Premiumkäufer in China
BMW-Fahrer gelten als neureich

BMW-Fahrer sind Angeber und Mercedes-Besitzer sind kultiviert. Wer in China jung und erfolgreich ist, zeigt das gern mit einem schicken Auto. Und wird von den Konkurrenz-Liebhabern mit einem Vorurteil abgestempelt.
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Premiumkarosserien sind beliebt: Autos von BMW, Mercedes oder Audi werden auf der ganzen Welt begehrt. In Deutschland können sich das viele aber erst in späterem Alter leisten. In China sieht das anders aus. Hier kaufen sich Autofahrer schon mit Mitte Dreißig das Auto einer Premium-Marke aus Deutschland, Schweden, Großbritannien, Amerika oder Japan: 33,5 Jahre ist der Durchschnittkäufer laut chinesischem Hurun Research Institutes alt.

„Geld für ein schönes Auto auszugeben ist das erste äußerliche Zeichen für Erfolg für viele Chinesen“, so Chef-Analyst Rupert Hoogewerf. Befragt wurden 800 Autobesitzer aus zehn chinesischen Städten, 100 von jeder der acht genannten Premium-Marken. Jeder Dritte war männlich. Jeder Zehnte hat in seinem Leben schon mindestens drei Jahre im Ausland verbracht und ihr Haushaltseinkommen lag im Schnitt bei 1,05 Millionen Yuan. Das entspricht circa 138.000 Euro.

Mercedes-Besitzer haben dabei das höchste Einkommen, Chinesen mit einem Infiniti verdienen am wenigsten im Ranking der Premiumauto-Besitzer. Die beliebteste Marke bei dem Viertel der weiblichen Befragten ist BMW. Cadillac hingegen hat den höchsten Prozentsatz an männlichen Besitzern. Volvo-Fahrer sind am besten ausgebildet, Land-Rover-Eigner am wenigsten unter den Befragten; sie stellen die größte Gruppe der Unternehmer. Regierungsbeamte fahren am meisten Audi und Lexus hat die homogenste Eigentümergruppe.

Was die Premiumauto-Käufer damit zeigen wollen und welches Bild sie ihren Mitmenschen tatsächlich vermitteln, das klafft allerdings oft genug auseinander. Mercedes-Besitzer gelten der Umfrage entsprechend als Unternehmerpersönlichkeiten, kultiviert und erfolgreich, was ziemlich genau mit der Meinung übereinstimmte, die die Mercedes-Besitzer über sich selbst äußerten. Am nächsten kamen die Besitzer eines Volvo, die sich für bescheiden, familien-orientiert und moralisch aufrechte Menschen halten, mit der Wahl ihres Wagens ihrem Eindruck auf andere.

Wer einen BMW in der Garage hat, gilt allerdings der Analyse zufolge als neureich, materialistisch und angeberisch – glaubt von sich selbst aber, dass er das Leben relativ diskret auskostet. Eine ähnliche Diskrepanz stellten die Analysten bei Land-Rover-Besitzern fest, die das Bild reicher Erben vermitteln, sich selbst aber für Self-Made-Men halten. Audi-Besitzer hält man für reif und erfahren, sie selbst halten sich aber auch für das Leben auskostend.

Kommentare zu " Premiumkäufer in China: BMW-Fahrer gelten als neureich"

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  • Mit den Autos haben die Chinesen - und nicht allein diese - auch die (Vor-)Urteile dazu importiert.

    Eine Erscheinung von noch mangelndem (Selbst-)
    Bewußtsein.

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