Spediteure kündigen Preissteigerungen an
Dieselpreis auf neuem Höchststand: 1,53 Euro je Liter

Der Dieselpreis hat in Deutschland mit 1,53 Euro je Liter im bundesweiten Durchschnitt einen neuen Höchststand erreicht. Für Benzin mussten die Autofahrer am Donnerstag an Markentankstellen überwiegend 1,52 Euro je Liter bezahlen, wie Sprecher der Mineralölwirtschaft in Bochum und Hamburg mitteilten.

HB HAMBURG. Damit ist Diesel bundesweit teurer als Benzin. Diese Entwicklung dürfte sich voraussichtlich fortsetzen, weil weltweit die Nachfrage nach Dieselkraftstoff steigt. Am Rotterdamer Markt gab es unterdessen eine leichte Entspannung für Diesel und Rohöl. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Preise an den Tankstellen stabilisieren.

Die infolge der hohen Dieselpreise gestiegenen Transportkosten führen nach Einschätzung der Spediteure auch zu Preissteigerungen in den Geschäften. „Die gestiegenen Kosten müssen die Spediteure an die Kunden weitergeben, was zu inflationären Entwicklungen führt“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes Spedition und Logistik Baden-Württemberg, Bernhard Riedel, am Donnerstag. „In der Regel muss man davon ausgehen, dass dies auch eine Verteuerung für die Verbraucher an der Ladentheke bedeutet.“

Die Steigerungen richteten sich nach der Höhe der Frachtkosten am Produkt. Die seien bei einem Joghurtbecher anders als etwa bei einer Stereoanlage. Die Dieselpreise machten rund 25 Prozent der Gesamtkosten der Transportunternehmen aus, sagte Riedel. Am Produkt seien dies dann 3, 5 oder 10 Prozent.

Das Bundeskartellamt hatte die hohen Benzin- und Dieselpreise diese Woche zum Anlass genommen, eine neue Untersuchung des Wettbewerbs auf den Märkten für Benzin und Diesel zu beginnen. Sollten sich Anhaltspunkte für Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht ergeben, werde das Kartellamt handeln. Schnelle Ergebnisse sind aber nicht zu erwarten: Ein erster Zwischenbericht soll Ende des Jahres veröffentlicht werden.

Im März hatte das Kartellamt festgestellt, dass die deutschen Tankstellenmärkte von einem „marktbeherrschenden Oligopol“ geprägt seien. Danach entfallen 75 Prozent des Kraftstoffabsatzes auf Shell, BP, ConocoPhillips, ExxonMobil und Total.

In Großbritannien protestierten am Mittwoch Spediteure und Lastwagenfahrer gegen die gestiegenen Preise. Hunderte Lastwagen blockierten Zufahrtsstraßen nach London und sorgten damit für ein Verkehrschaos. Ähnliche Proteste gab es auch in Wales. In Frankreich blockieren Fischer seit Tagen zahlreiche Häfen und forderten billigeren Treibstoff. Landwirte versperrten bei Toulouse die Zufahrt zu einem Tanklager. Auch die Spediteure des Landes drohten Protestaktionen an. Präsident Nicolas Sarkozy hat bereits an die Europäische Union appelliert, die Verkaufssteuern für Treibstoffe einzufrieren. Wirtschafts- und Finanzkommissar Joaquin Almunia lehnte dies aber ab.

Am Mittwoch demonstrierten auch in Bulgarien die Spediteure gegen die hohen Dieselpreise. Weitere Aktionen haben auch Fischer und Spediteure in den Niederlanden, Italien und Spanien angekündigt. In Deutschland sind nach Informationen aus dem Speditionsgewerbe vorerst keine Proteste geplant.

Saudi-Arabien hat Kreisen zufolge seine Ölförderung erhöht, um die weltweite Nachfrage zu befriedigen. Eine weitere Anhebung der Fördermenge sei bei Bedarf möglich, sagte ein hochrangiger Opec-Insider aus einem Golfstaat. „Wenn es eine Nachfrage gibt, wird sie von der Opec gestillt werden.“ Die Mehrzahl der Mitgliedsländer sei gegen die derzeitigen hohen Preise, weil diese weder ihren eigenen Interessen noch denen der Weltwirtschaft dienten.

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