Schöne Frauen sollen Käufer locken
Blech und Chrom statt nackter Haut

Bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) stehen nicht nur die Fahrzeuge im Rampenlicht. Fast alle Hersteller setzen zudem auf schöne Frauen. Jedoch zeigt sich dabei die neue Bescheidenheit der Automobilbranche. Der Faktor "Sex sells" endet mit dem Saum knapp überm Knie.

HB FRANKFURT. Im Vergleich zu anderen Autoschauen geht es in Frankfurt traditionell gediegen zu: "Wir sind konservativer als Tokio oder Peking", sagt der Sprecher des Branchenverbandes VDA, Eckehart Rotter. Insgesamt finden sich Lockversuche mittels kaum verhüllter Frauenhaut, auf früheren Ausstellungen allerorten angewandtes Werbemittel, bei der IAA 2005 weniger.

Die neue Sachlichkeit zeigt sich auch bei der Kleidung - um Kunden geworben wird in Jeans, Kostüm oder Hose. Oder gleich im kariertem Tweedanzug mit Baskenmütze. Ein so gekleideter Herr präsentiert am Stand des Herstellers Skoda den Oldtimer Popular aus dem Jahr 1936. Er wolle damit auf die lange Konzerngeschichte aufmerksam machen, sagt er. Auf den neuen Modellen aber, direkt daneben, posieren immer noch leichtbekleidete jungen Frauen - ganz auf die Zugkraft der Erotik verzichten will zumindest die tschechische VW-Tochter wohl noch nicht. Generell ist die Zeit pompöser Messeauftritte der Automobilhersteller aber vorbei.

Beim Gang durch die Hallen der Frankfurter Messe fallen als erstes die Autos ins Auge - das war bei der IAA nicht immer so. Schmückendes Beiwerk, Shows, riesige Leinwände, die in der Vergangenheit den Besucher teils schier erdrückten, sind Räumen gewichen, die den unverstellten Blick auf die Technik freigeben. Allerdings ist dies nicht nur Ausdruck modischer Schwankungen im Messe-Design - die Autobauer kämpfen mit der Sparsamkeit ihrer Kunden und müssen selbst sparen, auch mit ihrem Auftritt auf der IAA. "Generell wird sehr viel mehr Wert auf das Produkt gelegt, früher gab es mehr Shows", sagt eine Sprecherin des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Hersteller wie Volkswagen, Opel und Audi geben an, ihre Ausgaben für die Messe beträchtlich gedrosselt zu haben.

Die Aussteller wollen Fakten sprechen lassen. Zahlreiche Computerterminals geben Aufschluss über technische Daten, Leistung und Sicherheit. Mit dem Thema Sicherheit wollen die Autoschmieden insgesamt gerne punkten. Die Stuttgarter Mercedes Car Group widmet der Vision des "unfallfreien Fahrens" einen ganzen Raum, in dem sich der Besucher über die ampelerkennenden Kameras und die auf Hindernisse reagierenden Bremsen der Zukunft eine Vorstellung machen kann. BMW präsentiert seinen Fernlichtassistenten, der automatisch abblendet, wenn ein Fahrzeug entgegenkommt. Und die Datenbanken auf dem Volkswagenstand informieren über die Systeme, die den Fahrer beim Beschleunigen und Bremsen unterstützen.

Der Wolfsburger Autobauer gibt sich ansonsten sommerlich und luftig. Auf Leinwänden vorbeiziehende Palmen und Strandkörbe stimmen ein auf Cabrios und Coupes. Das neue Cabrio Eos umgeben projizierte Sonnenblumen bei seiner Fahrt auf die Bühne. Die erstmals wandfreie Fläche soll luftdurchlässig sein und den Mitarbeitern erlauben, "mehr auf die Kundschaft zuzugehen", so eine VW-Sprecherin. Aufwändige Konstruktionen und Präsentationen sucht der IAA-erfahrene Messegänger vergebens.

Dies gilt auch für den Rüsselsheimer Autobauer Opel. Blaue Stoffbahnen über einer kargen Holzfläche sollen den Himmel in die Halle holen. Das Zentrum des Standes bildet ein Brunnen, in dessen Wasserspielen das Premiere-Modell Astra TwinTop steht. Insgesamt sind die Leinwände kleiner, die Musikanlagen leiser geworden. Die Flächen bieten ungehinderten Blick auf die Fahrzeuge. Die IAA vermittelt eine neue Bescheidenheit.

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