Sicherheitstechnik
Fahrerlos und unfallfrei

Vom Fahrer zum Passagier: Das Auto der Zukunft kommt ohne Steuermann aus. Künftige Sicherheitstechnik wird Autofahrern immer mehr Entscheidungen abnehmen, denn nur so lassen sich Fahrfehler und Unfälle verhindern. Ein Blick in eine gar nicht mehr so ferne Zukunft.

HEIDELBERG. Das Antiblockiersystem ABS kennt jeder, die elektronische Stabilitätskontrolle ESP wohl die meisten. Immer häufiger werden unsere Autos selbst aktiv, wenn es im Straßenverkehr zu gefährlichen Situationen kommt. Doch das Ende der Entwicklung ist noch lange nicht erreicht, im Gegenteil: In der Mai-Ausgabe des Magazins "Spektrum der Wissenschaft" berichtet Steven Ashley über die einschneidenden Veränderungen, die das Auto der Zukunft mit sich bringt. Über kurz oder lang, so seine Überzeugung, dürften Autofahrer einen Großteil der Kontrolle über ihr Fahrzeug an intelligente und vernetzte Sicherheitssysteme an Bord ihres Wagens abgeben.

Das Ziel ist in Sicht. Schon im Jahr 2007 navigierten ein technisch hochgerüsteter Chevrolet mit dem Spitznamen "Boss" und weitere fahrerlose Fahrzeuge erfolgreich durch eine Stadtkulisse im kalifornischen Victorville. Dort waren auch weitere Autos mit Fahrern unterwegs, es kam sogar zu Verkehrsstaus. Die Wagen nahmen am "Urban Challenge" zur Demonstration der Fähigkeiten robotischer Fahrzeuge teil. Dieser Wettbewerb, der von einer Behörde des US-Verteidigungsministeriums durchgeführt wird, dient zwar in erster Linie militärischen Zwecken. Doch auch im zivilen Leben könnten die gewonnenen Erkenntnisse Wirkung entfalten.

Möglich ist vieles. Längst tüfteln die Hersteller an Systemen, mit denen Autofahrer vor dem Spurwechsel gewarnt werden, falls sich von hinten schnell ein anderes Fahrzeug nähert. Andere statten den Bordcomputer mit präzisen Navigationsdaten aus. Dann spiegelt er Warnlichter in die Windschutzscheibe ein, wenn sich das Auto zu schnell einer engen Kurve naht. Und der schwedische Fahrzeughersteller Volvo installiert bereits serienmäßig eine Technik, die im Stadtverkehr bei Geschwindigkeiten bis zu 30 Kilometer pro Stunde aktiv wird. Droht ein Auffahrunfall, wird der Fahrer vorgewarnt und die Bremshydraulik unter Druck gesetzt. Bleibt der Fahrer dennoch untätig, tritt das System selbständig auf die Bremse.

Allerdings ist es leicht, einen Wagen automatisch abzubremsen. "Die Kunst besteht darin", sagt Volvo-Ingenieur Thomas Broberg, "dafür zu sorgen, dass dies nicht unnötigerweise geschieht." Autofirmen ebenso wie Lieferanten von Sicherheitssystemen testen ihre Systeme darum wieder und wieder, um möglichst hohe Zuverlässigkeit zu erreichen. Sie installieren sie beispielsweise in Fahrzeugen, die irgendwo auf der Welt in ganz unterschiedlicher Umgebung unterwegs sind. Dort aber bleiben die Geräte meist passiv und werten lediglich Daten aus - auf diese Weise lässt sich gefahrlos prüfen, ob die Systeme jeweils die richtige Entscheidung getroffen hätten.

Besonders fortschrittliche Systeme verlassen sich zudem nicht nur auf eigene Erkenntnisse. Sie stehen über Funk mit anderen Autos und Funkbaken etwa an Straßenkreuzungen in Verbindung. Tauschen sie sich über Hindernisse wie liegengebliebene Autos, abrupte Bremsmanöver oder ähnliche potenziell gefährliche Situationen aus, kann ein Auto schon bevor es die entsprechende Situation per Laser oder Radar detektiert, die angemessene Reaktion einleiten. Der Haken bei der Sache: Erst wenn mindestens fünf bis zehn Prozent der Fahrzeuge entsprechend ausgestattet sind, beginnt ein solches Verfahren seine Wirkung zu entfalten.

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