So wird aus dem Fiat Ducato ein Reisemobil
Fernweh vom Band

Der Fiat Ducato ist die mit Abstand populärste Basis für Reisemobile. Wie aus einem Allerwelts-Lastentier ein komfortables Traumhaus auf Rädern wird, zeigt ein Besuch bei den Caravaning-Spezialisten von Dethleffs.
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Auf den ersten Blick sieht so ein Fiat Ducato als Windlauf sehr groß und vor allem auch sehr leer aus. Windlauf nennen Wohnmobilbauer den fahrbaren Untersatz, wenn er reduziert auf den Leiterrahmen des Chassis sowie Führerhausblock aus Motorhaube und Armaturenbrett angeliefert wird. Im Lauf der nächsten acht Stunden erwächst aus der Fläche nach und nach ein wohnliches mobiles Haus mit allem, was der Mensch auf Achse gerne um sich hat. Seit Jahrzehnten befördert das millionenfach verkaufte robuste Arbeitstier Ducato nicht nur gewerbliche Lasten, sondern ist zum Fernweh-Transporter schlechthin avanciert.

Bei Dethleffs allein werden 95 Prozent der Reisemobile auf Ducato-Basis entwickelt. Die Zusammenarbeit hat Tradition. Denn 1983 lief mit dem Dethleffs Pirat D (der Pirat F basierte auf einem Ford Transit) der erste reiselustige Ducato vom Band. Fiat-Händler haben sich auf diese Kundschaft eingestellt und bieten inzwischen einen speziellen Frühlingscheck für Wohnmobile an, eine eigene App für Ducato-Motorcamper gibt es als weiteren Service. Als Freibeuter der Fernstraßen läuft längst kein Pirat mehr vom Band.

Heute tragen die Modellreihen des Unternehmens Namen wie Advantage, Trend, Esprit und Globetrotter für den Luxusliner. Der karge Sperrholzcharme der Ursprünge ist modernen Ansprüchen gewichen: Betten mit Holzlattenrost sind genauso selbstverständlich wie beheizbare Heckgaragen, Leder für die Bestuhlung, elektrisch bedienbare Einstiegstufen und Markisen, LED-Beleuchtung, große Kühlschränke und Drei-Flamm-Kocher für mobile Gourmets, Waschbecken in Marmoroptik und natürlich die Einheit für die SAT-Schüssel.

Als Träger dieser Urlauberwünsche punktet der Fiat Ducato zunächst mit seinem günstigen Preis, der es Dethleffs beispielsweise erlaubt, seine in der Mittelklasse der Branche angesiedelten Modellreihen zwischen 40.000 und 150.000 Euro anzubieten. Der Vorläufer des Pirat wurde damals übrigens auf einem Mercedes-Benz aufgebaut und erwies sich als zu teuer für den Markt.

Der Antrieb über die Vorderachse ist für Reisemobilfahrer ebenso attraktiv wie die ebenfalls von ihnen bevorzugten Dieselmotoren mit 2,0- und 2,3-Litern Hubraum. Dazu kommt ein sich über ganz Europa erstreckendes Händlernetz für den von Sevel in Kooperation mit PSA Peugeot Citroën hergestellten Kleintransporter.

Inmitten der Urlaubsregion zwischen Allgäu und Bodensee schufen einst Pioniere wie Arist Dethleffs und Erwin Hymer die Grundlagen für eine neue Reisevariante. Diese nicht nur deutsche Lust, mit dem Haus auf Rädern in den Urlaub zu fahren, scheint nach mageren Jahren wieder zu boomen.

Die Caravaning-Branche meldete kürzlich, dass schon im ersten Quartal 2015 der Absatz mit über 11.500 verkauften Caravans und Reisemobilen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um gut 21 Prozent nach oben schnellte. Ein Trend, der Dethleffs, zusammen mit Bürstner und Carado eine Tochter der Branchengröße Hymer, nur freuen kann. Schon jetzt verlassen jährlich rund 16.000 Fahrzeuge das Unternehmen in Isny.

Dethleffs liefert Handarbeit in Serie für die zwei getrennten Bänder auf denen klassische Caravans und Reisemobile montiert werden. Als erstes erhalten die Ducatos die Grundlage eines jeden Hauses: Der kompakte, mehrere Zentimeter dicke Bodenaufbau für den mindestens fünf Meter langen Leiterrahmen ist gegen Nässe und Steinschlag isoliert und wie Wände und Dach ohne Holzeinlagen gefertigt.

Schließlich gilt hier wie beim Bootsbau, dass stauende Feuchtigkeit der natürliche Feind des Wohnauto-Kapitäns ist. Während Mitarbeiter an der flächigen Platte markieren, wo einige Arbeitsschritte später 150 Meter Wasser-, Elektro- und Gasleitungen verlegt werden, entstehen an anderer Stelle die Seitenteile in Sandwich-Bauweise.

Sie bestehen aus einer Aluhaut, einem speziell gehärteten Schaum und als letzte Schicht eine Holzverkleidung für die Wohnraumseite. Ihre Umrisse verraten, welcher Wohnmobiltyp daraus entstehen wird. Bei den teilintegrierten behält der Ducato sein komplettes Führerhaus.

Auch bei dieser günstigeren Variante, die oft auch einen Alkoven über der Fahrerkanzel besitzt, können von Dethleffs drehbare Vordersitze bestellt werden, um mit Tisch und Bank eine gesellige Dinette zu formen. Aufwendiger ist dagegen das integrierte Reisemobil, dessen Windlauf mit einer eigenen kompletten Fronteinheit inklusive vorderen Panoramascheibe überbaut wird.

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