Radar-Technik
Neue Helfer für die Bremsscheibe

HB SCHWALBACH. Bremsen ist eigentlich eine einfache Sache: Der Fahrer stemmt den Fuß aufs Bremspedal, und irgendwann herrscht Stillstand. Damit das klappt, ist jede Menge Technik notwendig. In Zukunft wird sich hinter dem Tritt aufs Pedal noch mehr verbergen.

Das Prinzip beim Bremsen ist seit Jahrzehnten gleich: Der tritt aufs Pedal bewirkt in einem Leitungssystem Druck auf eine Hydraulikflüssigkeit, die am Ende des Systems die Bremsklötze verstärkt auf die drehende Bremsscheibe presst. Die wird auf diese Weise eingeklemmt, was zu Verzögerung führt.

„Die Scheibenbremse wird bis auf weiteres im Auto der Standard bleiben“, meint Helmut Klein, Bremsenexperte im Adac-Technikzentrum in Landsberg (Bayern). „Das System hat sich extrem bewährt, da sind keine kurz- oder mittelfristigen Veränderungen zu erwarten.“ Auch bei den Materialien dürfte Neues vorerst nur hochpreisigen Fahrzeugen vorbehalten bleiben - zum Beispiel Keramik-Bremsscheiben. Diese Bremsscheiben gelten als haltbarer und haben eine höhere thermische Belastbarkeit: Bei mehrmaligem intensiven Bremsen kommt es nicht so schnell zum Nachlassen der Bremsleistung. Für die Großserie haben sie jedoch den Nachteil, dass sie zu teuer sind.

Die Neuerungen richten sich daher auch auf das Umfeld der bewährten Scheibenbremse. Dabei geht es um eine noch stärkere Einbindung in die Vielzahl der so genannten Assistenzsysteme. Jüngstes Beispiel ist die von Daimler-Chrysler in Stuttgart eingeführte „autonome Teilbremsung“. Hier erkennt die Elektronik über ein Radar, dass der Wagen auf ein Hindernis zurollt, warnt den Fahrer und löst - wenn dieser nicht reagiert - zur Not eine Teilbremsung aus, um die Aufprallgeschwindigkeit zumindest etwas zu reduzieren.

„In Zukunft soll auch eine Notbremsung durchgeführt werden können“, sagt Stephan Kraus vom Zulieferer Bosch in Stuttgart. In einer gefährlichen Situation soll der Wagen die Lage erkennen und schnellstmöglich einen starken Stoppvorgang einleiten. Es geht aber nicht nur darum, die Aufprallgeschwindigkeit zu verringern. Der Wagen soll eine solche Aktion nicht durchführen, wenn wegen der Vollbremsung überraschte Autofahrer ins Heck rauschen.

Neben solchen Evolutionen wird es wohl auch noch eine Revolution geben - die jedoch erst im nächsten Jahrzehnt ihren Weg in „normale“ Fahrzeuge finden dürfte. Bei Siemens VDO in Schwalbach im Taunus arbeitet man an der Electronic Wedge Brake (EWB): „Bei dieser Bremse verzichten wir völlig auf Hydraulik, vom Bremspedal bis zur Bremse kommt nur Elektrik und Elektronik zum Einsatz“, erklärt Sprecher Enno Pflug. So wird der Bremsklotz mit Hilfe von Elektromotoren und einer Keillagerung an die Bremsscheibe gedrückt.

Bei Continental-Tewes in Frankfurt/Main will man nicht so weit gehen. Hier baut man in naher Zukunft auf einen Technologie-Mix. Laut James Remfrey, Leiter der Abteilung Technology Placement, wird an einem System gearbeitet, das vorne auf hydraulische Technik vertraut. Hinten bremst man dagegen „by wire“, also elektronisch.

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