RFID-Chips erweitern den Horizont der Fahrzeuge
Der Gabelstapler muss bald mitdenken

Gabelstapler sind ein wichtiger Baustein in der Logistikkette. Deren Hersteller tüfteln an Lösungen, um die flexiblen Lastesel nicht nur Waren im Lager von A nach B karren zu lassen. Sie sollen dabei gleichzeitig noch Informationen abfragen - die Integration von Lesegeräten für leistungsfähige RFID-Aufkleber ist im Gange. Getüftelt wird zudem an alternativen Antrieben: Erdgas und in Zukunft möglicherweise Brennstoffzellen sind die Technologien der Wahl.

DÜSSELDORF. Sinnvoll wäre die Integration von RFID-Lesegeräten direkt am Stapler auf jeden Fall. Die Geräte könnten dann im Vorüberfahren erkennen, was wo gelagert ist. Oder sie könnten den genauen Standort einer Ware automatisch an IT-gestützte Lagersysteme übergeben. Getestet wird das derzeit bereits im Metro Store oder bei Rewe. Christoph Bauer, Projektmanager der Metro Group, sieht den wesentlichen Vorteil darin, dass ankommende Paletten, die beim Produzenten mit Transpondern versehen wurden, durch RFID-Gates ins Lager gebracht und dabei automatisch erfasst werden. Lesegeräte am Stapler könnten die Daten der Paletten dann auslesen, an die Lagerverwaltungssysteme weitergeben und den genauen Standort der Ware melden.

Derzeit gibt es aber noch mehrere Hindernisse. So erschwert das Fehlen von Standards das Auslesen. Sie müssten regeln, in welcher Weise die Transponder an den Paletten anzubringen sind. "Wir favorisieren Normen für Transponder", sagt Ralf Baginski, Leiter der Grundlagenentwicklung beim Staplerhersteller Jungheinrich. Entsprechende Diskussionen gebe es. "Wir hoffen, dass das ebenso breit Einzug in die Logistik hält wie die Europalette. Die Transponder würden praktisch die Europalette mit Intelligenz versehen."

Die Einheitlichkeit würde auch den kundenübergreifenden Einsatz erleichtern. Wenn Transponder sich immer am gleichen Platz befänden, wäre es leichter, Stapler mit Lesegeräten zu konstruieren. Ohnehin ist das Anbringen der Lesegeräte an den Staplern kompliziert genug: Weder dürfen diese von den Lasten beschädigt werden noch die Sicht des Fahrers behindern. Linde hat dazu in Versuchen im Metro Store spezielle Lastschutzgitter entwickelt. Der Hersteller Still setzt nicht nur auf das Erkennen der Waren, sondern auch auf die Steuerung der Fahrzeuge: RFID diene dazu, diese zu lokalisieren, zu navigieren und aus diesen Ergebnissen die Betriebsabläufe zu optimieren. Es handele sich dabei um eine seriennahe Vision, die in Zusammenarbeit mit Kunden bereits implementiert werden könne.

Als zweites Handicap sieht Jungheinrich-Entwickler Baginski derzeit die Kosten. Diese entstehen vor allem durch die Integration in die bestehenden Prozesse und IT-Systeme. Erst wenn auch die zentralen Datenverarbeitungssysteme im Unternehmen die Informationen verwerten können, die intelligente Europaletten aus den Lagerhallen liefern, lässt sich der Nutzen voll erschließen. Dazu sind erst einmal aufwendige Integrationsprojekte notwendig. "Wir arbeiten aber auch an modularen Systemen für kleine logistische Zellen, die etwa für kleinere Zulieferer sinnvoll sind", ergänzt Baginski.

Einige Hersteller wie Toyota halten es überhaupt noch für zu früh, um RFID im industriellen Einsatz zu nutzen, da die Kosten für eine effiziente Umsetzung noch sehr hoch sind. "Erst wenn wir unseren Kunden ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten können, macht RFID aus unserer Sicht Sinn", so Pressesprecherin Sabine Barde.

Auch bei den Antrieben gibt es Skepsis gegenüber neuen Technologien. Jungheinrich etwa bietet aufgrund der fehlenden Wirtschaftlichkeit keine Stapler mit Brennstoffzelle an. "Der ökologische Nutzen ist nicht gegeben", so Sprecher Markus Piazza. Wasserstoff werde im Wesentlichen aus fossilen Energieträgern hergestellt, Abgase ließen sich auch durch andere Technologien reduzieren. Zudem führe der Hybridbetrieb zu höherem Wartungsaufwand: "Ohne Brennstoffzelle in der Automobilindustrie wird es auch keine in Gabelstaplern geben." Dennoch sei man vorbereitet: Die bislang eingesetzten Batterien könnten ohne großen Aufwand gegen Brennstoffzellen ausgetauscht werden.

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