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Stahl bleibt im Autobau wichtigster Werkstoff

Was für Menschen Haut und Knochen sind, das ist für die Autobauer der Stahl. Denn auch wenn Leichtmetalle wie Aluminium oder Magnesium auf dem Vormarsch sind, bleiben Fahrzeuge ohne tragende Elemente oder Bleche aus Stahl noch immer die Ausnahme.

dpa/gms DüSSELDORF. Was für Menschen Haut und Knochen sind, das ist für die Autobauer der Stahl. Denn auch wenn Leichtmetalle wie Aluminium oder Magnesium auf dem Vormarsch sind, bleiben Fahrzeuge ohne tragende Elemente oder Bleche aus Stahl noch immer die Ausnahme.

In Deutschland gehen nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl in Düsseldorf pro Jahr 17,1 Mill. Tonnen Walzstahl direkt oder indirekt in die Automobilproduktion. Allein für die Fertigung von Karosserien benötigt zum Beispiel BMW in München nach eigenen Angaben rund 550 000 Tonnen Stahl. Dass das Material trotz der langen Tradition kein alter Werkstoff ist, zeigt dem Hersteller zufolge der Umstand, dass rund die Hälfte der heute verfügbaren Stahlblechsorten erst in den vergangenen fünf Jahren entwickelt oder zumindest verbessert worden ist. „Stahl ist der zentrale Werkstoff im Automobil“, betont Beate Brüninghaus, die Sprecherin der Wirtschaftsvereinigung.

Dennoch geht laut BMW-Sprecherin Marianne Jorum der Stahl-Anteil in der Produktion wegen der zunehmenden Verwendung von Leichtmetallen und Kunststoffen stetig zurück: „Während in einem 535 Kilogramm schweren Dixi aus den zwanziger Jahren noch 380 Kilogramm oder 71 Prozent Stahl verbaut wurden, kommt ein aktueller 7er bei einem Gesamtgewicht von 1935 Kilogramm auf 865 Kilogramm oder 45 Prozent.“

Dabei ist Stahl nicht gleich Stahl: Allein in Karosserie, Fahrwerk und Antrieb werden laut Jorum 360 verschiedene Sorten verwendet. „Zählt man auch noch die Lieferformen, Verarbeitungsverfahren und Wärmebehandlungszustände hinzu, sind weit über 1 000 Stahlwerkstoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften in einem Automobil verbaut.“

Nach Angaben von Verbandssprecherin Brüninghaus wird der Werkstoff stetig verändert. „Die Stahlproduzenten arbeiten in enger Abstimmung mit den Konstrukteuren der Automobilhersteller daran, vorhandene Stähle weiterzuentwickeln und neue Stähle zu kreieren, um auf diese Weise den optimalen Stahl für das entsprechende Bauteil bereitstellen zu können“, sagt Brüninghaus und verweist auf die neueste Generation hochfester Karosseriestähle.

Mit diesen so genannten Mehrphasenstählen würden auf der einen Seite das Gewicht und damit Kraftstoffverbrauch und Abgasemissionen verringert. Gleichzeitig werde den wachsenden Sicherheitsanforderungen Rechnung getragen, weil hochfeste Stähle mehr Energie absorbieren und im Crash besser bestehen.

Während die noch vor 20 Jahren fast ausschließlich eingesetzten Tiefziehstähle laut BMW-Sprecherin Jorum eine Festigkeit von etwa 140 Newton pro Quadratmillimeter (N/mm²) hatten, halten die Karosseriestähle mit der derzeit höchsten Festigkeit einer zehnfach höheren Belastung stand. Dennoch werden weiche Stähle auch heute noch für schwierig zu formende Bauteile mit komplexen Geometrien verwendet, während die hochfesten Stähle vor allem für crashrelevante Strukturbauteile eingesetzt werden.

Damit eine Karosserie die Balance zwischen Stabilität, Sicherheit, Leichtigkeit und Produktionskosten hält, arbeiten die Hersteller mit einem Materialmix. „Je nach Fahrzeug werden allein für die Karosserie 20 bis 30 verschiedene Stahlsorten verwendet, um den jeweils optimalen Werkstoff am richtigen Ort einzusetzen“, erklärt Jorum.

Dabei hat sich Stahl in den vergangenen Jahren sogar zur Mangelware entwickelt. „Vor allem China kauft den Markt buchstäblich leer und treibt damit den Preis in die Höhe“, sagt Ulrich Leuning, Geschäftsführer des Bundesverbandes Stahlrecycling in Düsseldorf. Und mit dem Stahlpreis steige auch der Preis für Schrott.

Was Fahrzeugherstellern im Einkauf möglicherweise zu schaffen macht, ist für Autofahrer ein Segen. Denn statt für die Entsorgung ihrer Rostlaube Gebühren zwischen 50 und 100 Euro zahlen zu müssen, gibt es gelegentlich sogar Trennungsprämien. „Viele Verwerter haben die Autos in letzter Zeit kostenlos angenommen“, sagt Mario Arnusch, Sprecher des Branchenverbandes „Arge Altauto“. Vielfach würden die Wagen sogar zum Nulltarif beim Besitzer abgeholt. Außerdem übernehmen die Verwerter die Abmeldegebühr und stellen dem Eigentümer unentgeltlich das Zertifikat für die regelgerechte Entsorgung aus. In einigen Regionen gebe es bei Abgabe des Altautos sogar Bargeld.

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