Siegeszug der Billigautos

Dacia wird zur Blaupause

In Europa greifen Käufer immer häufiger zu günstigeren Fahrzeugen, in Entwicklungsländern wollen sich immer mehr Menschen ihr erstes Auto leisten. Beste Voraussetzungen also für Billigautos wie die von Dacia.
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Wie bei fast allen kommerziellen Gütern ist auch beim Automobil preislich nach oben alles offen. So kostet zum Beispiel der Bugatti Veyron weit mehr als eine Million Euro. Dafür bekommt der Kunde, den die VW-Tochter nie lange suchen muss, den PS-stärksten Serien-Pkw der Welt mit einer Leistung von 736 kW/1001 PS. Aber auch am anderen Ende der Preisskala ist die Auswahl begrenzt. Wer sich ein Auto für unter 10.000 Euro kaufen möchte, darf nicht allzu wählerisch sein. Im folgenden sehen Sie eine Auswahl einiger Modelle (ohne Anspruch auf Vollständigkeit), die unter der magischen Preisschwelle liegen ...

(Foto: Vierköpfige Familie im Fiat 500, Baujahr 1957)

Dacia Sandero
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Das mit Abstand günstigste Auto auf dem deutschen Pkw-Markt ist der Dacia Sandero. Die fünftürige Schräghecklimousine ist bereits ab 6.990 Euro zu haben. Hierfür bekommt der Kunde immerhin einen vollwertigen Kompaktklässer mit fünf Sitzplätzen und einem Kofferraumvolumen von 320 bis 1.200 Liter.

Dafür muss der Kunde dann allerdings auch auf jeglichen Komfort verzichten, denn die Serienausstattung ist sehr übersichtlich und enthält lediglich zwei Frontairbags, eine einteilig umklappbare Rücksitzbank und eine beheizte Heckscheibe. Den Vortrieb übernimmt ein 1,2-Liter-Reihenvierzylinder mit 55 kW/75 PS, der 5,9 Liter Super je 100 Kilometer verbraucht.

Nissan Pixo
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Bis zum zweitgünstigsten Pkw auf dem deutschen Markt muss der Käufer gleich eine 1.300-Euro-Stufe erklimmen und landet dann beim 8.290 Euro teuren Nissan Pixo. Doch im Gegensatz zum Dacia bekommt man für diesen Preis "nur" einen Kleinstwagen mit vier Sitzplätzen, immerhin fünf Türen und einen 129 Liter bis 774 Liter großen Kofferraum. Den Vortrieb übernimmt ein 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 50 kW/68 PS, der sich 4,4 Liter Kraftstoff genehmigt.

Zur Serienausstattung gehören ein höhenverstellbares Lenkrad, Isofix sowie Front- und Seitenairbags. Den baugleichen jedoch besser ausgestatteten Suzuki Alto mit Zentralverriegelung und elektrischen Fensterhebern gibt es für 8.990 Euro.

Lada Kalina
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Wer mehr Platz und etwas Komfort möchte, kann für 8.750 Euro die Schräghecklimousine Lada Kalina samt einer nicht zu verachtenden Serienausstattung erstehen. Mit an Bord sind ein höhenverstellbares Lenkrad, elektrische Fensterheber vorn, Metallic-Lackierung und eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Den Vortrieb übernimmt ein 1,4-Liter-Benziner mit 66 kW/90 PS, der 6,4 Liter Super je 100 Kilometer verbrennt. Der Kofferraum schluckt immerhin zwischen 260 und 600 Liter.

Hyundai i10
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Der Hyundai i10 startet zwar offiziell bei Preisen ab 10.290 Euro. Doch als "FIFA Sondermodell" gab es den Kleinstwagen im Sommer 2011 bereits für 8.740 Euro, es lohnt sich also auf besondere Rabattaktionen zu warten. In diesem Fall umfasste die Ausstattung Fahrer- und Beifahrerairbag, Zentralverriegelung, einen höhenverstellbaren Fahrersitz sowie elektrische Fensterheber.

Der Kofferraum misst 225 bis 925 Liter. Unter der Haube findet sich ein 1,1-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 51 kW/69 PS und 4,7 Liter Verbrauch.

Kia Picanto
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Das Schwestermodell Kia Picanto steht für 8 990 Euro in der Preisliste. Auch wenn sich die Leistungsdaten auf dem Papier die selben sind, schöpft der Picanto seine Kraft aus einem sparsamen Dreizylinder, der für den Hyundai noch nicht zur Verfügung steht.

Der 51 kW/69 PS starke 1,0-Liter-Motor verbraucht dank des fehlenden Zylinders und des etwas kleineren Hubraums nur 4,2 Liter Sprit auf die Standard-Distanz von 100 Kilometern. Die Ausstattung umfasst ein höhenverstellbares Lenkrad, Front-, Seiten- und Vorhangairbags sowie Isofix. Für das Verstauen von Gepäck stehen 200 bis 870 Liter zur Verfügung.

Chevrolet Spark
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Knapp über der 9.000-Euro-Grenze hat sich der Chevrolet Spark angesiedelt. Der 9.140 Euro teure Kleinwagen hat zwar in Sachen Komfort außer einer Servolenkung nicht allzu viel zu bieten, doch dafür kommt er mit sechs Airbags und Isofix daher. Und wer noch 300 Euro übrig hat, kann sich der Sicherheit zuliebe noch ESP gönnen.

Während der Kofferraum ein Volumen von 170 bis 568 Liter schluckt, genehmigt sich der 1,0-Liter-Vierzylindermotor mit 50 kW/68 PS 5,1 Liter Kraftstoff.

Duisburg„Billigautos“ nach dem Vorbild der Renault-Tochter Dacia stehen nach einer Studie vor einer erfolgreichen Zukunft. Besonders in den Krisenländern Südeuropas und in wachsenden Märkten Osteuropas, Asiens und Südamerikas hätten die Fahrzeuge, die ein gutes Drittel günstiger seien als konventionelle Autos, großes Potenzial, prognostiziert das CAR-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen in einer am Donnerstag auf dem Autosalon Paris vorgelegten Analyse: „Fasst man die ... Entwicklungen zusammen, werden um das Jahr 2030 weltweit 25 Millionen Billigautos verkauft. Im Jahr 2011 waren es noch 6,5 Millionen“, sagte CAR-Leiter Ferdinand Dudenhöffer.

Musterbeispiel für den Erfolg mit „Billigautos“ sei Dacia. Die Marke kam 2004 mit dem Logan auf den Markt und hat mittlerweile auch einen Kombi, einen Pick-up, einen Kleinwagen, einen SUV und einen Van im Angebot. „Dacia ist durch diese Vielfalt zum erfolgreichsten Autobauer in der Geschichte des Automobils geworden. Noch nie hat es ein Hersteller geschafft, in weniger als zehn Jahren praktisch von Null über 800 000 Fahrzeuge pro Jahr zu produzieren“, betonte Dudenhöffer. Noch vor dem Jahr 2015 werde Dacia weltweit über eine Million Fahrzeuge bauen.


Inzwischen hätten weitere Autobauer wie Hyundai ins Low-Cost-Segment investiert. Nissan plane, Datsun als Billigmarke wieder zu beleben. Zudem seien eine Reihe chinesische Hersteller in dem Segment aktiv. Dudenhöffer ist überzeugt: „Wer Marktführerschaft im weltweiten Automarkt erringen will, kommt nicht ohne Billig-Auto aus.“ Allerdings hätten Konzerne wie Toyota, GM, Ford oder VW noch kein passendes Konzept in der Schublade. „Der VW-Konzern hat damit in einem der am schnellsten wachsenden Marktsegmente kein Angebot“, sagte der Fachmann und erinnerte an die gescheiterte Verbindung mit Suzuki. VW sei jetzt darauf angewiesen, selbst ein Low Cost Car zu entwickeln und bauen: „Das wird nicht einfach sein und den Konzern viel Zeit kosten - und seine Pläne zur angestrebten Weltmarktführerschaft gefährden.“


  • dpa
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1 Kommentare zu "Siegeszug der Billigautos: Dacia wird zur Blaupause"

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  • BRAVO! DACIA vor! Super Preis-Leistung-Verhältnis!
    Freu mich schon auf den neuen DACIA - Dokker, geräumig, große Scheiben mit Übersicht, statt Plattfisch-Dasein. Und Ausstattung weit über dem was für 30 Jahren Standard war, nur das der Preis fast wir vor 30 Jahren geblieben ist, trotz EURO. Tolle Leistung von DACIA. Was will man noch mit PS-Boliden...überall fast nur noch 30er Zonen, Autobahnen auf 100 km/h beschränkt wegen Baustellen oder schlechtem Allgemeinzustand...na ja, einige benötigen diese Potenzverstärker vielleicht noch.

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