Spekulationsfieber im Zuge der Dollar-Schwäche
Ölpreis-Rekord treibt Spritpreise in die Höhe

Die Rekordjagd an den internationalen Ölmärkten hat die Tankstellenpreise in Deutschland am Freitag auf hohem Niveau gehalten. Für Dieselkraftstoff wurde an den Stationen durchschnittlich 1,32 Euro verlangt, Super kostete rund 1,42 Euro. Beide Sorten lagen damit lediglich fünf bis sechs Cent unter ihren Rekordpreisen vom November 2007.

HB HAMBURG. Als Begründung für den Preisauftrieb an den Rohstoffbörsen nennen Branchenexperten das Spekulationsfieber im Zuge der Dollar-Schwäche. Sie fragen mittlerweile: „Wann platzt die Blase?“ Banken, Finanzinstitute und Hedge-Fonds hätten jüngst immer mehr Kapital in die Öl-Börsen gepumpt, analysierte der Herausgeber des Energie Informationsdienstes (EID), Heino Elfert, in Hamburg.

Die Nachfrage nach Rohstoffen hält die Ölpreise in der Nähe ihrer Rekordstände. In der Nacht zum Freitag sprang der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Auslieferung im April erstmals auf 103,02 $. Im frühen Nachmittagshandel sorgten leichte Gewinnmitnahmen vorerst für etwas Entspannung an den Ölmärkten. Der Preis für WTI-Öl stand bei 102,16 Dollar. Rohöl der Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich auf 100,49 Dollar nach einem Rekordhoch von 101,27 Dollar im frühen Handel.

Die Heizölpreise in Deutschland, die in der vergangenen Woche mit durchschnittlich 77,50 Euro je 100 Liter (Lieferung 3000 Liter) ein Rekordhoch markierten, haben nach EID-Angaben bis Freitag wieder leicht nachgegeben. Die Heizölpreise fallen zum Ende einer Heizperiode normalerweise deutlich.

„Mit dem Run auf Öl und Rohstoffe soll die Dollarschwäche ausgeglichen werden“, sagte der EID-Herausgeber. Er hat ermittelt, dass zwischen dem verbrauchsstärksten vierten Quartal und dem ersten Quartal eines Jahres die Preise in zurückliegenden Jahren stabil geblieben oder zurückgegangen seien. Der rasante Preisanstieg in diesem Jahr sei nicht nachvollziehbar. Der Verbrauch von Mineralölprodukten in den USA sei seit Jahresbeginn zurückgegangen, ein Anzeichen einer Konjunkturabschwächung. Öl werde von Anlegern auch als ein Finanzinvestment angesehen werde, sagte der Analyst Phil Flynn von Alaron Trading.

Finanzanalysten ziehen auch Berichte über Unterbrechungen der Ölversorgung in den Förderstaaten Nigeria und Irak als eine Erklärung heran. „Auch mit Nigeria ist die Marktentwicklung nicht mehr zu begründen. Die politischen Spannungen gibt es schon länger“, sagte hingegen der EID-Experte.

Die Dollarschwäche dürfte nach Einschätzung von Devisenstrategen in den kommenden Tagen anhalten und damit den Rohstoffmärkten weitere Unterstützung geben. Das schwache Wirtschaftswachstum in den USA hat den Kurs des Euro auf ein Rekordhoch von 1,5238 Dollar getrieben.

Unterdessen ist der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) wieder unter 95 Dollar gesunken. Nach Angaben des OPEC-Sekretariats vom Freitag kostete ein Barrel aus den OPEC-Fördergebieten am Donnerstag durchschnittlich 94,99 Dollar. Das waren 21 Cent weniger als am Mittwoch, als der sogenannte Korbpreis mit 95,20 Dollar erstmals über die Marke von 95 Dollar gestiegen war.

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