Restaurator Georg Memminger

König der Käfer

Es genügt ein Blick, schon hat man ein nostalgisches Lächeln auf den Lippen. Doch sobald man mal wieder einen alten Käfer fährt, ist es mit der Begeisterung schnell vorbei. Es sei denn, er kommt aus Reichertshofen.
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Memminger selbst ist mittlerweile aus der Firma ausgestiegen Quelle: dpa
Georg Memminger

Der Käfer ist für den Restaurator die zweite Liebe. Sein Herz hat der Münchener schon zu frühen Rennfahrerzeiten an Porsche verloren.

(Foto: dpa)

Jedes Mal wenn er einen Käfer sieht, dann huscht ein seeliges Lächeln über Georg Memmingers Lippen. Denn wie so viele aus seiner Generation hat auch der Mitsechziger aus München mit der Mutter aller Volkswagen das Fahren gelernt. Doch je länger er in seinen Erinnerungen kramt, desto schneller ist es vorbei mit der romantischen Verklärung. „Schließlich war der Käfer noch nie so richtig gut zu fahren“, sagt Memminger. Und als ehemaliger Langstrecken-Rennfahrer auf Modellen vieler Marken kann er das beurteilen.

Deshalb hat er es sich der Bayer aber trotzdem nicht nehmen lassen, sich intensiver mit dem Kultauto aus Wolfsburg zu beschäftigen. Im Gegenteil: Aus der Restauration eines Cabrios für seine Frau, mit der er sich in den Neunzigern über ein paar nervige Geschäfte hinweg trösten wollte, ist für den gelernten Stahlbauer peu a peu eine Lebensaufgabe geworden, die mittlerweile über 250 Käfer zurück auf die Straße gebracht und dabei jede Menge Vorurteile widerlegt hat.

Wenn nach sechs bis acht Monaten ein Käfer fertig ist, sieht der Krabbler nicht nur besser als neu aus, er fährt auch so Quelle: Benjamin Bessinger/SP-X
Sechs bis acht Monate brauchen Restauration und Umbau

Dann sieht der Krabbler nicht nur besser als neu aus, er fährt auch so

Denn je länger Memminger an seinem ersten offenen Käfer geschraubt und geschweißt hat, desto klarer wurde ihm, wie schlecht zum Ende der Laufzeit die Qualität war und wie dürftig es damals später mit vernünftigen Ersatzteilen ausgesehen hat. Also hat er sein Cabrio nicht nur restauriert, sondern weitgehend neu konstruiert und viele Komponenten kurzerhand nach neuestem Stand der Technik nachgebaut. Und kaum war das Auto fertig, wollten es ihm die ersten Sammler schon wieder abkaufen.

„Da habe ich gemerkt, dass es für solche Arbeiten offenbar einen Markt gibt“, erinnert sich der Münchner an die Zeit, als er seinen Stahlbau-Betrieb in Reichertshofen verkauft und in der Halle stattdessen die Firma „Memminger Feine Cabrios“ gründete. Die belässt es allerdings längst nicht mehr bei der klassischen Restaurierung. Denn auch wenn ein paar Altteile aufbereitet und wiederverwendet werden, sind die meisten Komponenten mittlerweile nagelneu: Erst wurden die Türen und die Seitenteile selbst hergestellt, dann die Querwände, die Vorderachse und auch Getriebeteile.

Der restaurierte Käfer kommt auf bis zu 210 PS Quelle: Benjamin Bessinger/SP-X
Der restaurierte Käfer kommt auf bis zu 210 PS

Und weil er schon mal dabei war, hat er gleich auch noch einen eigenen Motor entwickelt: Auf Basis des Typ4-Motors konstruierte er einen Triebsatz, der in der Grundversion 100 oder sogar 175 PS oder im Extremfall sogar 210 PS leistet und den Käfer von einem lahmen Krabbler zu einem Kugelblitz macht – die Porsche-Fahrer, die sich gelegentlich auf Memmingers Teststrecke ins Nirgendwo zwischen Ingolstadt und München wagen, können davon ein Lied singen.

Zumal Memminger eben nicht nur den bärenstarken Motor ins Heck hängt, sondern auch das Fahrwerk fit macht für so viel Leistung und der Käfer zum ersten Mal zu einem Auto wird, bei dem mit dem Pedalweg des Gasfußes auch der Puls des Fahrers steigt- und zwar nicht aus Wut oder vor Angst, sondern weil die Knutschkugel plötzlich eine Spaßgranate ist.

„Wir diskutieren nicht über Originalität“
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