Plattform-Strategien
Teure Autotechnik zum Schnäppchenpreis

Viele Fahrzeugmodelle haben die gleiche technische Basis. Das spart Kosten bei der Entwicklung - und schont das Portemonnaie des Kunden, wenn er zum günstigeren Modell greift. Einbußen gibt es höchstens beim Prestige.
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BerlinMarkenlogo umkleben, fertig! Beim sogenannten Badge-Engineering - Badge heißt zu Deutsch Emblem - können Hersteller erhebliche Kosten sparen. Fahrzeuge müssen nicht von Grund auf neu entwickelt werden. Oft werden neben dem neuen Logo nur das Blechkleid ein wenig umgeschneidert, andere Motoren angeboten oder die Ausstattung variiert. Doch im Kern bleiben es nahezu baugleiche Fahrzeuge - die Hersteller reden von Plattformstrategie. Käufer sind dabei auf der Gewinnerseite, denn solche Fahrzeuge sind günstiger.

Aktuelle Beispiele für Badge-Engineering im weiteren Sinne sind die Geschwistermodelle Fiat Freemont und Dodge Journey oder VW Sharan und Seat Alhambra. Auch die Paare Hyundai iX35 und Kia Sportage sind sich von Werk aus sehr ähnlich, genauso das Triple Peugeot 4007, Citroën C-Crosser und Mitsubishi Outlander sowie die Kleintransporter Fiat Ducato, Citroën Jumper und Peugeot Boxer.

In Deutschland wurde Badge Engineering als Strategie in den 1970er Jahren eingeführt, weiß Moritz Nolte, der das Portal Automobilmarketing.com betreibt. Manch einer dürfte sich damals die Augen gerieben haben: Den Audi 50 gab es bald auch als nahezu identischen VW Polo. Auch der erste VW Passat war im Grunde ein Audi 80, damals in den Siebzigern. Autofertigung nach dem Baukastenprinzip war zwar nicht neu, setzte sich aber zunehmend durch. Doch je mehr Module gemeinsam verwendet wurden - von der Bodengruppe bis zum Interieur -, desto ähnlicher wurden sich die Autos.

Kostensenkung der Hauptgrund

Heute versuchen die Hersteller, genau das zu vermeiden und setzen trotz Baukastenprinzip auf Eigenständigkeit. "Jede Marke hat einen eigenen Charakter, der spezielle Kunden anspricht", sagt Bernd Schröder, Pressesprecher bei Volkswagen, mit Blick auf die Konzernmarken VW, Seat, Skoda und Audi. "Die Markenwerte nach außen auszudrücken - dazu reicht das reine Badge-Engineering nicht aus." Eigenständigkeit von Fahrzeugen zu erzeugen bei gleichzeitig möglichst effizienter Entwicklung und Fertigung sei "eine der schwierigsten Aufgabe in der Automobilwirtschaft überhaupt".

Dem Volkswagen-Konzern als Markenmulti gelingt die Plattformstrategie noch vergleichsweise gut, findet Branchenkenner Nolte. "Volkswagen verfügt aus Kostensenkungsgründen mittlerweile über zahlreiche Baugruppen, die in einer Vielzahl der Baureihen ihrer Konzernmarken verbaut werden." So finden viele Audi-Modelle guten Absatz, obwohl ihre grundlegende Technik auch für weniger Geld zu bekommen wäre. Beispiel ist der Audi A3, der sich nach Angaben von Helmut Klein vom ADAC-Technikzentrum die Plattform nicht nur mit dem VW Golf, sondern auch mit Skoda Octavia und Seat Leon teilt.

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