Staatliche Holding geplant
Vom Autohändler direkt in die Werkstatt

Ausländische Automobilhersteller drängen massiv auf den aussichtsreichen russischen Markt. Nun plant der Staat, die wichtigsten Fahrzeughersteller in einer gemeinsamen Holding zu sanieren, um sie wettbewerbsfähiger gegen die übermächtige ausländische Konkurrenz zu machen.

HB MOSKAU. Der Kreml will nun eine Qualitätsoffensive starten und den im Westen als Lada bekannten Konzern Awtowas sowie andere Hersteller zum Schutz vor ausländischer Konkurrenz unter einem Dach bündeln, wie am Mittwoch bekannt wurde. Die Holding soll der Rüstungsexporteur Rosoboronexport führen.

Der russische Präsident Wladimir Putin teilte Anfang Februar mit, der Staat sei bereit, einen Zusammenschluss der Autoproduzenten Awtowas und Gas sowie des Lkw-Herstellers Kamas zu unterstützen. Das Interesse von Rosoboronexport an den staatlichen Kamas-Anteilen dürfte das Startsignal für die Großfusion sein. Ende 2005 hatte der Rüstungskonzern bereits die Führung von Awtowas übernommen.

Die Partner gelten allesamt als biedere Autoschmieden. Der Konzern Gas musste im Vorjahr die Produktion der Wolga-Limousine einstellen, nachdem sich kaum noch Käufer für die veraltete Sowjetkarosse fanden. Russlands größter Nutzfahrzeughersteller Kamas ist im Westen allenfalls dadurch bekannt, dass Werksfahrer zum sechsten Mal in Folge die Rallye Paris-Dakar in der Brummiklasse gewonnen haben. Die Unternehmen sind an der Börse mit der englischen Schreibweise Avtovaz, Kamaz und Gaz eingetragen.

Den schlechten Ruf aus den 1990er Jahren hat die russische Automobilindustrie bis heute nicht abgelegt. Mafiabanden hätten direkt von den Montagebändern Autos für den „Eigenbedarf“ abgeholt, hieß es damals. Derzeit bringt es Lada noch auf etwa 700 000 Autos pro Jahr bei deutlich sinkender Tendenz.

Die Konkurrenz drängt auf Russlands Straßen. Immerhin zählt das Riesenreich weltweit zu den zehn wichtigsten Absatzmärkten. Jedes Jahr steigt der Absatz um zehn Prozent. Seit Jahren montieren unter anderem Ford und BMW Fahrzeuge in Russland. Die Nachfrage ist so groß, dass mancher Russe Monate auf seinen Importwagen warten muss. Beliebt sind vor allem Billigautos für weniger als 7500 Euro. Der größte ausländische Konkurrent, Hyundai, verkaufte im Vorjahr knapp 90 000 Autos in Russland.

Nach zähen Verhandlungen will Volkswagen in diesem Jahr mit dem Bau eines Werkes im Süden von Moskau anfangen. Bis zu 250 000 Autos sollen ab 2010 jährlich vom Band laufen. Noch steht aber die Zustimmung des VW-Aufsichtsrates aus. DaimlerChrysler ließ dagegen überraschend zum Jahreswechsel die Pläne für den Bau einer eigenen Produktion in Russland platzen. Als Grund wurden ungünstige russische Steuergesetze genannt.

Moskauer Analysten bringen dem ehrgeizigen Holding-Projekt mit neuem Werk für Awtowas und einer Jahresproduktion von einer Million Wagen wenig Vertrauen entgegen. Die Investmentbanker von Aton empfahlen am Mittwoch den Einstieg beim privaten Konkurrenten Severstal-Auto. Der hatte nach Bekanntwerden der Staatsholding-Pläne verkündet, auf eine Kooperation mit dem Fiat-Konzern zu setzen.

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