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Schulen statt einbremsen - mehr Sicherheit für Kleintransporter

Die rasenden Kisten haben einen denkbar schlechten Ruf: Kleintransporter gelten als ständige Unfallgefahr, ihre Fahrer als oft rücksichtslos oder auch gehetzt und überfordert.

dpa/gms HAMBURG/BERLIN. Die rasenden Kisten haben einen denkbar schlechten Ruf: Kleintransporter gelten als ständige Unfallgefahr, ihre Fahrer als oft rücksichtslos oder auch gehetzt und überfordert.

Lange wurde daher vor allem gefordert, die nicht selten 160 Stundenkilometer (km/h) schnellen Gefährte durch eine Tempobegrenzung einzubremsen. Mittlerweile sind Experten jedoch zu dem Schluss gekommen, dass damit das Problem nicht aus der Welt wäre. Daher sucht man nun nach neuen Wegen, die Gefahren und damit die Unfallzahlen zu verringern. Vor allem wird darauf gesetzt, die Fahrer besser zu schulen.

Wie gefährlich die Transporter auf den Straßen sind, hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) in Bergisch Gladbach untersucht. Nach dem Anfang 2004 fertig gestellten Bericht hat sich die Unfallbeteiligung der Kleintransporter mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 2,8 bis 3,5 Tonnen im Jahr 2002 im Vergleich zu den Zahlen von 1996 verdreifacht. Insgesamt ist bei den Kleintransportern auch der Anteil als Hauptversursacher eines Unfalls ungewöhnlich hoch. Die Zahl der bei solchen Unfällen Getöteten stieg von 50 im Jahr 1996 auf 120 im Jahr 2002. Die Menge der zugelassenen Fahrzeuge der Kategorie stieg in dem Zeitraum um das 2,4-fache auf 386 088.

Trotzdem kam die Bast nach der Untersuchung zu dem Schluss, dass eine gesetzliche Temporeduzierung auf 120 oder 130 km/h nicht das geeignete Mittel wäre, das Unfallrisiko zu vermindern. Ein Grund dafür ist, dass ein Großteil der Kleintransporter-Unfälle nicht auf den Autobahnen geschieht. Laut Bast passierten 2002 rund 55 Prozent der Unfälle innerorts, 31 Prozent auf Landstraßen. Auf den schnellen Autobahnen wurden dagegen nur 14 Prozent der Unfälle registriert.

„Probleme sind vor allem die fehlende Ausbildung der Fahrer und auch die mangelhafte Ladungssicherung“, erläutert Bernd Kulow, Sprecher des Deutschen Verkehrs-Sicherheitsrates (DVR) in Bonn. So kann es zur Vermeidung eines Unfalles entscheidend sein, dass die Ladung richtig gesichert ist und in Notsituation nicht frei umher rutscht. „Vielen Fahrern ist auch nicht bewusst, dass durch das Gewicht der Ladung der Bremsweg verlängert wird.“

Das Wissen um diese Mängel hat nun zu einem so genannten Fahrerqualifizierungsprogramm geführt. Entwickelt wurde es vom DVR zusammen mit der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen (BGF) in Hamburg und dem ebenfalls in der Hansestadt ansässigen Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste (Bdkep). „Das Programm befindet sich derzeit noch in der Erprobungsphase“, sagt Rudolf Pfeiffer, Vorsitzender des Bdkep. In zweitägigen Kursen sollen die angehenden Transporterlenker erfahren, wie sie die Ladung am besten sichern, das Fahrzeug richtig bewegen und was bei Müdigkeit und Stress zu beachten ist. „Unsere Hoffnung ist, dass die Unternehmen nur noch Fahrer nehmen, die eine solche Qualifizierung absolviert haben.“

Um möglichst viele Fahrer für das Programm zu interessieren, wird die Teilnahme bezuschusst, so dass laut Pfeiffer die selbst zu zahlenden Kosten bei nur etwa 50 Euro liegen. Eine Hürde dürfte aber noch die Selbsteinschätzung der angepeilten Klientel sein: „Viele halten sich ja schon für den besten Fahrer“, bedauert Pfeiffer.

Abgesehen davon gibt es noch Probleme, die auch die beste Schulung nicht aus dem Weg schaffen kann. So steht nach Pfeiffers Angaben für manche Ladung kein geeignetes Sicherungssystem zur Verfügung. Als Beispiel nennt er den typischen „Gemischtwarenladen“, also den Überland-Transport von Paketen. Hinzu komme das Problem Zeitdruck durch überaus enge Terminvorgaben der Auftraggeber.

Völlig in der Versenkung verschwunden ist das Thema Höchstgeschwindigkeit aber nicht. So hält der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin weiter an entsprechenden Forderungen fest: Hier sieht man ein Tempolimit von 120 km/h zusammen mit besserer Ladungssicherung sowie gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer als geeignetes Mittel, Unfälle zu verhindern. Hintergrund ist laut GDV-Sprecher Klaus Brandenstein eine Untersuchung des zum Verband gehörenden Verkehrstechnischen Institutes: Ein Ergebnis war, dass Kleintransporter bei gut einem Viertel der Autobahnunfälle mit mehr als 120 km/h unterwegs waren.

Möglicherweise wird sich die Höchstgeschwindigkeit mancher Transporter auch ohne gesetzliche Regelungen reduzieren. „Manche Unternehmen begrenzen die Höchstgeschwindigkeit ihrer Fahrzeuge bereits freiwillig auf 130 Stundenkilometer“, sagt Rudolf Pfeiffer. Hintergrund ist dabei aber weniger die Angst vor Unfällen. Vielmehr geht es darum, durch die geringere Ausnutzung des Leistungspotenzials der Motoren Kraftstoff und damit Kosten zu sparen.

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