Stadtverkehr
Metropolen fahren mit Hybridbussen voraus

Nach den USA und China erkennen auch Europas Großstädte die Vorzüge von Fahrzeugen mit kombiniertem Elektro- und Dieselantrieb. So sollen ab 2012 rote Stadtomnibusse mit Hybridmotoren durch Londons Straßen kurven. Neue Modelle sind auf der IAA Nutzfahrzeuge zu sehen.
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KÖLN. Londons Bürgermeister Boris Johnson hat sich viel vorgenommen: Er will die rund 8 000 Busse der städtischen Verkehrsbetriebe komplett durch umweltfreundliche Hybridmodelle ersetzen. Bis zu 500 Fahrzeuge jährlich wird die Stadt ab 2012 austauschen. „Die Londoner bekommen einen Bus, auf den sie stolz sein können“, sagt Johnson. „Städte auf dem ganzen Globus werden uns um unser rotes Wahrzeichen des 21. Jahrhunderts beneiden.“ Für das Nahverkehrssystem der britischen Hauptstadt bedeutet der Plan eine Revolution – und dem Hybridantrieb könnte er in Europa den Durchbruch bescheren.

Der klassische Dieselantrieb hat ausgedient – so lautet die Nachricht von der britischen Insel. Schon jetzt fahren in New York oder Peking Tausende Stadtomnibusse mit Hybridmotoren – doch Europa ist über Pilotprojekte bislang nicht hinausgekommen. Neue, effizientere Modelle sollen nun auch die letzten Skeptiker überzeugen: Auf der Branchenmesse IAA Nutzfahrzeuge bewerben die großen Hersteller Serienfahrzeuge, mit denen die öffentlichen Verkehrsbetriebe sogar Geld sparen sollen.

Lohnende Investition

Mit hohem Einsatz treiben die Bushersteller die Entwicklung voran. MAN etwa wird während der IAA den Serienstart für ein neues Hybridmodell ankündigen. Dieses soll zwar rund 100 000 Euro kosten und damit 50 Prozent teurer sein als ein vergleichbarer Dieselbus.

Doch die Anschaffung rechne sich spätestens nach sieben Jahren, sagt Rudi Kuchta, Vertriebsleiter Busse des Münchener Unternehmens. Grund sei vor allem der geringere Kraftstoffverbrauch. 15 Jahre könnten die Fahrzeuge im Einsatz sein. „Sollten die Dieselpreise steigen und sinken die Kosten durch die Serienproduktion weiter, könnte sich der Kauf eines Hybridbusses bald noch schneller rentieren“, sagt Kuchta.

Bei den deutschen Kommunen rennen die Hersteller mit ihren Argumenten offene Türen ein. „Wir bekommen viele Anfragen. Es gibt einen regelrechten Hybrid-Hype bei den Städten“, sagt Kuchta. „Wir sehen mittelfristig für uns ein Marktpotenzial von rund 300 Hybridbussen pro Jahr in Westeuropa.“ Auch der Stuttgarter Konkurrent Daimler erwartet einen wachsenden Markt: „2015 gehen wir von einem Anteil der Hybridfahrzeuge an der Neufahrzeugflotte in Höhe von zehn bis 15 Prozent aus“, sagt Richard Averbeck, Entwicklungsleiter bei der Daimler-Tochter Evobus.

Im Bereich der alternativen Antriebe hat der Dieselhybrid die besten Zukunftschancen – zumindest in Europa. In den USA und China hingegen setzen viele Städte auf Busse, die mit Erdgas (Compressed Natural Gas, CNG) fahren. Der Grund: Die Dieselqualität ist dort teilweise sehr schlecht. Hierzulande ist der Unterschied aufgrund der hohen Standards für die Abgasreinigung bei Dieselmotoren wesentlich geringer.

Verschärfte Abgasregeln

Die Europäische Union verschärft die Regeln weiter: „Mit der Abgasnorm Euro 6 werden CNG-Busse ihren Vorteil bei der Abgasemission gegenüber dem Diesel endgültig verlieren“, sagt Daimler-Entwickler Averbeck. „Der Hybrid ist hinsichtlich der CO2-Emission dem CNG-Fahrzeug ohnehin überlegen.“

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  • Hybridbusse würden nicht nur im Verbrauch, sondern vor allem auch in der Lärmbelastung einen erheblichen beitrag zu einem besseren Lebensgefühl in der Stadt leisten. Und vielleicht würde das Fahrerlebnis nicht mehr ganz so ruckelig sein wie jetzt ;)

  • Jawohl, öffentlicher Verkehr mit Hybridfahrzeuge und dann noch gratis Fahrt für alle. Das wär mal eine wirkliche Umweltschuztmaßnahme, effizient und energiesparend, feinstaubvermindernd, lärmsenkend. Die Regierungen sollten darüber einmal nachdenken

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