Quietschbunte Kuriosa aus Madagaskar
Autobau, wo der Pfeffer wächst

Nach knapp 20 Jahren Dornröschenschlaf ist die "Autoindustrie" auf Madagaskar wieder erwacht: Es werden wieder Autos in Handarbeit gefertigt - wie früher. 100 Karenjy-Modelle in zwei Jahren sind geplant.
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FianarantsoaAufbruchstimmung auf der Pfefferinsel: Das Unternehmen Karenjy in Fianarantsoa im südlichen Hochland will in den kommenden zwei Jahren sage und schreibe 100 Autos herstellen. Fließbänder sind allerdings bei diesem ungewöhnlichen Autobauer ein Fremdwort. Produziert wird von geschickten Autobauern und Mechanikern ein kantiges, robustes und geländegängiges Fahrzeug. Die Karossen, angetrieben von einem starken Renault 18-Motor, sind meist in schreienden Farben von giftgrün über knallrot bis grellblau gehalten.

Die Madagassen haben dem Auto in Anlehnung an die hier beheimateten Buckelrinder liebevoll den Spitznamen "Zebu" gegeben. Zu weltweiter Berühmtheit gelangte der Stolz aller Madagassen, als das Karenjy-Fahrzeug 1989 beim Besuch von Papst Johannes Paul II. zum Papamobil umfunktioniert wurde und das geistliche Oberhaupt der Katholiken sicher durch Antananarivo und Fianarantsoa schaukelte.

Glaube an eine französische Verschwörung

1986 hatte der damalige Staatspräsident Didier Ratsiraka eigenhändig den Startschuss für die Autoproduktion gegeben. Schon kurze Zeit später war das Unternehmen der wichtigste Arbeitgeber in der strukturschwachen Region Fianarantsoa, rund 420 Kilometer südlich der Hauptstadt Antananarivo. Dem Sturz von Ratsiraka 1992 fiel auch die aufstrebende Fahrzeug-Manufaktur zum Opfer.

Viele Madagassen sind heute noch davon überzeugt, dass die einstige Kolonialmacht Frankreich damals hinter den Kulissen aus Sorge um billige Konkurrenz entscheidend dazu beitrug, dass es nie zu einer Blüte der nationalen Automobilbranche kam. Von 1994 bis 2009 blieben die Tore des Unternehmens im Stadtteil Ankofafalahy geschlossen,

Neustart dank Entwicklungshilfe

Zu den Männern der ersten Stunde gehört auch Naivoson Augustin Razafimahafanjaka. Bis vor kurzem arbeitete er gezwungenermaßen in einer Textilfabrik in der Hauptstadt; freudestrahlend kehrte er aber in seine Geburtsstadt zurück, als die französische Entwicklungshilfe-Organisation Le Relais Madagasikara den Neubeginn der Autoproduktion wagte. Nun hoffen alle in Fianarantsoa auf einen neuen Auto-Boom. "Wir freuen uns riesig, wenn wir wieder einen Karenjy durch die Stadt fahren sehen", sagt Marie Suzette Volatina, die die Sitzbezüge des Wagens näht.

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