Posse um Rücktritt des Präsidenten
Wie Peter Meyer den ADAC Nordrhein benutzte

Er wolle nicht länger „für Fehler und Manipulationen von Führungskräften“ alleine verantwortlich gemacht werden. Deshalb trat ADAC-Präsident Peter Meyer zurück. In der Münchner Vereinszentrale ist man anderer Meinung.
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DüsseldorfZunächst schien der Fall klar: Um 13:01 Uhr verbreitete der ADAC den Rücktritt seines Präsidenten Peter Meyer. So weit so gut, schließlich war die Führungsriege des Autoklubs – und insbesondere der Präsident an der Spitze – in der Affäre um gefälschte Zahlen bei der Wahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ und allerhand weitere in der Folgezeit aufgedeckten Skandälchen gehörig unter Druck geraten.

Die Entscheidung zum Rücktritt wurde laut dem verbreiteten Statement von Meyer „allein und sorgfältig überlegt“ gefällt. Die in den letzten Tagen erfahrenen Angriffe und Diffamierungen seiner Person belasteten auch seine Familie. Der Haken an der Sache: Diese Sicht der Dinge wurde vom ADAC Nordrhein mit Sitz in Köln verbreitet, nicht von der Münchner Vereinszentrale.

Von dort aus hieß es um 14:06 Uhr kurz und trocken: „Der ADAC e.V. nimmt den Rücktritt seines Präsidenten Peter Meyer zur Kenntnis.“ Damit übernehme dieser die politische Verantwortung für die zahlreichen Vorwürfe, die in den vergangenen Wochen gegen den Verein erhoben wurden.

Einige Absätze später – es folgen die üblichen Danksagungen und Glückwünsche für den Ex-Präsidenten – kommt der eigentliche Hammer: „Angesichts der aktuellen Vertrauenskrise des ADAC und der erschütternden Ergebnisse der aktuellen Krisenaufarbeitung hat das Präsidium am Montagvormittag ein Suspendierungsverfahren gegen Peter Meyer beschlossen.“

Das klingt schon anders als ein Rücktritt, um nicht länger „für Fehler und Manipulationen von hauptamtlichen Führungskräften“ alleine verantwortlich gemacht werden.

Beim ADAC Nordrhein, der das Schreiben Meyers zunächst verbreitete, wusste man anscheinend nichts von dem in München eingeleiteten Suspendierungsverfahren. Der Gau war über den GAU im Unklaren.

Sebastian Schaal
Sebastian Schaal
Handelsblatt Online / Redakteur

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