Politik und Autoindustrie wollen Abhängigkeit vom Öl verringern
Anteil alternativer Treibstoffe soll steigen

Spitzenvertreter der Autoindustrie und der Politik setzen sich dafür ein, die Abhängigkeit des Verkehrs in Deutschland vom Öl zu verringern.

HB BERLIN. „Wir haben das ehrgeizige Ziel, bis 2020 einen Marktanteil von 20 Prozent bei alternativen Antrieben und Kraftstoffen zu erreichen“, sagte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe am Dienstag auf der Mobilitätskonferenz „Weg vom Öl“ in Berlin.

Derzeit hänge der Verkehr in Deutschland noch zu 97 Prozent am Öl. Erneut kündigte Stolpe zudem an, Lkw ohne Rußfilter künftig bei der Maut schlechter zu stellen. „Diesel-Stinker werden wir verstärkt zur Kasse bitten“, sagte der Minister.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) warnte vor einer Hysterie angesichts steigender Ölpreise. Die Unternehmen würden weiter an verbesserten Antrieben und effizienteren Motoren arbeiten, sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk. Langfristig werde Wasserstoff zum Energieträger entwickelt. Zwischenzeitlich werde es Brückentechnologien wie den Hybridmotor, Gasfahrzeuge oder Brennstoffzellenautos geben.

Der Chef des Verbands der europäischen Ölindustrie (EUROPIA), Wilhelm Bonse-Geuking, bezeichnete eine schnelle Lösung vom Öl als unnötig. „Es gibt genug Öl wahrscheinlich für die nächsten 100 Jahre“, sagte der Vorsitzende des BP-Aufsichtsrates. Die Sicherung der Öllieferungen sei eher eine entwicklungs- und außenpolitische Aufgabe, da die politische Situation in den Förderländern instabil sei.

Jedoch gebe der Klimawandel Anlass zur Besorgnis. „Wir müssen vorbeugen“, erläuterte der Verbandspräsident. Dies müsse aber nur mit technisch und wirtschaftlich überzeugenden Lösungen geschehen. Die beste Option sei langfristig die CO2-freie Herstellung von Wasserstoff über Atomkraft oder Sonnenenergie.

Durch optimierte Motoren sei in Deutschland eine deutliche Verringerung der Umweltbelastung zu erwarten. „Die CO2-Emissionen dürften bis 2020 um 20 Prozent zurückgehen“, sagte Bonse-Geuking.

Die Industrie sieht in der Weiterentwicklung der Otto- und Dieselmotoren noch erhebliche Potenziale für einen geringeren Verbrauch und Schadstoffausstoß. Nach Einschätzung des Umweltbevollmächtigten des DaimlerChrysler-Konzerns, Herbert Kohler, kann der Kraftstoffverbrauch bei Benzinautos um bis zu 20 Prozent vermindert werden. Erst nach und nach würden sich alternative Antriebe entwickeln.

Der VDA verwies auf Erfolge in der Vergangenheit. Seit 1990 seien die klassischen Emissionen um über 80 Prozent reduziert worden, der Partikelausstoß um 93 Prozent, der Verbrauch um 23 Prozent.

Benzinpreis knapp unter Rekordstand

Der Preis für ein Barrel Öl war am Dienstag im elektronischen Handel um 56 Cent auf 53,89 Dollar gestiegen. Der Preistrend setze trotz einer überarbeiteten Prognose der Internationalen Energieagentur in Paris ein. Die IAE geht von einer um 1,77 Millionen Barrel pro Tag gestiegenen Ölnachfrage aus, etwas weniger als in der vorigen Studie noch erwartet.

Der Benzinpreis in Deutschland lag nach Aral-Angaben knapp unter den Rekordständen der vergangenen Woche mit 1,05 Euro für einen Liter Diesel und 1,20 Euro für einen Liter Superbenzin.

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