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Scheibenbremse und Hydraulik am Fahrrad

Die typische Fahrradbremse bekommt zunehmend Konkurrenz: Wurden hydraulische Bremsanlage und Scheibenbremsen am Fahrrad noch vor kurzer Zeit als Exoten angesehen, haben sie mittlerweile einen Siegeszug angetreten.

dpa/gms ESSEN/BAD URACH. Die typische Fahrradbremse bekommt zunehmend Konkurrenz: Wurden hydraulische Bremsanlage und Scheibenbremsen am Fahrrad noch vor kurzer Zeit als Exoten angesehen, haben sie mittlerweile einen Siegeszug angetreten.

Moderne Bremssysteme galten zunächst als Domäne von Mountainbikes. Vor allem ging es um Scheibenbremsen. Doch auch Felgenbremsen wurden mit hydraulischer Betätigung weiter entwickelt, und sorgen heute mit dafür, dass der traditionelle Bowdenzug auf dem Rückzug ist. „Auch bei Trekkingrädern der Preisklasse von 750 bis 800 Euro sind hydraulische Systeme heute Standard“, erklärt Martin Schäfer vom Hersteller Magura in Bad Urach (Baden-Württemberg). Es wird erwartet, dass sich die Entwicklung in niedrigeren Preisbereichen fortsetzt.

Noch ist jedoch gerade bei besonders günstigen Fahrrädern mit vermeintlich modernen Bremsen Vorsicht geboten. So werden nicht selten Billig-Mountainbikes mit Bremsscheiben angeboten. „Dieser Trend zu preiswerten Fahrrädern mit Scheibenbremsen ist eine Modeerscheinung“, sagt Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad Industrie-Verbandes (ZIV) in Schwalbach im Taunus. „Man verbindet damit hochwertige Technik.“ Dass ein Fahrrad eine Bremsscheibe hat, bedeutet jedoch längst nicht, dass es gut bremst.

„Bremse ist nicht gleich Bremse. Das ist wie bei einem Auto - da kann man von außen auch nicht sehen, ob es gut bremst“, bemerkt Gerd-Dieter Wobben vom Institut für Fahrzeugtechnik und Mobilität beim TÜV Nord in Essen. Denn würde es allein um die Bremswirkung Standardbedingungen gehen, hätte die bekannte Fahrradbremse kaum Konkurrenz zu fürchten. „Eine gute Ausführung der bei Fahrrädern üblichen so genannten V-Brake mit Seilzug bringt ähnliche Verzögerungswerte wie eine Scheibenbremse“, bestätigt Neuberger.

Die Vorzüge liegen in anderen Bereichen: „Bei einem hydraulischen System geschieht die Übertragung der Kräfte nahezu verlustfrei“, sagt Gerd-Dieter Wobben. Bei einer Seilzug-Bremse muss ein Draht durch eine Hülle bewegt werden, was zusätzliche Kräfte erfordert. Bei der Hydraulik wird mit dem Bremshebel nur eine Flüssigkeit in der Bremsleitung zusammengedrückt, die für das Anlegen der Bremsbeläge sorgt - das gilt für hydraulische Scheiben- wie für Felgenbremsen.

Bleibt die Frage, was die Scheibenbremse besser kann als eine Felgenbremse: „Der Nachteil aller Felgenbremsen ist, dass sie der Witterung stark ausgesetzt sind“, beschreibt Wobben die Situation. Scheibenbremsen befinden sich dagegen weiter weg von der schmuddeligen Umgebung. Ihr einziger „Feind“ ist Regenwasser.

Bei der Frage, welche Bremse das künftige Fahrrad haben soll, kommt es daher nicht nur auf das System an sich an. Alle Experten raten beim Kauf zu einer ausgiebigen Probefahrt, bei der sich testen lässt, ob das gewünschte System den eigenen Anforderungen entspricht. Und dann ist natürlich auch ein Blick auf die eigenen Finanzen ratsam. Einen Anhaltspunkt nennt Magura-Sprecher Martin Schäfer: „Eine hydraulische Scheibenbremse ist in der Regel immer noch etwa doppelt so teuer wie eine hydraulische Felgenbremse.“

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