Smartphone statt Schlüssel: Volvo schafft den Zündschlüssel ab

Smartphone statt Schlüssel
Volvo schafft den Zündschlüssel ab

Wer ab 2017 einen neuen Volvo kauft, wird unter Umständen gar keinen Schlüssel zu seinem neuen Auto bekommen. Geöffnet wird bei den Schweden künftig per Smartphone – was ganz neue Möglichkeiten schafft.

Stockholm/DüsseldorfSeit Autoschlüssel keine wirklichen Schlüssel mehr sind, die in ein Schloss gesteckt werden können, nerven sie. Nicht mal mehr auf einen Knopf der Funkfernbedienungen muss der Fahrer drücken, Keyless Go heißen die Zauberworte: Das Auto erkennt, das sich jemand mit dem richtigen Schlüssel nähert und öffnet die Pforten automatisch. Nur weiß der Besitzer nie, ob sein Wagen sich wirklich automatisch verschließt.

Und wohin mit dem Ungetüm von Schlüssel, der keiner mehr ist? Für die Hosentasche sind sie längst zu unhandlich. Also liegen sie auf der Mittelkonsole des Wagens und fallen beim Bremsen dann unrettbar zwischen die Sitze.

Der schwedische Autohersteller hat jetzt ab dem Jahr 2017 die Lösung, nämlich die völlige Abschaffung der Autoschlüssel. Statt mit einem separaten Autoschlüssel können Kunden künftig mithilfe von Smartphones die Türen neuerVolvo-Modelle öffnen, schließen und den Motor starten. Erste Tests mit der innovativen Technik, die auf dem Mobile World Congress (22. bis 25. Februar 2016) in Barcelona vorgestellt wird, sind mit dem schwedischen Carsharing-Unternehmen Sunfleet bereits für dieses Frühjahr geplant.

Auch BMW, Mercedes, Opel, Audi sowie Carsharing-Unternehmen wie Car2Go, DriveNow oder Flinkster bieten bereits das Öffnen ihrer Wagen per Smartphone-App an. Doch ganz auf einen Schlüssel verzichtet noch kein Hersteller.

Volvo nutzt die Bluetooth-Funktion des Smartphones, damit lassen sich nicht nur die Fahrzeugtüren öffnen und schließen und der Motor starten. In jeder App kann auch mehr als ein Schlüssel hinterlegt werden, wodurch sich verschiedene Volvo Fahrzeuge auf der ganzen Welt nutzen lassen.

Das ermöglicht ganz neue Nutzungen des eigenen Volvos aber auch gemieteter Volvo-Autos: Wer beispielsweise eine Geschäftsreise unternimmt oder in den Urlaub fliegt, kann über die App einen Mietwagen buchen und bezahlen. Bei der Ankunft am Zielort ist der digitale Fahrzeugschlüssel bereits im System hinterlegt, sodass der Smartphone-Nutzer direkt zum Parkplatz gehen kann. Den richtigen Weg weist die App via Satellitennavigation – Wartezeiten am Mietwagen-Schalter im Flughafen oder Bahnhof gehören damit bald der Vergangenheit an wie die Suche nach dem richtigen Auto. Sofern es ein Volvo ist.

Mit dem digitalen Volvo-Schlüssel können Eigentümer ihr Auto auch problemlos mit Freunden, Familienangehören oder Mitarbeitern teilen. Via Smartphone wird der Zugang einfach übertragen, eine persönliche Schlüsselübergabe ist nicht mehr erforderlich.

In Göteborg testet Volvo seit vergangenem Jahr einen Lieferservice mit schlüssellosen Zugang. Wer beispielsweise Lebensmittel online bestellt, was in Schweden viel häufiger gemacht wird als in Deutschland, kann sie sich in den Kofferraum des eigenen Wagens liefern lassen. Der Lieferant meldet, wann er ungefähr am Auto sein wird, erhält von dem Autobesitzer einen Schlüssel, der zeitlich begrenzt nur für den Kofferraum gilt. Sind die Lebensmittel, oder das Amazon-Paket, im Kofferraum, ploppt auf dem Smartphone des Eigentümers die Meldung auf: Paket im Kofferraum, Kofferraum geschlossen.

„Unsere digitale Schlüsseltechnik hat das Potenzial, die Nutzung eines Volvo völlig zu verändern“, sagt Henrik Green, Produkt-Manager bei Volvo. „Statt den ganzen Tag auf einem Parkplatz herumzustehen, können Autos zum Beispiel öfter und einfacher von anderen Personen genutzt werden, wenn der Besitzer dies wünscht“, sagt Green.

Volvo sagt, dass der digitale Schlüssel neueste Sicherheitstechnik nutzt, um den Missbrauch durch Hacker zu verhindern. Dennoch verkauft Volvo Fahrzeuge mit der neuen Schlüsseltechnik 2017 zuerst Mal in limitierter Zahl.

Jürgen Rees
Jürgen Rees
WirtschaftsWoche / Redakteur Technik & Wissen
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