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Schleicher sind eine Gefahr auf der Autobahn

„Schleicher“ - wenn er dieses Wort nur hört, gerät Rainer Bernickel schon in Rage. Für den Verkehrssicherheitsberater des Automobilclubs ACE sind die Langsamfahrer auf deutschen Autobahnen ein echtes Ärgernis.

dpa GOSLAR. „Schleicher“ - wenn er dieses Wort nur hört, gerät Rainer Bernickel schon in Rage. Für den Verkehrssicherheitsberater des Automobilclubs ACE sind die Langsamfahrer auf deutschen Autobahnen ein echtes Ärgernis.

„Wenn sie links oder auf der mittleren Spur fahren, gefährden sie sich und andere“, sagt Bernickel, der im Hauptberuf Autobahnpolizist ist. Bei vielen Unfällen, die Rasern oder Dränglern zugeschrieben werden, hätten Langsamfahrer zumindest eine Mitschuld, erklärte auch der Vorsitzende der Deutschen Verkehrsanwälte, Hans-Jürgen Gebhardt, beim Verkehrsgerichtstag in Goslar.

Hermann Fedrowitz vom Adac geht noch einen Schritt weiter. Probleme mit „Kriechern“ gebe es nicht nur auf Schnellstraßen, sondern auch innerorts: „Langsamfahrer rufen bei vielen anderen Verkehrsteilnehmern Aggressionen hervor. Wer zum Beispiel in einer Tempo-50-Zone 49 fährt, provoziert dadurch mitunter riskante Überholmanöver.“ Viele „Schleicher“, meint Fedrowitz, wollten durch ganz exaktes Einhalten von Tempolimits erzieherisch wirken.

Eine solche Einstellung sei gefährlich, sagt Adac-Sprecher Dieter Wirsich. Die Folgen solcher „erzieherischer Maßnahmen“: Behinderungen, Unfälle, Staus, höhere Umweltbelastung und mehr Lärm durch Bremsen und Anfahren. „Schulmeisterei ist eine ganz schlimme Sache, die im Straßenverkehr nichts zu suchen hat“, sagt auch der Vorsitzende des deutschen Fahrlehrerverbandes, Gerhard von Bressendorf. Wer auf einen solchen „Oberlehrer“ trifft, solle sich unter keinen Umständen provozieren lassen und Abstand zu ihm halten.

Auf den Autobahnen beobachtet ACE-Berater Bernickel Langsamfahrer besonders während der Reisezeiten: „Dann sind auch viele ältere Leute mit dem Auto unterwegs. Sie sind unsicher und übervorsichtig.“ Gerade diese Fahrer müssten dafür sensibilisiert werden, sich dem Verkehrsfluss anzupassen. Außerdem müssten viele langsamere Verkehrsteilnehmer begreifen, dass die mittlere Fahrbahn auf dreispurigen Autobahnen nicht für sie reserviert ist, betont Adac- Experte Fedrowitz.

Ähnliche Probleme wie mit älteren Langsamfahrern gebe es mit Führerscheinneulingen, berichtet Fahrlehrer-Chef von Bressendorf. „Anfänger können die Geschwindigkeit oft gar nicht richtig einschätzen.“ Bereits in der Ausbildung müssten sie deshalb lernen, sich in den fließenden Verkehr richtig einzufügen. „Wer das nicht schafft, ist noch nicht weit genug für die Fahrprüfung.“

Die Probleme mit den Langsamfahrern würden vielfach unterschätzt, sagt der Verkehrsanwälte-Vorsitzende Gebhardt, der auch Vizepräsident des Deutschen Verkehrsgerichtstages ist. Die Straßenverkehrsordnung gebe theoretisch die Möglichkeit, gegen Schleicher vorzugehen. So könne es geahndet werden, wenn jemand ohne vernünftigen Grund zu langsam fahre und dadurch eine Behinderung darstelle. Doch selbst wenn Schleicherei die eigentliche Ursache für einen Unfall war, lasse sich dies in aller Regel nicht nachweisen. Eine juristische Lösung gebe es deshalb nicht, meint Gebhardt. Das einzige, was helfen könne, seien Appelle an alle Autofahrer, sich an den Verkehrsfluss anzupassen.

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