Schnelle Autos und Spitzen-Essig
Pilgerrreise nach Maranello

Dies ist ein Ort für Gläubige. Für die der Himmel auf Erden „la macchina“ ist – das Auto. Und zwar ein ganz besonderes. Dessen Ikone ein sich aufbäumendes Pferd ist: das Symbol für Ferrari. Überall im italienischen Städtchen Maranello am Südrand der Po-Ebene wehen die Fahnen mit dem „Cavallino rampante“, dem springenden Pferdchen.

Auch vor der Trattoria „Lo Smeraldo“. Gastwirt Lello bewahrt auf einer Art Altar kleine rote Modellautos samt vergilbten Fotos von Rennwagenfahrern und hütet sein Gästebuch wie eine Prachtbibel aus dem Mittelalter. In der hat sich Michael Schumacher schwungvoll und in großen Buchstaben verewigt: „Danke für die phantastische Pizza“.

Welch klassische Worte für einen Halbgott der Moderne, der sich schon antiker Überhöhung sicher ist. Denn: „Wenn du im Ferrari gewinnst und Weltmeister wirst, dann wirst du unsterblich.“ So hatte schon Niki Lauda das Mysterium beschrieben.

Doch das Charisma des Heroen bringt Gastwirt Lello vor allem profanen Ertrag. „Schumis“ Lob ist bares Geld wert: Wo immer der deutsche Rennwagenfahrer seine Nahrungsaufnahme zu dokumentieren pflegt, da ist der Schriftzug des Stars kostenlose Werbung für den Wirt.

Für die Besucher des norditalienischen Provinznestes Maranello, das dank der Scuderia Ferrari Weltruf genießt, gilt Lellos Pizzeria noch weitgehend als Geheimtipp. Berühmt ist dagegen das Gasthaus „Cavallino“. Dessen Lage beschreibt der Gourmetführer Michelin knapp und geographisch exakt mit den Worten: „gegenüber den Ferrari-Werkstätten“. Auf die berühmte Autoschmiede indes weist kein einziges Wegschild im Maranello hin. Nicht einmal eine Straße ist nach Firmengründer Enzo Ferrari benannt. Die zweistöckige Fabrik an der Via Abetone Inferiore gibt sich so unauffällig wie ein x-beliebiger mittelständischer Metallwarenbetrieb.

Und ist doch eine moderne Kathedrale für die Verehrer von Autos, die zwar Kultstatus besitzen, aber kaum über einen Bordstein fahren können, so tief liegen sie auf dem Asphalt.

„Männer brauchen Religion. Für einige von uns ist Ferrari die Religion“, sagt ein Käufer im Gasthaus. Er gönnt sich den Genuss, sein Gefährt selber drüben in der Fabrik abzuholen.

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