Produktions-Aus für den „Bulli do Brasil“
Eine Transporter-Legende sagt „Adeus“

Die Geschichte einer Auto-Legende endet in Brasilien. Nach 56 Jahren wird die Produktion des VW Bulli dort nun eingestellt. Wegen seines spartanischen Sicherheitsniveaus trug er den Spitznamen „Jesus ruft mich“.
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São PauloFür den VW-Bulli-Transporter soll es in Brasilien nach 56 Jahren Produktion keine Ausnahme von den ab 2014 geltenden neuen Sicherheitsvorschriften geben. Damit dürfte das zum Ende dieses Jahres geplante Auslaufen der Produktion besiegelt sein. Die nationale Verkehrsbehörde Contran beschloss nach Angaben von Städteminister Aguinaldo Ribeiro, dass die Airbag- und ABS-Pflicht für Neufahrzeuge ohne Ausnahme in Kraft treten werde. Ein Ministeriumssprecher sagte auf Anfrage, man habe in den vergangenen Jahrzehnten schon „viel Geduld“ mit dem als Kombi bekannten Bulli gehabt.

Die Produktion werde eingestellt werden müssen. „Irgendwann ist die Stunde einmal da“, so der Sprecher. Finanzminister Guido Mantega hatte diese Woche Hoffnungen geschürt, dass möglicherweise für den Bulli eine Ausnahme von den Sicherheitsregeln gemacht werden könne, und VW hatte für diesen Fall signalisiert, eine Fortführung der Produktion zu prüfen.

Mit Weißwand-Reifen, eleganten Fenster-Gardinen und in hellblauer und weißer Farbe - so liefen die weltweit letzten, ja die allerletzten Modelle des Transporter-Mythos im VW-Werk Anchieta in São Bernardo do Campo in Brasilien vom Band. Rund 63 Jahre nachdem der erste "T1"-Transporter  in Wolfsburg gebaut worden ist und nach 56 Jahren Non-Stopp-Produktion in Brasilien.

In Brasilien heißt der Bulli schlicht Kombi und ist im Straßenbild des Samba-Landes wie einst sein kleiner, nicht minder legendärer Pkw-Bruder "Fusca" (Käfer) seit Jahrzehnten und auch heute nicht wegzudenken. Als Pick-Up für Umzüge, als geschlossenes Transportfahrzeug, mit dem selbst Kühe transportiert werden und als Personenbus, in denen im unkomplizierten Brasilien zur Not auch 25 Leute und mehr rein passen, ist er dort unterwegs auf Großstadtstraßen und Dschungelpisten.

Eigentlich war für die "Last Edition" eine Auflage von 600 Einheiten vorgesehen, doch wegen der hohen Nachfrage hat VW das Kontingent auf 1.200 Fahrzeuge verdoppelt. Empfohlener Preis: 85.000 Reais (rd. 28 000 Euro). Auch der letzte Bulli hat seine Vorahnen nicht verleugnet.

Das Design ist so rund wie immer, die Scheinwerfer auch und neben Heckklappe, Fahrer- und Beifahrertür gibt es rechts die bekannte Schiebetür. Im Inneren: Das vertraute Bekenntnis zum Minimalismus. Die Armatur wird von einem großen runden Tachometer dominiert, rechts daneben die Tankanzeige. Der "letzte Bulli" kann auch modern: Er hat ein Radio mit MP3-Option und USB-Anschluss.

Der Kombi ist das erste Modell, das VW in Brasilien gebaut hat. Seit 1957 liefen im VW-Werk Anchieta in São Bernardo do Campo unweit von São Paulo über 1,56 Millionen Kombis vom Modell T1 und T2 vom Band. Die Nachfrage ist rasant gestiegen.

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Sicherheitsanforderungen zu hoch

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