Roadster für Puristen

Nur quer bist Du wer

Offen, hart, direkt - und garantiert ohne Sitzheizung: Am Automarkt halten sich exklusive Roadster erstaunlich stabil. Die Nischenanbieter setzen auf Purismus für aktive Fahrer. Und genau das erhält sie am Leben.
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  • dpa
Kein Dach, keine Tür, Beschleunigung pur
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Auf der Suche nach dem Motorrad-Feeling: Nicht jeder Fahrer sieht das Auto als nüchternes Mittel für den sicheren, bequemen Transport von A nach B. Einige fordern ein technisches Spielzeug für die schönen Stunden des beschleunigten Lebens. Ein Überblick über die weitgehend sinnfreien Fahrzeuge mit dem Motto "Nur quer bist Du wer", die dennoch auf öffentlichen Straßen bewegt werden dürfen.

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... Zwar sind die Stückzahlen solcher Exoten in der Regel gering. Einige Experten beobachten die Entwicklung dennoch mit Sorge. Denn vielfach ist das Fahrverhalten solcher Spaßfahrzeuge so ungewöhnlich, dass der Umstieg gewisse Risiken birgt, warnt etwa Hans Georg Marmit von der Sachverständigenorganisation KÜS aus Losheim am See (Saarland). Foto: Der kanadische Campagna T-Rex 1400 R (PR)

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Zur kippeligen Angelegenheit werden für Ungeübte etwa schnell die ersten Ausfahrten mit den kleinsten und preiswertesten Spaßmobilen, den zurzeit immer beliebter werdenden Quads: Wer mit einem solchen vierrädrigen Motorrad rasant durch die Kurve will, muss die Kräfte mit entsprechenden Körperbewegungen ausgleichen. Foto: Yamaha

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... Zu den preiswertesten Spaßfahrzeugen zählen die sogenannten Quads und ATVs. Die eigenwillige Mischung aus Geländewagen, Motorrad und Go-Kart ist vor allem bei Abenteurern in Nordamerika beliebt, kommt aber auch in Deutschland immer öfter zum Einsatz. Mittlerweile sieht man die kleinen Kraftpakete mit dem auffälligen Freisitz nicht nur in der Landwirtschaft oder in Kiesgruben, sondern ganz regulär auf der Straße. Foto: Das GG-Quad mit BMW-Technik vom Schweizer Produzenten Grüter und Gut ist mit seinen 97 PS und 170 km/h Spitze auch in der Quad-Szene ein Exot. Das vierrädrige Motorrad, das rund 40.000 Euro kostet, kann mit jedem Pkw-Führerschein bewegt werden und verspricht ein Fahrverhalten wie ein Rennwagen. Die Jahresproduktion von 80 Stück soll schon so gut wie verkauft sein. Zu den Kunden zählen unter auch Scheichs in Dubai ...

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... Die Zulassungszahl der Quads sind 2008 um 1,5 Prozent auf knapp 25 000 Fahrzeuge gestiegen, sagt Rolf Wassmer von Suzuki in Bensheim. Hier reicht die Modellpalette vom Kinderquad mit 50-Kubikzentimeter-Motor bis zum Kraftpaket mit 750 Kubikzentimetern Hubraum. Die Preise beginnen bei gut 7 000 Euro ... Foto: Das Doppelsitzer-Quad "Shark 500 Automatik" ist im Gegensatz zu den üblichen Modellen kippsicher und kostet zwischen 14.000 bis 18.000 Euro (dpa).

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Unkonventioneller als ein Quad ist auch der Can Am Spyder des kanadischen Bombardier-Konzerns, der zu Preisen ab gut 17 000 Euro verkauft wird: Konstruiert wie ein umgekehrtes Trike, hat er vorne zwei Räder und hinten nur eines. Die markante Y-Architektur soll das Open-Air-Fahrerlebnis eines Motorrads mit den technischen Sicherheitsfeatures eines sportlichen Cabrios kombinieren - und darf mit einem herkömmlichem PKW-Führerschein gefahren werden ... Foto: PR

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... Ein elektronisches Schutzsystem soll beim dreirädrigen Can Am Spyder zudem die Fahrstabilität garantieren. In Fahrt bringt den Can Am Spyder ein Rotax-V-Zweizylinder mit einem Liter Hubraum und 106 PS. Er beschleunigt das Gefährt wie einen Sportwagen: Von Null auf 100 km/h braucht er 4,7 Sekunden. Da bekommt man schon lange Arme. Eine Helmpflicht gilt für den Can Am Spyder übrigens auch nicht, aber wer was im Kopf hat, der wird ihn wohl auch freiwillig schützen wollen.Foto: PR

Cabriofahren wird immer komfortabler: Bei Tempo 80 stellt sich das Windschott auf. Bei Temperaturen unter 25 Grad treten Sitzheizung und Nackenföhn ihren Dienst an. "Die Einschränkungen werden geringer", fasst Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics aus Limburg den Trend zu immer mehr Annehmlichkeiten im offenen Auto zusammen.

Doch gerade Puristen lehnen die neuesten Komfort-Errungenschaften von Cabrio und Roadster ab. Sie nennen Autos wie den Mercedes SLK oder den offenen Golf Cabrios für Warmduscher und suchen nach handfesten Alternativen. Die sind zwar selten geworden, und man findet sie kaum bei den Großserienherstellern. Doch vor allem aus England kommen noch immer ein paar Roadster für die radikaleren Frischluftfans.

Morgan Quelle: dpa

Morgan ist ein rein britischer Familienbetrieb, der immer noch Autos auf Holzrahmen fertigt.

(Foto: dpa)

Erste Adresse für solche Autos ist die Firma Morgan Motor Cars in Malvern, die ihr erstes Auto 1910 baute. Heute haben die Briten rund ein halbes Dutzend verschiedener Modelle im Angebot, die weitgehend in Handarbeit gefertigt werden. Mit neuen Motoren und einem Mindestmaß an Elektronik halbwegs auf der Höhe der Zeit, erfolgt die Konstruktion noch nach alter Väter Sitte: Der Rahmen ist dem Unternehmen zufolge aus Holz, die Karosserie wird aus Aluminium gebogen und die Innenausstattung ist aus Leder. Nur das Verdeck besteht mittlerweile aus PVC.

Die Palette beginnt beim 4/4-Sport mit einem 116 PS starken Vierzylinder für gut 40.000 Euro und reicht bis hinauf zum Aero Supersports für rund 170.000 Euro. Dieser hat einen V8 mit 4,8 Litern Hubraum und 376 PS.

Quelle: PR

Doch mit dem neuesten Modell sucht Morgan mehr als zuvor seine Wurzeln: Der offene Threewheeler hat drei Räder und Platz für zwei Insassen. Schon zwischen 1910 und 1953 baute Morgan mehr als 30 000 solcher Zweisitzer.

Morgans Threewheeler

Der Name ist Programm: Morgans Threewheeler ist ein beinhartes Dreirad in Bootform, das 2010 neu aufgelegt wurde und sehr frühe Modelle der Briten wieder aufgreift.

Die Neuinterpretation als Mischung aus Auto und Motorrad treibt ein 1,9 Liter großer Motor von Harley-Davidson an, der 115 PS leistet und 185 km/h ermöglicht. Rund 40.000 Euro kostet der Wagen.

Caterham Super Seven

Leichtgewicht: Der Caterham Super Seven wiegt nur knapp 600 Kilo. Seine 125 PS reichen deshalb für eine imposante Beschleunigung aus.

Ähnlich alt ist die Grundkonstruktion des Super Seven, der 1957 von Lotus-Gründer Collin Chapman entwickelt wurde. Der Zweisitzer mit der charakteristischen Aluminium-Nase wird heute von Caterham in der Grafschaft Surrey England gebaut und wiegt noch immer keine 600 Kilogramm. Deshalb reichen ihm nach Angaben des Herstellers bereits 125 PS für eindrucksvolle Sprintwerte - das Basismodell ist in 5,9 Sekunden auf Tempo 100.

Der Purismus hat auch mildernden Einfluss auf die Preise, die in Deutschland bei rund 30.000 Euro beginnen.

Der Druck auf den roten Starterknopf und das Antesten des Gaspedals verursachen einen Höllenlärm. Wenn brutale Beschleunigungskräfte das 500-Kilo-Gefährt packen - in 4 Sekunden auf 100 km/h - , dann sucht der Beifahrer  im Caterham Superlight R 400 verzweifelt irgendetwas zum Festhalten.

Der Druck auf den roten Starterknopf und das Antesten des Gaspedals verursachen einen Höllenlärm. Wenn brutale Beschleunigungskräfte das 500-Kilo-Gefährt packen - in 4 Sekunden auf 100 km/h - , dann sucht der Beifahrer im Caterham Superlight R 400 verzweifelt irgendetwas zum Festhalten.

Leicht und luftig - das ist auch das Motto für die Lotus Elise aus Hethel. Auch ihr Verdeck muss man noch in Handarbeit aufspannen. Messfühler sind Fehlanzeige, niedrigen Temperaturen begegnet man besser mit Kleidung als der Klimaanlage.

Lotus Elise

Hier ist Handarbeit gefragt: Das Verdeck des Lotus Elise wird noch mit Muskelkraft bedient.

Dafür bietet auch die dank Aluminium-Konstruktion und minimalistischer Ausstattung weniger als 900 Kilo schwere Engländerin Beschleunigungswerte wie ein Porsche zum Preis eines Mittelklasse-Modells. Mit Motoren von 136 bis 220 PS schafft es der Roadster, zu haben ab 37.450 Euro, in 6,5 bis 4,6 Sekunden auf Tempo 100.

Das es auch noch teurer und exklusiver geht, beweist die Automanufaktur Wiesmann seit mittlerweile mehr als 20 Jahren. Ihre in Handarbeit entstehenden Roadster mit BMW-Technik liegen locker über 100.000 Euro. Das direkte Gegenteil sind Kit Cars, also Baukastenautos, die geschickte Schrauber auch selber zusammensetzen können. Der an den Lotus Super Seven und die nachfolgenden Modelle von Westfield, Caterham und Donkervoord erinnernde Irmscher 7 ist eine solche Alternative. Und es gibt weitere, wie beispielsweise den atemberaubenden Ariel Atom, das zeigt unsere Bildergalerie am Textanfang.

Handarbeit bis zur letzten Schraube
huGO-BildID: 10397997 Wiesmann Autobilder
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Im westfälischen Dülmen werden höchst individuelle Autoträume erfüllt, auf der Basis von zuverlässiger Serientechnik. Puristische Roadster, die nach eigenen Konstruktionsplänen von Facharbeitern in Einzelanfertigung hergestellt werden, sind das Markenzeichen der "Manufaktur der Individualisten". Die Wiesmann-Zweisitzer sollen pure Emotionen ansprechen ...

huGO-BildID: 10397911 Wiesmann Autobilder
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Mit seinen Rennmaschinen im Retro-Stil verteidigt Wiesmann seine Nische erfolgreich gegen Konkurrenten wie Ferrari oder Porsche. Dabei ist ein Wiesmann wie der MF3 nur etwas für Puristen. Airbags? Klimaanlage? Fehlanzeige. In den Kofferraum passen zwei Golftaschen - immerhin. Doch wer 100.000 bis 150.000 Euro für ein Auto ausgibt, dem geht es um Adrenalin. „Unsere Kunden spielen meist schon länger mit der Idee, sich einen Wiesmann zu kaufen", sagt Molitor.

huGO-BildID: 10397927 Wiesmann Autobilder
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Deshalb ist der Wagen ein Fliegengewicht: mit 1 180 Kilo leichter als ein VW Beetle. 343 PS bei 3 246 Kubikzentimeter Hubraum jagen ihn von null auf 100 in knapp fünf Sekunden.

huGO-BildID: 10397783 Wiesmann Autobilder
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Das Geschäft brummt: 250 Flitzer will Wiesmann dieses Jahr bauen. Der Umsatz soll auf 32 Millionen Euro anwachsen. Auch Linksfahrern wie Briten und Japanern sollen ihre Autoträume bald in Dülmen erfüllt werden. Foto: Wiesmann-GT MF 4; Motor: BMW V 8; Hubraum: 4.799 ccm; Fahrleistung: 367 PS; Höchstgeschwindigkeit: 290 km/h; Beschleunigung 0-100 km/h: 4,6 sec

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Der Automarkt spaltet sich immer mehr auf. Während Massenherstellern wie Ford oder General Motors das Verkaufen schwerfällt, wächst die Nachfrage nach den exklusiven Luxuskarossen wie denen aus dem Münsterland rasant. Foto: Wiesmann-GT MF 4

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"Insgesamt profitiert dieses Segment von einem gesellschaftlichen Trend: Die Zahl der oberen Einkommensgruppen nehmen zulasten der mittleren Einkommen zu", sagt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive an der Fachhochschule für Wirtschaft in Bergisch-Gladbach. Foto: Roadster MF3

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Und die Klimadebatte? "Eine gewisse Auswirkung wird das auf die Nachfrage nach Autos, die auf Hochgeschwindigkeit ausgelegt sind, haben", räumt Firmenchef Friedhelm Wiesmann ein. Eine ernsthafte Gefahr für den Absatz seiner Luxusrenner sieht er aber nicht: "Motorisierung ist eine Imagefrage." Foto: Heckansicht des Roadster MF3 zwischen zwei Wiesmann GT MF4.

"Kleinserienhersteller wie Morgan oder Caterham leben ganz gut in dieser Nische", sagt Jato-Experte Margetts: "Würden sie konventionelle Roadster bauen, die sich an Modellen aus der Großserie messen lassen müssten, wäre das wahrscheinlich ihr Ende." Für die Massenhersteller gilt entgegen solchem Purismus: Ihre Autos könnten sie wohl kaum vermarkten, wenn sie nicht über ein Mindestmaß an Komfort und Luxus verfügten.

Bei Geländecabrios wie dem Jeep Wrangler oder dem Land Rover Defender nehmen die Kunden lästige Handarbeit zum Öffnen und Schließen ebenso noch in Kauf wie flatternde Verdecke im Fahrtwind. Aber bei Sportwagen aus der Großserie wird ein gewisser Schick vorausgesetzt. Nicht umsonst waren konsequente, auf klassische Roadster-Qualitäten reduzierte Autos wie der Renault Sport Spider oder der Smart Crossblade wenig erfolgreich und wurden ohne Nachfolger schnell wieder eingestellt.

Mazda MX-5

Grenzgänger: Der Mazda MX-5 hat zwar Sitzheizung und Klimaanlage, das Verdeck aber wird noch per Hand bedient.

Doch auch die Balance von Minimalismus und Annehmlichkeit kann zum Erfolg führen: siehe Mazda MX-5. Zwar gibt es den japanischen Roadster längst auch mit Klimaanlage und Sitzheizung. Aber zumindest das Verdeck öffnet sich noch allein durch Muskelkraft - wenngleich dafür zwei Handgriffe genügen. Das komme selbst beim verwöhnten Publikum bestens an, so die Japaner. Allein sein Erfolg spricht für den MX-5, den es schon seit 21 Jahren gibt. Mit mittlerweile über 900.000 Fahrzeugen ist er laut Mazda der erfolgreichste Roadster der Welt. Zum Erfolg hat sicher auch der Preis beigetragen: In Deutschland ist der mindestens 22.290 Euro teure Roadster einer der günstigsten am Markt.

  • dpa
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  • Das Gerücht vom Holzrahmen des Morgen ist offenbar nicht totzukriegen.
    Aus Holz, genauer gesagt aus Eschenholz, ist jedoch nur der Unterbau der Karosserie, dieser wird dann mit Aluminium beplankt.
    Der Rahmen selbst ist ein Leiterrahmen aus Stahl, wie man sie heute fast nur noch von LKWs kennt, mit Starrachse an Blattfedern.
    Auf die Gefahr hin, ein peinliches Geheimnis preiszugeben:
    Sitzheizung ist lieferbar und in einer lauen Sommernacht kann es im offenen Mog bei 160 km/h oder mehr (man sehe mir meine saloppe Diktion nach) saukalt werden!

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