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Reparaturen an Leichtmetallfelgen sind umstritten

Der natürliche Feind der Alufelge ist die Bordsteinkante. Nun gibt es zwar Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, die teuren Stücke wieder in Form zu bringen. Doch Sachverständige warnen vor Scharlatanen und überhöhten Versprechungen.

dpa/gms MöNCHENGLADBACH. Der natürliche Feind der Alufelge ist die Bordsteinkante. Nun gibt es zwar Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, die teuren Stücke wieder in Form zu bringen. Doch Sachverständige warnen vor Scharlatanen und überhöhten Versprechungen.

Auch die Fahrzeughersteller sehen die automobile Fußpflege skeptisch. Wer sich im Internet nach Felgenreparaturen umsieht, findet Angebote ab etwa 35 Euro für defekte Kanten. "Für größere Richtarbeiten berechnen wir 55 bis 140 Euro pro Felge", sagt Ansgar von Haacke, Inhaber von Pro-Felge in Hannover. Spezialaufträge können aber auch teurer werden. Dazu kommen die Kosten für den Versand. Eine Reparatur rechne sich vor allem bei sehr teuren und exklusiven Felgen sowie bei Oldtimern, die im Originalzustand erhalten werden sollen.

In manchen Fällen haben die Autobesitzer ohnehin keine Wahl, wie von Haacke erläutert: "Wir sind immer dann gefragt, wenn die defekte Felge nicht mehr nachgekauft werden kann." Vor allem No-Name-Produkte würden oft schon nach zwei Jahren wieder vom Markt genommen.

Vergleichsweise unkompliziert ist es, Kratzer und Schleifspuren am so genannten Felgenhorn - dem äußeren Rand der Felge - zu reparieren: "In jedem Fall wird die Felge zunächst einmal gründlich untersucht und der Rundlauf kontrolliert", erklärt Stefan Mertens von der Aluklinik Mertens in Mönchengladbach. Läuft das Rad noch rund, könnten kleine Kratzer ausgeschliffen und überlackiert werden. "Bei größeren Schäden wird das fehlende Material aufgeschweißt und dann bündig abgeschliffen."

Entscheidend ist dabei laut Mertens allerdings, dass die gleiche Legierung eingesetzt wird. "Deshalb wird die Zusammensetzung des Rades vor Arbeitsbeginn genau analysiert." Zuletzt wird dann ein mehrschichtiger Lack aufgetragen. Danach sehe die alte Felge wieder wie neu aus, zeigt sich der Spezialist überzeugt.

Mehr Mühe machen den Werkstätten größere Verformungen oder Dellen. Doch auch dafür haben sie Lösungen entwickelt: Wurde die Felge am Bordstein kalt verformt, lässt sie sich mit Wärme wieder in Form bringen. Dazu wird die Felge erwärmt, durch spezielle Verfahren in die ursprüngliche Form gebracht und schließlich gehärtet.

Doch so verlockend die Reparatur auch sein mag: Fahrzeughersteller und Sachverständige sehen das Thema sehr skeptisch. "Beschädigungen wie Kratzspuren kann man bei lackierten Leichtmetallfelgen mit dem Metallspachtel reparieren", sagt Peugeot-Pressesprecher Bernhard Voss in Saarbrücken. "Allerdings sollte die Struktur der Felge nicht beschädigt sein." Im Zweifelsfall sei eine fachmännische Begutachtung im Autohaus nötig. "Bei Rissen oder Ausbrüchen in der Felge gibt es allerdings keine Diskussion: Hier kann es nur den Austausch geben."

Ähnlich deutlich ist auch der Rat der Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher KFZ-Sachverständiger (KÜS) in Losheim am See (Saarland). "Wir empfehlen grundsätzlich: Hände weg von Reparaturen an Leichtmetallfelgen", sagt Prüfingenieur Thomas Firmery. Weil sich durch die Verformung das Gefüge des Leichtmetalls verändert, sei die Stabilität nicht mehr zweifelsfrei gewährleistet.

"Schönheitsreparaturen sind zwar machbar", sagt Firmery. "Doch bei Rissen oder ähnlichen Schäden ist höchste Vorsicht geboten." Auch Ulrich Sander vom TÜV Rheinland in Köln warnt: "Bei einer unsachgemäßen Reparatur kann es passieren, dass unversehens der Reifen platzt, die Felge reißt oder bricht."

Doch egal, ob eine defekte Felge repariert oder ausgetauscht wird: Runter muss sie auf alle Fälle. "Natürlich wird sich niemand an einem Kratzer stören", sagt KÜS-Sprecher Hans-Georg Marmitt. "Doch mit einer Delle oder gar einem Riss im Rad gibt es spätestens bei der nächsten Hauptuntersuchung ernsthafte Probleme."

Felgenkliniken, Rad-Doktoren und Alu-Profis kümmern sich jedoch nicht nur um die Instandsetzung bereits beschädigter Alufelgen. Auch vorbeugender Schutz ist möglich: So bieten die Spezialisten auch Kunststoffbeschichtungen für hochglanzpolierte Felgen an, die Kratzer verhindern sollen. "Solch eine Beschichtung gibt es für Preise ab 145 Euro pro Rad - dann aber auf Wunsch auch mit Farb- oder Chromeffekten", sagt Mertens.

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