Rücktrittsforderungen
Politik verstärkt Druck auf ADAC-Führung

ADAC-Präsident Meyer kam mit seinem Rücktritt einem Rausschmiss zuvor. Doch damit ist der Skandal um Schummeleien längst nicht ausgestanden. Nun geraten auch die anderen Führungskräfte unter Druck.
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Die Linkspartei hält den Rücktritt des ADAC-Präsidenten Peter Meyer für nicht ausreichend. Nach dem Eingeständnis des Automobilclubs, dass beim Autopreis "Gelber Engel" nicht nur die Teilnehmerzahl, sondern auch die Rangfolge der Fahrzeuge gefälscht wurde, fordert die Vize-Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Caren Lay, weitere Konsequenzen. "Der ADAC hat nicht einmal vor Fälschungen zurückgeschreckt. Das ist Verbrauchertäuschung", sagte Lay Handelsblatt Online. "Jetzt sollte das gesamte Management zurücktreten, um den Weg für einen Neustart freizumachen."

Lay brachte zudem ein Verbot von Tests ins Spiel, "bei denen es keine saubere Trennung zu eigenen wirtschaftlichen Interessen und keine Transparenz und öffentliche Kontrolle gibt".

Am Montag war bekannt geworden, dass der ADAC die Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" laut einer externen Prüfung 2014 und in den Jahren zuvor manipuliert hat. Die Teilnehmerzahl wurde demnach aufgeblasen und die Reihenfolge der Gewinner verändert. Kurz bevor die Wirtschaftsprüfer von Deloitte dieses Ergebnis am Montag bekanntgaben, hatte ADAC-Präsident Peter Meyer seinen Hut genommen und war damit dem drohenden Rausschmiss zuvorgekommen. Denn seine Kollegen aus der Führungsspitze hatten am Vormittag beschlossen, eine Abberufung des 64-Jährigen zu prüfen, als sie von den umfangreichen Fälschungen erfuhren.

Seinen Posten übernimmt kommissarisch Vizepräsident August Markl. Er kündigte umfassende Reformen an, mit denen der ADAC "die schwerste Krise seiner 111-jährigen Geschichte" überwinden wolle. In den nächsten Tagen und Wochen sollten bereits weitere Schritte folgen. Markl will den größten europäischen Automobilclub, der trotz einer Austrittswelle knapp 19 Millionen Mitglieder zählt, bis Mai leiten - dann bestimmt die Hauptversammlung einen Nachfolger. Beobachter rechnen damit, dass der künftige Chef von außen kommen wird.

Die Prüfer von Deloitte stellten anhand Tausender wiederhergestellter Dateien und zahlreicher Interviews fest, dass die falschen Ergebnisse beim Publikumspreis durch vorsätzliche Veränderungen und eine technisch fehlerhafte Verarbeitung der Daten zustande kamen. Der - wegen der Vorwürfe bereits zurückgetretene - ADAC-Kommunikationschef habe kurz vor der Bekanntgabe des Leser-Lieblingsautos "auf seinem PC verschiedene Szenarien simuliert, bei denen sowohl die Stimmenzahl als auch die Zuordnung der Stimmen zu den einzelnen Modellen willkürlich verändert wurden".

So wurden dem Sieger, dem VW Golf, rund zehn Mal so viele Stimmen zugeschrieben wie tatsächlich dafür abgegeben worden waren. Der BMW 3er, laut Deloitte eigentlich auf Platz 2 bei der Publikumswahl, kam beim ADAC gar nicht mehr vor; stattdessen gelangte der BMW 5er auf Platz 5.

Die Wirtschaftsprüfer sahen klare Anhaltspunkte dafür, dass ähnliche Veränderungen auch in den Vorjahren vorgenommen worden seien. Die Untersuchungen der Jahre 2005 bis 2013 seien aber noch nicht abgeschlossen. Je nach Ergebnis würden rechtliche Schritte gegen den Ex-Kommunikationschef vorbereitet. Die Prüfer gehen bislang davon aus, dass dieser im Alleingang gehandelt hat. Hinweise, dass der ADAC vor der Preisverleihung Kontakt zu Autobauern gehabt und in der Folge bestimmte Modelle bevorzugt haben könnte, gibt es demnach nicht.

Die großen Hersteller BMW, Daimler und VW kündigten unisono an, alle vom ADAC vergebenen "Gelben Engel" zurückzugeben, weil gefälschte Preise für sie wertlos seien. ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair sagte, die aufgedeckten Manipulationen seien ein schwerer Schlag für den gesamten Club, der auch Versicherungen und Reisen anbietet sowie als Lobbygruppe in Berlin etwa gegen Pkw-Mautpläne kämpft. Er entschuldigte sich bei den Autobauern wie auch bei Mitgliedern und Mitarbeitern. "Die Auszeichnung 'Gelber Engel' wird es in Zukunft definitiv nicht mehr geben", kündigte er an.

Über die weiteren Konsequenzen aus dem Prüfbericht herrscht in der ADAC-Führungsspitze Streit: Meyer, der wochenlang alle Rücktrittsforderungen an sich hatte abperlen lassen, überraschte am Mittag mit der Ankündigung, sein Amt mit sofortiger Wirkung niederzulegen. Die überrumpelte ADAC-Zentrale konterte eine Stunde später wortkarg, dass man dies zur Kenntnis nehme - ohne die in solchen Fällen üblichen Worte des Bedauerns oder des Dankes.

Stattdessen schrieb sie von einem Suspendierungsverfahren gegen Meyer. Dies wiederum wies der 64-Jährige als unrichtig zurück. Vielmehr habe er den Präsidiumsmitgliedern nahegelegt, "dass eine gesamtverantwortliche Reaktion und Demission des Präsidiums sicherlich ein wichtiges und besseres Signal gewesen wäre". Er übernehme nicht - wie von der ADAC-Zentrale kommuniziert - die politische Verantwortung für die zahlreichen Vorwürfe, denn das Präsidium habe alle Entscheidungen gemeinsam getroffen. Vorsitzender des Regionalclubs ADAC Nordrhein will Meyer nach Angaben einer Sprecherin bleiben.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rücktrittsforderungen: Politik verstärkt Druck auf ADAC-Führung"

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  • Wie verlogen unsere Politiker doch sind! Sie regen sich über einen verhältnismäßig kleinen Skandal auf anstatt vor der eigenen Haustür zu kehren.

  • Hätte der ADAC sich nicht gegen die Auto-Maut gestellt, wäre das alles nicht an die Oberfläche gekommen.

    In der "political correctness"-Monotonie muss man aufpassen, was man öffentlich sagt.

  • Oh Jammer, dass man heut für Geld
    nicht mehr bekommt was man bestellt'!
    Seh' ichs recht, so hat die deutsche Autolobby
    ein ganz besonders teures Hobby:

    Den ADAC man so leicht nicht schmiert,
    da es diesen Verein so giert,
    dass er viel Geld verlangt um aufzubessern
    deutsche Autos, fremde zu verwässern.

    Jetzt stellt sich raus: Vergebens war die Müh.
    Die Süddeutsche täuscht man nie!
    Oh je - was wird nur Mutti dazu sagen,
    geht es ihr jetzt auch an'n Kragen?

    Denn sie war es, die ein bissel
    nachgeholfen hat in Brüssel,
    dass CO2-Ausstoß für deutsche
    Hersteller zum Nachteil nicht gereuche.

    Werden Autofahrer klug wenn sie das lesen?
    Das wär zuviel der Hoffnung g'wesen.
    Mit Maut und Tempolimit lasst sie zittern!
    Wird's der Seehofer bald twittern?

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