisliste und wird mit einem 126 kW/171 PS starken Vierzylinder-Diesel ausgeliefert.

Der fünfte Pick-up ist der Toyota Hilux, der nun bereits in der sechsten Auflage verkauft wird. Ihn gibt es dem Hersteller zufolge ab 19 024 Euro mit zwei Dieseln, die auf 88 kW/120 PS oder 126 kW/171 PS kommen und auf Wunsch mit Allradantrieb kombiniert sind. Während die Autos vor allem für die USA entwickelt wurden und ausgesprochen groß ausfallen, bietet Fiat den einzigen kompakten Pick-up am Markt. Der Wagen basiert nach Herstellerangaben auf dem „Weltauto“ Palio und wird für Preise ab 14 268 Euro aus Südamerika importiert.

Trotz der zaghaften Fortschritte hat die Fahrzeuggattung in Deutschland nach Dudenhöffers Einschätzung wenig Chancen: „Hier wird "Pick-up" schon mal mit "Pritschenwagen" übersetzt und steht damit als Fahrzeug für Bauarbeiter oder Handwerker.“ Dieses Klischee werden Navara, Hilux und Co. nach seiner Ansicht auch so schnell nicht los.

Angesichts dieser Einschätzung haben deutsche Premiumhersteller keine Ambitionen, eigene Pick-ups zu entwickeln - obwohl der Markt in den USA ordentliche Stückzahlen verspricht und geeignete Geländewagen als technische Basis verfügbar wären. Sowohl BMW als auch Mercedes und Porsche schließen deshalb entsprechende Varianten von X5, ML oder GL und Cayenne kategorisch aus. „Der europäische Markt für Pick-ups hat ein begrenztes Volumen“, sagt Mercedes-Sprecher Johannes Reifenrath in Stuttgart. „Und auf dem US-Markt ist Daimler-Chrysler mit den Fahrzeugen von Dodge erfolgreich vertreten.“

Nur VW unternimmt zumindest zaghafte Schritte: So hat die Individual-Abteilung der Wolfsburger nach Angaben von Sprecher Jörg Walz für die Motor Show in Dubai schon einmal eine Pick-up-Version des Touareg auf die Räder gestellt. Verkauft werde dieses Auto allerdings nicht, sagt Walz: „Das war eine Fingerübung der Designer und bleibt ein Einzelstück.“ Die Nutzfahrzeugsparte von VW sieht dagegen offensichtlich mehr Chancen und hat für das Ende der Dekade bereits ein entsprechendes Fahrzeug angekündigt.

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