Staubilanz 2015

1,1 Millionen Kilometer Stillstand

Sie standen zufällig auch am Gründonnerstag 2015 im Stau? Herzlichen Glückwunsch, dann waren Sie Teilnehmer bei einem Rekord!
  • Hanne Lübbehüsen
1 Kommentar
  • Spotpress
Staubilanz 2015 - 1,1 Millionen Kilometer Autobahnstaus Quelle: ADAC
Staubilanz

Rein rechnerisch standen deutsche Autofahrer 2014 insgesamt 285.000 Stunden im Stau, im vergangenen Jahr waren es sogar 341.000 Stunden

So viele Staus wie 2015 gab es auf deutschen Autobahnen noch nie: 568.000 der Nervtöter wurden registriert, das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr, berichtet der ADAC. Die Länge der Verkehrsschlangen wuchs ebenfalls deutlich: um 17 Prozent. Die Gesamtlänge summierte sich auf rund 1,1 Millionen Kilometer – eine Stauschlange, so rechnet der ADAC zur Veranschaulichung um, die 28 Mal um die Erde reichen würde.

Standen die Autofahrer im Jahr 2014 noch insgesamt 285.000 Stunden im Stau, waren es vergangenes Jahr schon 341.000 Stunden. Der deutliche Zuwachs liegt auch daran, dass die Erfassung der Verkehrslage durch Fahrzeugflotten-Daten noch genauer geworden ist. Hauptgrund sind aber das gestiegene Verkehrsaufkommen und rege Bautätigkeit auf den Autobahnen.

Die größten Fehler, die man im Stau machen kann
hIn deutschen Stau-Hauptstädten wie Stuttgart und Köln verbringen Autofahrer pro Jahr durchschnittlich über 60 Stunden mit Stop & Go
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„Autofahrer denken nur nach vorne”, sagt Stauforscher Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg-Essen. „Wer hinter sich einen Stau auslöst, bekommt das ja nicht mit”, lautet die ebenso simple wie wahre Beobachtung des Professors für die Physik von Transport und Verkehr. Staus, sagt Schreckenberg, entwickeln sich fast immer aus zähfließendem Verkehr, wenn Geschwindigkeitsunterschiede entstehen. Zwar kann der einzelne Autofahrer einen Stau nicht auflösen. Wer aber dicke Fehler vermeidet, minimiert die Wahrscheinlichkeit, der Auslöser dafür zu sein ...

Fehler 1: Zu dichtes Auffahren
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Kaum irgendwo kochen die Emotionen so schnell hoch wie im Straßenverkehr. „Autofahrer fühlen sich schnell benachteiligt und sind ständig damit beschäftigt, sich gegen andere zu wehren”, sagt Stauforscher Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg.

Als Konsequenz halten sie oft zu wenig Abstand zum Vordermann, „damit niemand dazwischen wechseln kann”, wie er sagt. Dadurch verkleinert man den Spielraum und muss oft unverhofft scharf bremsen.

Schreckenbergs Tipp: „Wer verhindert, dass er anhalten muss, wenn der Vordermann anhält, verursacht schon mal keinen Stau.” Problem: Jetzt erklären Sie das mal vom Auto aus dem Typen hinter ihnen, der es so eilig hat, dass Sie seine Scheinwerfer schon nicht mehr im Rückspiegel sehen ...

Fehler 2: Lückenhüpfen
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Nicht immer lässt sich der Abstand beeinflussen. „In der Praxis ist es schwierig, ausreichend Abstand zu halten, weil immer wieder andere Fahrer dazwischen wechseln”, erläutert Stau-Experte Michael Schreckenberg.

Ein psychologisches Problem: „Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass Autofahrer sich Autos, von denen sie überholt werden, besser einprägen, als die, die sie selbst überholen.” Dass sie durch häufige Spurwechsel gar nicht schneller vorankommen und andere dadurch zu unnötigem Bremsen zwingen, merken sie nicht.

Fehler 2: Lückenhüpfen
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„Kolonnenwechsel sind einer der häufigsten Fehler”, meint auch Constantin Hack vom Auto Club Europa (ACE). Dabei würden oft sogenannte Phantomstaus entstehen. Staus scheinbar ohne Ursache und obwohl die Kapazität der Straße groß genug für das Verkehrsaufkommen sei.

Hack warnt davor, bei zähfließendem Verkehr hektisch zu versuchen, Zeit zu gewinnen. „Man rechnet bei zähfließendem Verkehr mit einem Zeitverlust von etwa einer Minute pro Kilometer”, sagt er. Der Gewinn durch Spurwechsel sei hingegen minimal bis non-existent.

Fehler 3: Träumen am Steuer
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Oft stören Autofahrer auch unabsichtlich. Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) warnt davor, bei Stau oder zähfließendem Verkehr unaufmerksam zu werden. Jeder Autofahrer kennt das: Weil es gerade nicht richtig vorwärts geht, kann man ja zwischendurch vermeintlich mal eben was anderes erledigen.

„Man muss immer konzentriert bleiben”, sagt DVR-Mann Rademacher. Denn Träumer hinterm Steuer geraten leicht in Situationen, in denen sie plötzlich stark bremsen müssen. Wer im Stau abschaltet, erhöht zudem das Risiko von Folgeunfällen. „Das verlängert den Stau sowohl zeitlich als auch räumlich.”

Foto: Motiv der Schweizer Polizei-Kampagne: „Abgelenkt - und der Tod fährt mit“

Risiko: Ablenkung
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Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) wird jeder zehnte Verkehrsunfall durch Ablenkung verursacht. Wenn man nur zwei Sekunden auf das Display des Smartphones schaut, legt man dabei bei einer Landstraßenfahrt mit Tempo 100 bereits 56 Meter im Blindflug zurück.

Vorsicht zwischen 7 und 8 Uhr morgens!
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In dieser Stunde haben Berufspendler das größte Unfallrisiko im Straßenverkehr. Laut der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) kam es 2014 in diesen 60 Minuten zu fast 3.200 gemeldeten Wegeunfällen. In den Stunden davor und danach krachte es nur halb so oft.
In der Feierabendzeit ab 17 Uhr sind Pendler ebenfalls konzentrierter als am frühen Morgen – dann kommt es im Schnitt lediglich zu rund 500 Unfällen. Besonders gering ist das statistische Risiko, einen Unfall auf dem Weg von oder zur Arbeit zu erleben, zwischen 10 und 12 Uhr sowie nach 21 Uhr. Berücksichtigt wurden alle Wegeunfälle, die mehr als drei Tage Arbeitsunfähigkeit nach sich zogen.

Nordrhein-Westfalen liegt dabei mit einem Drittel (32%) aller Staumeldungen mit Abstand auf dem unrühmlichen ersten Platz, danach folgen Bayern (18%) und Baden-Württemberg (11%). Allein auf diese drei Bundesländer entfielen damit sechs von zehn Staus. Ganz im Gegensatz zu Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen, wo die Autofahrer kaum warten mussten: Nur sechs Prozent aller Staus entfielen auf die fünf ostdeutschen Bundesländer.

Unter den Fernautobahnen gab es auf der A3 die meisten Verkehrsbehinderungen, 170 Kilometer Stau pro Autobahnkilometer, gefolgt von A8 (155 km) und A5 (135 km). Besonders belastete Streckenabschnitte waren auf der A3 das Stück Oberhausen-Köln, gefolgt von der A8 Stuttgart-Karlsruhe und A3 Frankfurt-Würzburg.

Wer auffährt, hat Schuld – oder?
Populäre Verkehrsirrtümer, - und was wirklich dran ist:
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Wer auffährt, hat immer Schuld. Und auf dem Parkplatz gilt immer rechts vor links. Moment mal: Stimmt das wirklich? Die Frage, was im Straßenverkehr erlaubt oder verboten ist, erhitzt regelmäßig die Gemüter. Dabei haben sich im Laufe der Zeit Legenden gebildet, die sich zwar hartnäckig halten, jedoch nicht unbedingt wahr sind. Unser Überblick zeigt einige prominente Beispiele.

Bitte beachten Sie aber: Die Inhalte sind allgemein und informativ und verstehen sich ausdrücklich nicht im Sinne einer juristischen Fachpublikation. Selbst vorgestellte Urteile sind für andere Gerichte nicht rechtsverbindlich. Diese können einen Fall völlig anders bewerten.

Annahme: Nach einem Unfall müssen die Fahrzeuge genau so stehen bleiben, bis die Polizei da ist.
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Diese Annahme ist falsch. Können die Beteiligte nach einem Zusammenstoß mit ihren Autos noch weiterfahren, sollten sie sogar die Straße räumen um den Verkehr nicht zu behindern. Wer zur Dokumentation die Position der Unfallfahrzeuge nicht umständlich mit Kreide auf der Straße markieren will, macht schnell mit dem Smartphone ein paar Fotos von der Unfallsituation.

Wer einem anderen hinten drauf fährt, hat Schuld. Das ist zwar häufig richtig, aber keine generell anwendbare Regel.
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Einer der ältesten Verkehrsirrtümer besagt, dass der Auffahrende immer schuld ist. Je nach Verhalten des Vorausfahrenden trifft ihn jedoch auch eine Teilschuld. Hat er nachweislich den Auffahrunfall provoziert, zum Beispiel durch eine vorsätzliche scharfe Bremsung, trägt der Vordermann sogar die volle Schuld. Allerdings muss man dies auch beweisen können.

Rechts darf man nicht überholen! Oder doch?
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Das Rechtsfahrgebot besagt zwar, dass möglichst rechts gefahren wird, aber nicht, dass sobald auf einer mehrspurigen Straße rechts eine Lücke auftaucht, diese auch genutzt werden muss. Der mittlere Fahrstreifen einer dreispurigen Autobahn beispielsweise darf auch über längere Zeit befahren werden, wenn er nicht zum Überholen genutzt wird.

Jedoch dürfen andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert werden, was zum Beispiel bei dauerhaftem Tempo 100-Fahren auf der linken Spur der Fall wäre. Wer bei einem solchen Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot erwischt wird, zahlt sogar Strafe.

Rechts überholen: Und was gilt bei Stau?
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Zwar darf nicht aus Ärger über einen Links-, oder Mittelspurkriecher einfach rechts überholt werden, aber beispielsweise bei zähfließendem Verkehr auf der Autobahn spricht nichts dagegen. Allerdings muss die Geschwindigkeit ähnlich wie auf der linken Spur sein und der Autofahrer natürlich gut aufpassen.

Annahme: Nach einem kleinen Parkrempler reicht es, dem Geschädigten eine kurze Notiz zu hinterlassen.
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Falsch! Ein Zettelchen an der Windschutzscheibe mit Telefonnummer und Name reicht nicht um den Fahrer des beschädigten Fahrzeuges zu informieren. Der Schadenverursacher ist verpflichtet, den Geschädigten ausfindig zu machen oder auf ihn zu warten.

Mindestens 20 Minuten, empfiehlt der Auto Club Europa. Auf einem Supermarktparkplatz sollten Unfallverursacher nicht vor einer halben Stunde Wartezeit wegfahren, empfiehlt die Deutsche Anwaltauskunft. Wenn trotz Wartezeit niemand kommt, sollte man die Polizei einschalten.

Zunächst genügt ein Telefonat, in dem die Unfall-Umstände geschildert werden. Erst danach hinterlässt man einen Zettel mit Kontaktdaten hinter dem Scheibenwischer.

Ohne die Polizei informiert zu haben kann der Zettel allein bereits den Tatbestand der Unfallflucht erfüllen, warnen die Experten. Sicherheitshalber sollte man den Unfall anschließend auf einer Polizeidienststelle aufnehmen lassen.

Wird es besonders teuer, wenn Sie diese Freunde und Helfer als „Trachtengruppe“ oder „Raubritter“ bezeichnen?
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Ob Verkehrspolizist oder Finanzamtmitarbeiter, wer gegenüber einem Beamten ausfällig wird, dem droht eine besonders hohe Strafe, glauben viele Menschen. Doch das ist falsch. Einen Tatbestand „Beamtenbeleidigung“ kennt das deutsche Strafrecht nicht.

Wenn Sie einer Politesse den Stinkefinger zeigen, zahlen Sie also nicht mehr, als wenn Sie einen Passanten anrüpeln. Trotzdem begeben Sie sich auf besonders dünnes Eis, wenn Sie gegenüber einem Beamten ausfällig werden. Denn während Normalsterbliche nur selbst Strafanzeige erstatten können, wird bei „Beamtenbeleidigung“ auch der Dienstvorgesetzte aktiv.

Die meisten Staus gab es im Oktober, staureichster Wochentag war der Freitag, übers Jahr werden es hier im Schnitt 4.000 Staukilometer registriert. Der Tag mit den meisten Staus im vergangenen Jahr war allerdings ein anderer Tag: Am Gründonnerstag 2015 verzeichnete der ADAC mit 8.000 Kilometern den absoluten Spitzenwert.

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  • Stau bedeutet Ressourcen-Verschwendung und Umwelt-Verschmutzung.

    Staus bilden sich auch vor Ampeln, insbesondere vor den mittelalterlichen
    Ampelanlagen in Deutschland. Anstatt dort einmal in eine neue intelligente Technik zu investieren, wird hier jede Investition vermieden. Es ist einfach kein Geld verfügbar, man braucht alles zur Finanzierung der Märchenwelt Merkels.

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