Ratgeber
Ledersitze im Oldtimer schützen und flicken

Leder muss geschmeidig bleiben - beim Sofa wie beim Autositz. Und ein bisschen ist es wie beim Menschen: Ab einem gewissen Alter lässt die Straffheit der Haut nach. Vor allem Ledersitze von Klassikern bedürfen gründlicher Pflege.
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Staufenberg/LosheimSanft streicht Eugen Dickert über den schwarzen Autositz. Seine Finger sind stark, grob und von der Arbeit gezeichnet. Aber wenn es um Leder geht, wird der Enddreißiger sensibel. Er spürt, wie dick die Bezüge sind, fühlt jede noch so kleine Falte. Und er weiß genau, wo die Haut bald reißen wird. Denn das ist Dickerts Geschäft.

Der Mann aus Staufenberg bei Gießen nennt sich und seine Firma "Lederpapst" und bügelt das aus, was Autofahrer bei der Pflege ihres Wagens vernachlässigt haben. In erster Linie bei Old- und Youngtimern ist er mit seiner professionellen Pflege für das Lederinterieur der Autos gefragt. Wie der Chirurg in der Schönheitsklinik strafft er in seiner Garage schlaffe Häute.

Dass er auch Kratzer und Löcher verschwinden lassen kann, machen spezielle Reparaturpasten möglich. Sie werden in vielen verschiedenen Schichten aufgetragen, immer wieder angeschliffen und glattgespachtelt, geföhnt und poliert und am Ende so lackiert und modelliert, dass man kaum mehr einen Unterschied zum Original erkennt. "Den Kratzer einer Gürtelschnalle oder das Brandloch einer Zigarette findet man nur wieder, wenn man weiß, wo es war."

Bei den Seitenwangen der Sitze ist seine Arbeit besonders gefragt. Dort werden die Sitze beim Einsteigen am stärksten belastet. "Doch vom zehn Zentimeter langen Riss bis hin zur kompletten Rückbank lässt sich alles machen", sagt der Experte. Nicht selten arbeitet Dickert an größeren Flächen drei, vier Stunden. Für das Seitenteil einer Lehne etwa zahlt der Kunde dann rund 100 Euro. "Das ist nur ein Bruchteil dessen, was man beim Markenhändler für einen neuen Sitzbezug bezahlen müsste - falls man ihn für Young- oder Oldtimer überhaupt noch bekommt", so Dickert. Zudem bietet er seine Dienste auch daheim beim Kunden an. So fallen keine Transfers oder Ersatzfahrzeuge an.

Wenn der "Lederpapst" mit seiner Kunst doch einmal am Ende ist, dann schlägt die Stunde von Menschen wie Marcus Grölz. Auch der Autosattler aus Gießen hat sich auf Lederreparaturen bei Pkw aller Art spezialisiert. Doch wenn notwendig polstert er ganze Sitze wieder auf, schweißt Rahmen, erneuert Federn oder kleidet das ganze Interieur neu ein. "Im Prinzip gibt es nichts an den Sitzen, was sich nicht reparieren lässt", unterstreicht Grölz. Alles sei nur eine Frage des Preises.

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"Leder hält beinahe für die Ewigkeit"

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