Stecker-Chaos und Ladestationen-Tohuwabohu
Es riecht nach Protektionismus

Wie wäre es, wenn an deutschen Zapfsäulen, nur deutsche Autos tanken könnten? Auf jeden Fall schlecht für Importmarken. Kein Wunder, dass die sauer sind über die Minister-Pläne zum Ladestationen-Netz für E-Autos.
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Das Schreiben umfasst 14 Seiten im DIN A-4-Format, ist an die „Sehr geehrte Nissan-Partnerin“ und den „Sehr geehrten Nissan-Partner“ gerichtet und trägt die nüchterne Betreff-Zeile „Einführung Ladestandards“. Als Absender zeichnet Joachim Köpf, im Management der deutschen Niederlassung des japanischen Automobilproduzenten in Brühl bei Köln für den Bereich Elektrofahrzeuge verantwortlich.

Bei dem umfangreichen Werk handelt es sich nur um eine einfache Auflistung sämtlicher hier zu Lande üblicher Stecker, Kabel und Anschlussmöglichkeiten zur Auffrischung von E-Fahrzeug-Batterien und eine Auskunft darüber, welches der in Deutschland gebräuchlichen, rund 22 verschiedenen Autos mit Elektroantrieb vom BMW i3 über den Mitsubishi EV und den Nissan Leaf bis zum Volkswagen E-Up welchen Standard verträgt und welchen nicht.

Da ist von AC und DC die Rede, wobei es sich natürlich nicht um die australische Rock-Band, sondern nur um Wechsel- beziehungsweise Gleichstrom handelt. Fachbegriffe wie Mode 1, 2 und 3 haben nichts mit Laufstegen in Paris oder Mailand gemeinsam, Typ 1/Typ 2, CCS und Chademo und Tesla- sowie Mennekes-Stecker tragen noch mehr zur Verwirrung bei.

Das ganze, kaum durchschaubare Durcheinander könnte mit verantwortlich dafür sein, dass es mehr als schleppend mit der Eroberung deutscher Straßen durch rein elektrisch betriebene Automobile vorangeht. Insgesamt rollen auf Deutschlands Straßen zur Zeit lediglich knapp 20.000 Autos, deren Antriebsstoff ausschließlich aus der Stromleitung kommt. Dabei mangelt es nicht an Versuchen, den Stromern den Weg zum Konsumenten zu erleichtern.

Schnellladenetz für Achsen und Metropolen

Aber: Während in anderen Ländern wie den USA, Japan oder Frankreich Elektromobilität mit umfangreichen Programmen gefördert wird, fehlen in Deutschland Wachstumsimpulse für Elektrofahrzeuge. Das ist inzwischen auch der Bundesregierung aufgefallen.

„Ein Elektroauto aufzuladen muss genauso einfach werden wie heutzutage die Fahrt zur Tankstelle", sagt Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und startete im April vergangenen Jahres das Forschungsprojekt „SLAM - Schnellladenetz für Achsen und Metropolen“.

Bis zum Jahr 2017 sollen im Rahmen dieses Projektes bis zu 400 Schnell-Ladesäulen aufgestellt werden. Zur deren Finanzierung von insgesamt 12,9 Milliarden Euro steuert das Wirtschaftsministerium 8,7 Milliarden Euro bei. Die neuen Stationen können allerdings nur von Fahrzeugen mit dem europäischen Stecker-Standard CCS (Combined Charging System) genutzt werden.

Während dieser Standard unter anderem von BMW, VW, Daimler und teilweise GM genutzt wird, fallen Nissan, Toyota, Honda, Mitsubishi, Peugeot, Citroen und sogar Opel mit dem Ampera unter den Tisch. Fahrzeuge dieser Marken benötigen des sogenannte Chademo-System, eine Abkürzung für Charge de Move, was zum Ausdruck bringt, dass mit Chademo ein Ladevorgang in Windeseile geschieht. Beide Methoden werden inzwischen von der EU anerkannt.

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Es riecht nach Protektionismus

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Importeure sind empört

Kommentare zu " Stecker-Chaos und Ladestationen-Tohuwabohu: Es riecht nach Protektionismus"

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  • Wenn man etwas kritisiert ist eine Sache immer ausgesprochen wichtig. Man sollte die richtigen Informationen vorliegen haben!!! Das Projekt kostet insgesamt nicht 12,9 Milliarden, sondern 12,9 Millionen!!! Des Weiteren sollte man auch kritisch über Japan berichten, wo deutsche Automarken diskriminiert werden. Dort befinden sich nämlich fast ausschließlich Chademo Ladesäulen

  • Ich habe leider auf 3 malige Nachfrage, keine Antwort auf meine Frage bekommen, was der Herr Minister Dobrint zu der 0,-Euro Förderung von Tripleladern im SLAM Projekt sagt. Deshalb habe ich die Vermutung, daß das Verkehrsministerium sich gar nicht für Schnellladesäulen interessiert. Wir können nur hoffen, daß unsere Autoindustrie den Anschluss bezüglich Elektroautos nicht verpaßt. Sonst müssen evt. in 10 Jahren, die Steuergelder die jetzt nicht für die Ladeinfrastruktur ausgegeben werden, für unsere dann kränkelnde Autoindustrie ausgegeben werden. Jetzt hat man noch Alternativen, in 10 Jahren ist man dann "alternativlos" in der Wahl der Möglichkeiten.

  • Lieber Redakteur, fragen sie doch mal unseren Verkehrsminister was er zu dem Forschungsprojekt des Wirtschaftsministeriums sagt.

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