Schaltfrei
Gut jeder vierte Neuwagen mit Automatik

Früher war das Automatikgetriebe als störanfälliger Spritfresser verschrieen. Heute erfreut sich die automatische Schaltunterstützung wachsender Beliebtheit – nicht zuletzt wegen technischer Fortschritte.
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StuttgartVorbei sind die Zeiten, als Pkw mit Automatikgetriebe als spritfressende und wartungsintensive Rentnerfahrzeuge galten. Nicht nur notorische Schaltmuffel, Senioren und ewige Fahrschüler greifen inzwischen gerne auf automatische Schaltunterstützung zurück. Mittlerweile kommen laut Recherchen des Magazins "Auto Straßenverkehr" schon 28 Prozent aller hierzulande ausgelieferten Neuwagen mit Automatik zum Kunden. Den höchsten Schalthelfer-Anteil aller Hersteller hatte in der ersten Jahreshälfte 2011 mit 72 Prozent Mercedes-Benz, was 107 000 Fahrzeugen entspricht.

Beliebt sind die meist bis zu 1000 Euro und mehr aufpreispflichtigen Gangwahlhelfer vor allem in der automobilen Mittel- und Oberklasse. In der Mittelkasse werden aktuell 38 Prozent aller Fahrzeuge ohne Kupplungspedal ausgeliefert. Oberklasse-Limousinen wie Mercedes S-Klasse, Audi A8 und BMW Siebener übertragen die Motorkraft im Normalfall ausschließlich per Automatikgetriebe. Allerdings lassen manuelle Schaltwippen dem Fahrer in der Regel die Wahl, ob er von Hand eingreifen möchte oder nicht.

Kurios: Die Marken mit dem höchsten Automatikanteil sind laut der Statistik Smart und Porsche. Smart liefert ausschließlich mit automatisiertem Schaltgetriebe aus, bei Sportwagenhersteller Porsche sind 84 Prozent aller Neuwagen mit Wandlerautomatik oder Doppelkupplungsgetriebe ausgerüstet.

Das Argument des Mehrverbrauchs von ein bis zwei Litern Sprit auf 100 Kilometern ist übrigens (fast) passé. Ein Vergleich der Normverbräuche zeigt, dass Autos mit Automatik kaum noch mehr Sprit schlucken als ihre manuell geschalteten Modellbrüder. Zum einen ist der Wirkungsgrad von Automatikgetrieben immer besser geworden. Zum anderen können "intelligente" Antriebssysteme die Schaltpunkte inzwischen fast besser und effizienter setzen als die Hand des Fahrers.
Ein weiterer Punkt: Moderne Automatikgetriebe haben mehr Gänge als übliche Fünf- oder Sechs-Gang-Handschaltungen. So lässt sich das Auto öfters im optimalen Drehzahlbereich bewegen, dementsprechend sinkt der Verbrauch. Zu Zeiten von Vier-Gang-Wandlerautomatik und Co lief dieses Argument natürlich genau anders herum.

Die bisher zementierte Obergrenze von sechs Gängen für Handschalt-Getriebe bricht jetzt der neue Porsche 911. Der Fahrer des Zuffenhausener Sportwagens darf künftig zwischen sieben Gängen von Hand wählen.

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