Rotstift bei Fiat und Peugeot
Autokonzerne schalten in Krisenmodus

Der europäische Automarkt wird 2013 so schwach sein wie lange nicht. Bei Fiat und Peugeot regiert der Rotstift, auch weitere Werksschließungen scheinen unausweichlich. Selbst Volkswagen und BMW sind nicht mehr immun.
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ParisAuf Messen wollen Aussteller glänzen. Besonders in schwierigen Zeiten. Volkswagens sonst so selbstbewusster Konzernchef Martin Winterkorn zeigt sich allerdings zum Auftakt des Pariser Autosalons nachdenklich. Auf Fragen nach der Autokrise in Europa wusste er nur zu sagen, es „gibt keine einfachen Antworten“. Sein eigenes Unternehmen sieht er zwar auf Kurs. Winterkorn bestätigte die Unternehmensziele für 2012, mehr Absatz und Umsatz sowie ein operativer Gewinn auf dem Rekordniveau von 11,3 Milliarden Euro des Vorjahrs. Doch viele Konkurrenten klingen längst nicht mehr so optimistisch.

Philippe Varin, Konzernchef des angeschlagenen französischen Autokonzerns Peugeot-Citroen (PSA), blickt skeptisch über den Rand seiner Metallbrille. „Ich glaube, es wird wirklich hart“, sagt er und macht eine drastische Vorhersage: Es werde weitere Werkschließungen in Europa geben. Manche Konkurrenten verlören pro verkauften Wagen noch mehr Geld als PSA. Peugeot hat bereits angekündigt, 8000 Mitarbeiter zu entlassen und ein Werk nahe Paris zu schließen. Doch das Unternehmen werde vermutlich bis 2014 monatlich einen dreistelligen Millionenbetrag an Cash verbrennen.

Ford lässt die Zukunft in seinem belgischen Werk Genk (Mondeo-Fertigung) offen. Jeder zeigt in Paris auf den anderen. Klar ist: Bis auf VW machen fast alle Massenhersteller Verluste in Europa. Kein Wunder: Marken wie Fiat, Peugeot und Citroën gäben derzeit Rabatte von bis zu 30 Prozent, sagte Chevrolets Europa-Präsidentin Susan Doherty. Kein Autohersteller könne damit profitabel arbeiten. Europas Autoindustrie ist nach vier Jahren zurück im Alarmmodus: Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center of Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen rechnet damit, dass im kommenden Jahr die Geschäfte in Westeuropa so schlecht laufen wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Die Verkäufe sollen 2013 von 11,9 Millionen auf 11,6 Millionen schrumpfen - nachdem sie vor wenigen Jahren noch bei mehr als 14 Millionen Fahrzeugen lagen. Besonders hart trifft es Hersteller wie Fiat, Peugeot, Renault oder Opel, die kein eigenes Geschäft in den USA haben und auf dem chinesischen Wachstumsmarkt unterrepräsentiert sind. Auch wenn er bei der Euro-Krise Stabilisierungstendenzen sieht, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche: „Europa wird herausfordernd bleiben.“

Weil sich auch in China das Wachstum abschwächt, verstärken die Stuttgarter ihre Sparanstrengungen. Insgesamt will Daimler Kreisen zufolge mehr als eine Milliarde Euro einsparen. Denn den Abschwung bekommen inzwischen selbst die Oberklassehersteller zu spüren. Sowohl Porsche als auch Daimler schraubten ihre Prognosen zurück. „Wenn die Märkte zurückgehen, trifft das auch die Nachfrage nach Premiumautos“, sagt Porsches Vorstandschef Matthias Müller.

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  • Auch die Automobilzulieferer werden von der Krise nicht verschont bleiben. Aber es gibt einige die für die Krise in Europa gut gerüstet sind, die Schaeffler Gruppe überzeugt mit erfolgreichen Quartalszahlen und die steigenden Gewinne in den Wachstumsmärkten Asien und USA gleichen die Verluste in Europa aus.

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