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Riskanter Spaß auf vier Rädern

Ob Moped oder Leichtkraftrad: Groß ist die Auswahl an motorisierten Fortbewegungsmittel für Jugendliche nicht. Doch ab 2005 können 16- und 17-Jährigen, auch auf drei oder vier Rädern unterwegs sein.

dpa/gms BERLIN/SCHWALBACH. Ob Moped oder Leichtkraftrad: Groß ist die Auswahl an motorisierten Fortbewegungsmittel für Jugendliche nicht. Doch ab 2005 können 16- und 17-Jährigen, auch auf drei oder vier Rädern unterwegs sein.

Jugendliche können dann nämlich ihre Prüfung in der neuen Führerscheinklasse „S“ ablegen. Sie erlaubt es 16- und 17-Jährigen, auch auf drei oder vier Rädern unterwegs zu sein. Was viele Nachwuchsfahrer freuen dürfte, macht Sicherheitsexperten Sorgen: In die Kategorie der erlaubten Fahrzeuge fallen auch die trendigen Quads: Und die gelten als recht riskant.

Die neue Führerscheinklasse werde zum 1. Februar 2005 eingeführt, sagt Peter Glowalla aus Berlin, stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Mit einem entsprechenden Führerschein dürfen drei- oder vierrädrige Fahrzeuge bewegt werden, deren Motor als Benziner nicht mehr als 50 Kubikzentimeter Hubraum hat. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 45 Stundenkilometer begrenzt.

Zur Auswahl stehen damit unter anderem die Leicht-Personenwagen - kleine Vehikel, die an „echte“ Autos erinnern. An einen Boom der Mini-Mobile bei Jugendlichen glaubt Peter Resetka vom Anbieter Ligier in Kirchardt (Baden-Württemberg) aber nicht: „Es wird wenige Eltern geben, die ihren Kindern so ein Fahrzeug gönnen.“ Das Basismodell kostet immerhin 9 450 Euro. Dafür gibt es zwar auch einen Dieselmotor, der keiner Hubraumbeschränkung unterworfen ist. Mehr als Tempo 45 geht trotzdem nicht.

Einen zusätzlichen Aufschwung durch die Führerscheinklasse „S“ werden laut den Experten dagegen vor allem die Quads erleben. In Deutschland boomen die Gefährte vor allem in größeren Hubraumklassen: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg zählte im Jahr 2001 einen Bestand von 743 Fahrzeugen der Gattungen Trikes und Quads. Mitte 2004 waren es dann schon 23 317, davon 96 Prozent Quads. Und mit dem neuen Jugend-Führerschein dürfte es weiteren Zuwachs geben: „Wir denken, dass jeder fünfte Jugendliche statt eines Rollers ein Quad wählen wird“, sagt Dieter Scholz vom Hersteller Sachs in Nürnberg.

Doch Verkehrsexperten befürchten Schlimmes: So hat die Dekra einen Crashtest mit einem Quad vorgenommen und kam dabei zu dem Schluss, dass erhebliche Sicherheitsdefizite bestehen. „Die Quads sind eben grundsätzlich für Geländefahrten gebaut und haben daher Defizite auf den Straßen“, warnt Bernd Kulow vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn. Er weist vor allem auf die Kippgefahr in Kurven hin.

Peter Glowalla sieht die Lage noch dramatischer: „Jeder Schlenker wirft das Ding aus der Bahn.“ Hinzu komme das Problem der begrenzten Höchstgeschwindigkeit: Durch den Tempo-Unterschied zu den übrigen Fahrzeugen brächten Quad-Fahrer sich und andere in Gefahr. Außerdem haben Quads meist nur einen Scheinwerfer und wirken in der Dunkelheit wie ein Motorrad. Weil sich aber beiderseits der Leuchte noch Karosserie befindet, könnten die Quads für Fußgänger gefährlich sein.

Der Zweirad Industrie-Verband in Schwalbach am Taunus hat nicht so große Befürchtungen. Zwar stuft auch Geschäftsführer Siegfried Neuberger das Fahrverhalten der Quads als „nicht einfach“ ein. Aber: „Man muss das Fahren eben üben“. Wie riskant die Quads wirklich sind, dürfte sich schnell zeigen. Denn laut Glowalla sind die Jugendlichen „hinter den Quads her wie der Teufel hinter der Großmutter“.

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