Russland
Wildes Rennen um russische Autofahrer

Westliche Autokonzerne drängen auf den russischen Markt. Dort steigt die Nachfrage nach westlichen Autos. Um die hohen Einfuhrzölle zu umgehen, lassen die Konzerne in Russland fertigen. Volkswagen und General Motors sind schon da, Peugeot will nun nachziehen.

DÜSSELDORF. Im Westen nichts Neues: Die weitgehend gesättigten Automärkte wachsen nur leicht. Viele Kunden fahren ihr altes Modell noch etwas länger und warten ab, bis es klare Regeln zur Besteuerung des CO2-Ausstoßes gibt. Ganz anders im Osten: Der Wirtschaftsboom in den neuen und künftigen EU-Ländern sorgt für steigende Kaufkraft – und erhöht die Nachfrage nach Autos westlicher Prägung. Der benachbarte russische Markt macht den Autokonzernen besondere Freude. Für Uwe Kumm, Repräsentant des Münchner Unternehmensberaters Roland Berger in Moskau, verheißt Russland eine gewaltige Chance: „Wir sprechen von einem Automobilmarkt im Aufwind, unmittelbar an der EU-Ostgrenze.“

Russland dürfte in den nächsten Jahren Deutschland als größten europäischen Absatzmarkt überholen. Davon ist Frank Schwope, Autoanalyst bei der NordLB überzeugt. Das Potenzial ist gewaltig: Im Jahr 2010 würden sich 45 Millionen russische Haushalte ein eigenes Auto leisten können, schwärmt Volkswagen-Chef Martin Winterkorn. Dann will sein Konzern bis zu 300 000 Autos der Marken VW, Skoda und Audi absetzen.

Der kanadische Lohnfertiger Magna schätzt, dass dann 2,3 Millionen Fahrzeuge aus heimischer Produktion nationaler und internationaler Hersteller kommen (siehe: „Die vier Autozentren“). Die Politiker würde es freuen. Russlands neuer Präsident Dimitrij Medwedjew, folgt seinem Vorgänger Wladimir Putin bei dem Ziel, das riesige Land unabhängiger von seinen Ressourcen zu machen. Um das zu schaffen, fördert der Staat den Aufbau von Produktionsstätten im Land. Noch hinkt der Anteil der verarbeitenden Industrie am Bruttosozialprodukt weit hinter dem westlicher Industrieländer her.

Lokale Produktion lohnt sich. Um die hohen Einfuhrzölle von 25 Prozent zu umgehen, fertigen die Konzerne vor Ort. Die von der heimischen Misere gebeutelten US-Autoriesen General Motors (GM) und Ford produzieren ebenso in St. Petersburg wie die japanischen Rivalen Toyota, Nissan und Suzuki. Volkswagen montiert – als erster deutscher Hersteller – seit Ende 2007 einige Tausend VW Passat und Skoda Octavia in einer eigenen russischen Fabrik. Der Standort Kaluga gilt als Keimzelle der russischen Raumfahrt und liegt knapp 200 Kilometer südwestlich von Moskau. Der französische Konkurrent PSA (Peugeot, Citroen) will hier nachziehen.

Der Bedarf ist groß. Auf 1 000 Einwohner kommen bisher knapp 200 Autos; in Deutschland sind es rund 550 Wagen. „Russland ist ein Wachstumsmarkt, und jeder versucht, dort Fuß zu fassen“, sagte GM-Chef Rick Wagoner jüngst dem Handelsblatt. Er muss es wissen: Sein Konzern führt die Rangliste der ausländischen Hersteller an. Vor allem die auf Schwellenländer ausgerichtete Einstiegsmarke Chevrolet erfreut sich großer Beliebtheit. Fast 200 000 Stück setzten die Amerikaner davon im vergangenen Jahr ab. „Wir haben gute Arbeit mit Chevrolet geleistet und noch eine Menge Möglichkeiten“, sagt Wagoner. Nur eines ärgert ihn: Die deutsche Tochter Opel hat in Russland ein Premiumimage – doch GM kommt mit der Produktion nicht nach. Abhilfe soll die vor kurzem gestartete Fertigung des Opel Astra im Werk St. Petersburg schaffen.

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