Sammelleidenschaft rund ums Auto
„Automobilia“ sind ein Selbstläufer

Lenkrad, Leuchtschrift, Sammlerstück - begehrte Objekte rund ums Auto haben einen Namen: Automobilia. Seltene Exemplare kommen bei Auktionen mittlerweile zu saftigen Preisen unter den Hammer.
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BerlinNettopreis 20.000 Euro: Für diesen Betrag erstand ein Bieter im vergangenen Jahr bei einer Auktion in Ladenburg nahe Karlsruhe einen Porsche von 1968. Es handelte sich nicht um ein fahrbares Modell in Lebensgröße. Es war ein knapp ein Meter langes Windkanalmodell mit „kleineren Farbabplatzern, wohl Gulf-Lackierung, ähnlich Le Mans 1971“ - der Porsche Typ 917 LH. „Ein Museumsstück“, so die Veranstalter der Automobilia Auktion Ladenburg.

Das einzige bekannte Exemplar war aber nicht die einzige Devotionalie, die bei der Versteigerung unter den Hammer kam. Auch eine Betriebsanleitung des BMW Typ 507 Achtzylinder von 1957 - „sehr guter Zustand, Rarität, Auflage 500“ - fand zu einem stolzen Preis einen Käufer: Bei 4.300 Euro fiel der Zuschlag.

Automobilia - unter diesem Begriff werden Sammelobjekte bezeichnet, die nahezu alles sein können, mit einer Einschränkung: Sie müssen mit motorisierter Mobilität zu tun haben.

Kurz gesagt: Es geht um alles, was „mit Autos, Motorrädern und vielleicht dem Fahrrad zu tun hat“, sagt Marcel Seidel, Geschäftsführer beim Auktionshaus Seidel & Friedrich, das die Automobilia-Auktionen seit 2001 regelmäßig veranstaltet. Nie geht es aber um Fahrzeuge selbst oder ölige Ersatzteile.

„Auch Werbegeschenke, etwa ein Schminkspiegel für Frauen mit Mercedes-Stern hinten drauf, zählen zu Automobilia“, umreißt Seidel das Betätigungsfeld der Sammelwütigen. Großen Gefallen finden neben historischen Verkaufsprospekten, Rennprogrammen, prestigeträchtigen Autoteilen wie Schaltknüppel oder Kühlerfiguren sogar ganze Zapfsäulen und andere Dinge aus dem Umfeld der motorisierten Mobilität.

Eine Grenze setzt Seidel bei seinen Versteigerungen aber - sobald man die Moral verletzt sieht: „Das Totenbuch des Sekretärs vom alten Ferdinand Porsche, das uns angeboten wurde, haben wir nicht in die Auktion aufgenommen.“

Aber das Geschäft brummt auch so. Im Jahr 2013 wurden allein durch Seidel & Friedrich Objekte für insgesamt rund 2,2 Millionen Euro versteigert, auf jeden Zuschlagspreis erhebt das Auktionshaus gut 19 Prozent Provision.

Dass teils so hohe Preise zustande kommen, liegt laut Seidel vor allem an der Seltenheit und dem Preis des Autos, dem das Objekt zugeordnet ist. „Wenn das Auto drei Millionen kostet, kann alles, was direkt dazu gehört - eine Betriebsanleitung oder ein Garantieschein - schon mal einige Tausender bringen.“

Auch spiele die Legendenbildung eine Rolle - etwa bei Devotionalien rund um verstorbene Rennfahrer. Eine von dem bei der Mille Miglia 1957 mit 28 Jahren tödlich verunglückten spanischen Rennfahrer Alfonso de Portago signierte Fotopostkarte, „rückseitig mit handschriftlicher Widmung“, wechselte für 3.600 Euro den Besitzer.

Hinzu kommt das Phänomen des gegenseitigen Hochbietens: „Wenn nur einer bietet, geht ein Objekt schon mal für 300 Euro weg, das sonst vielleicht wesentlich mehr gebracht hätte.“ 

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