Rabattaktionen mit begrenzter Wirkung
König Kunde wird schmerzlich vermisst

HB LEVERKUSEN/BONN. Extra für ihn hat man sündhaft teure Verkaufspaläste gebaut, freundliche Fachberater eingestellt und regelmäßig die neuesten Karossen ins Scheinwerferlicht gerollt. Doch der traditionelle Autokäufer zeigt sich davon unbeeindruckt.

Auch die immer umfassenderen Sonderaktionen mit hohen Preisnachlässen schaffen es nur in begrenztem Maße, das Interesse des Privatmanns zu wecken. Auf den ersten Blick sieht das Geschehen rund um den Autoverkauf gar nicht mal so schlecht aus. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg ist die Zahl der neu zugelassenen Personenwagen in den ersten sieben Monaten des Jahres zwar zaghaft, aber immerhin um 0,8 Prozent gestiegen. Doch das liegt nicht daran, dass die private Kundschaft die Autohäuser stärker frequentiert hat.

Nach Untersuchungen des Prognoseinstituts B & D Forecast in Leverkusen bewegt sich der Anteil der privaten Käufe auf einem historischen Tief. Demnach wurden in der ersten Hälfte des Jahres nur noch 46,5 Prozent alle neuen PKW in Deutschland auf private Halter zugelassen.

„Im Hinblick auf das Verhältnis von Geschäfts- zu Privatzulassungen haben wir in den letzten eineinhalb Jahrzehnten eine Umkehr erlebt“, so Helmut Blümer, Sprecher des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Bonn. Früher habe man ein Drittel gewerbliche und zwei Drittel private Kunden gehabt. „Heute bewegen wir uns in Richtung 60 Prozent gewerbliche Verkäufe.“

Allerdings bedeutet diese Verschiebung nicht, dass ein Großteil der Deutschen nun im Firmenwagen unterwegs ist. „Der Bereich der gewerblichen Zulassungen deckt Vieles ab“, erklärt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg. Neben Firmenwagen gehören auch Mietwagen und nicht zuletzt die so genannten Tageszulassungen der Händler zu diesem Bereich. Fahrzeuge also, die bald darauf wieder dem Privatkäufer angeboten werden.

Für die Hersteller ist diese Situation kaum befriedigend. Mit der Folge, dass immer neue Aktionen gestartet werden, um den Autofahrer doch dazu zu bewegen, sich etwas Neues anzuschaffen. „Im Hinblick auf die Nachlässe geht es daher eher in Richtung Amerika als zurück“, sagt Prof. Ferdinand Dudenhöffer von B & D Forecast. „Die Nachlässe der Hersteller liegen schon bei durchschnittlich 17 Prozent.“

Nick Margetts warnt jedoch davor zu glauben, jeder Käufer könne beim Markenhändler pauschal mit solchen Nachlässen rechnen. „Oft muss man schon eine perfekte Kombination aus Gebrauchtwagen und gewünschtem Neufahrzeug haben, um wirklich in den Genuss der angekündigten Nachlässe zu kommen.“ Außerdem haben die Angebote noch nicht dazu geführt, dass die Kauflust der Autofahrer steigt.

Was für die Autohändler aber nicht nur Verdruss bedeutet - denn in den Werkstätten herrscht emsige Betriebsamkeit: Statt der Investition in ein neues Auto wird lieber in Erhalt und Wartung des alten investiert. „Die Auslastungen der Werkstätten liegt bei etwa 85 Prozent“, sagt Helmut Blümer vom ZDK.

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