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Hintergrund: MAN-Paukenschlag stellt auf IAA Nutzfahrzeuge alles in Schatten

Pünktlich zur IAA Nutzfahrzeuge kommt die boomende Lastwagen-Branche in Bewegung.

dpa-afx HANNOVER. Pünktlich zur IAA Nutzfahrzeuge kommt die boomende Lastwagen-Branche in Bewegung. Mit den Übernahmeplänen für Scania sorgte MAN für einen Paukenschlag - die Pläne dürften auf der Branchenschau in Hannover (21.-28.9.) zumindest hinter den Kulissen alle anderen Themen in den Schatten stellen. Viel mehr noch als bisher wird die Aussteller, die in Rekordzahl nach Hannover kommen, die Frage bewegen, wie es weitergeht - bereits seit längerem sagen Experten eine Neuordnung des Marktes voraus.

Derzeit läuft das Geschäft mit Lastwagen und Transportern im Gegensatz zum PKW-Markt auf vollen Touren. Die Nutzfahrzeug-Branche befindet sich auf dem Höhepunkt des Konjunkturzyklus. Die Auftragsbücher sind voll, die Kapazitäten ausgelastet, die Gewinne sprudeln. "Nach einer schwierigen Restrukturierungsphase Ende der 90er Jahre präsentiert sich die europäische Nutzfahrzeugindustrie heute in hervorragender Verfassung", diagnostiziert das Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen.

Zugpferd

Das Nutzfahrzeuggeschäft sei derzeit das Zugpferd der gesamten Automobilbranche, sagt der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk. 2006 werde es bei den Zulassungen, dem Export und der Produktion im vierten Jahr in Folge einen robusten Aufschwung geben. Unterm Strich wird mit einem Umsatzplus der Branche von sieben Prozent gerechnet.

Für den derzeitigen Boom gibt es mehrere Gründe: Neben der anziehenden Konjunktur der Gesamtwirtschaft ist dies das steigende Transportaufkommen im Zuge der Globalisierung und der Verlagerung von Produktion nach Osteuropa. Alleine in Deutschland wird der Güterverkehr auf der Straße Prognosen zufolge bis 2020 gegenüber 2002 um mehr als 40 Prozent wachsen. Dazu kam der Erneuerungsbedarf der Nutzfahrzeug-Flotte bei vielen Kunden.

Außerdem hat die Branche besonders 2006 von einer Reihe von Sondereffekten profitiert. Der seit Mai in der EU erforderliche digitale Tacho sowie die im Herbst verpflichtende Abgasnorm Euro IV hätten zu einer Art "Kaufrausch" bei großen Nutzfahrzeugen geführt, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Institut B & D-Forecast.

HÖHepunkt DES Booms

Der Höhepunkt des Booms dürfte Prognosen zufolge 2006 aber erreicht sein. Von 2007 an wird in Westeuropa mit einem Abflauen der Nutzfahrzeug-Konjunktur gerechnet, wenn auch auf hohem Niveau. Als Wachstumsmärkte der Zukunft gelten vor allem Osteuropa, Indien und China.

LKW-Hersteller aus Asien wie die chinesische Dongfeng drängen zunehmend auf den Weltmarkt. Nach Angaben des Weltverbandes der Automobilverbände Oica liegt Dongfeng bei der Produktion schwerer Lastwagen weltweit bereits auf Rang drei - hinter Weltmarktführer Daimler-Chrysler und Volvo/Renault, vor der amerikanischen Paccar- Gruppe.

Vom derzeitigen Boom der Branche profitiert auch die Leitmesse IAA Nutzfahrzeuge. Mehr als 1 500 Ausstellern sorgen für eine Rekordbeteiligung - im Vergleich zur vorherigen Messe 2004 ist dies ein Plus von elf Prozent. Der Veranstalter VDA sieht als Schwerpunktthemen der Messe Antriebstechnologien, Abgasnachbehandlung, Fahrzeugsicherheit und Transporteffizienz.

Ein besonderes Augenmerk dürfte zudem auf den umstrittenen "Super- Lastwagen" liegen. In Schweden und Finnland fahren solche Laster - 25 Meter lang, drei Meter hoch und mit sieben Achsen - schon seit langem. Nun kämpfen Speditionen für eine Erlaubnis auch in Deutschland. Der Gigaliner, "Monster-Truck" oder Eurocombi wiegt mit Ladung bis zu 60 Tonnen. Bislang sind 18,75 Meter in Deutschland die zulässige Länge, 40 Tonnen die Obergrenze beim Gewicht. Seit diesem Juli fahren drei der Riesen-Laster mit Sondergenehmigungen auf bestimmten Strecken in Niedersachsen. Eine Aufforderung des Bundesverkehrsministeriums, den Versuch einzustellen, hat Hannover abgelehnt. Das Land sieht keine Gefährdung des Verkehrs.

Die Befürworter argumentieren, die Super-Lastwagen mit ihren deutlich größeren Ladevolumina könnten einen Beitrag zur Entlastung des Verkehrsaufkommens sowie zur Kostenreduzierung leisten - nach dem Motto: Mehr Güter mit weniger Verkehr. Verkehrsverbände dagegen sehen die Riesen-Trucks kritisch. Sie erhöhten die Gefahren für Radfahrer und Fußgänger, warnte etwa der Automobilclub von Deutschland.

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