Stillstand bei Rußfilter-Einführung befürchtet "VW-Händler täuschen Kunden bei Rußfiltern"

Die flächendeckende Einführung sauberer Dieselfahrzeuge könnte nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe durch ein vorzeitiges Ende der Legislaturperiode um Jahre verzögert werden. VW-Händlern wurde unterdessen Kundentäuschung beim Einbau von Rußfiltern vorgeworfen.

HB BERLIN. Der Geschäftsführer der Organisation Umwelthilfe, Jürgen Resch, forderte am Dienstag in Berlin Bundesregierung und Opposition auf, „sich kurzfristig zumindest auf die Grundsätze einer steuerlichen Förderung sauberer Diesel-Pkw und Lkw zu einigen“. Fortgesetzte Überschreitungen der Feinstaub-Grenzwerte in fast allen Ballungszentren hätten in diesem Jahr bereits zu Fahrverboten „für Diesel-Stinker“ in 70 bis 120 deutschen Städten geführt.

„Teilen der Autoindustrie“ warf Resch vor, „den gegenwärtigen politischen Schwebezustand instinktsicher für weitere Verzögerungen bei der Einführung des voll wirksamen Partikelfilters zu nutzen“. Als „unanständig“ bezeichnete er den Versuch von VW-Chef Bernd Pischetsrieder, der Bundesregierung und insbesondere Umweltminister Jürgen Trittin die Schuld für das Scheitern der steuerlichen Förderung in die Schuhe zu schieben.

Die Deutsche Umwelthilfe hat zudem VW-Händlern vorgeworfen, Käufer ungefilterter Dieselfahrzeuge mit falschen Aussagen über Nachrüstmöglichkeiten zu täuschen. Einige VW-Händler versprächen den Kunden gegen einen Festpreis von 565 € die spätere Nachrüstung ihres Wagens mit einem vollwertigen Rußfilter, sagte Jürgen Resch am Dienstag in Berlin. Tatsächlich handle es sich jedoch um minder wirksame Einfachfilter, die nur eine Filterleistung von 30 % statt der 99,9 % eines Vollfilters erreichten. Für die Käufer der Dieselautos bedeute dies, dass der Wertverlust ihrer Wagen höher sei und sie bei hoher Feinstaub-Belastung möglicherweise trotz ihres Rußfilters unter Fahrverbote fielen. Der VW-Konzern erklärte zu den Vorwürfen, das Unternehmen habe nie behauptet, dass Nachrüstfilter die gleichen Werte wie die vollwertigen geschlossenen Filtersysteme erreichten.

Resch sprach von einer raffinierten Marketingstrategie. Sein Verband sei nach mehreren Verbraucherbeschwerden tätig geworden. „Bei Testanrufen in VW-Vertragswerkstätten in Stuttgart, Ulm, Mannheim und Wolfsburg hat sich diese 'vorsätzliche Täuschung' des Verbrauchers voll bestätigt“, sagte Resch. Die Händler versprächen den Kunden ein in der Filterwirkung gleichwertiges und darüber hinaus - gegenüber den angeblich veralteten und wartungsintensiven geschlossenen Systemen - absolut wartungsfreies Filtersystem. Die Händler handelten dabei allerdings nicht böswillig. Zum Teil hätten sie erklärt, vom VW-Konzern bisher selbst keine technischen Angaben zu den Nachrüstfiltern erhalten zu haben.

Ein Sprecher des VW-Konzerns erklärte dagegen, die Händler seien selbstverständlich informiert und würden die technischen Parameter der Nachrüstfilter kennen. Tatsache sei, dass alle Nachrüstfilter offene Systeme seien und damit nicht so gute Werte wie geschlossene Filtersysteme erzeugten. „Wenn ein Händler etwas anderes sagt, ist das nicht mein Problem“, sagte der Sprecher.

Die Deutsche Umwelthilfe kündigte unterdessen an, sie werde ab Ende der Woche auf ihrer Internetseite einen Formbrief zur Verfügung stellen für VW-Kunden, die sich getäuscht fühlten. Mit diesem Schreiben könne unter Hinweis auf eine entsprechende Zusage der Einbau eines vollwertigen Partikelfilters verlangt oder der Rücktritt vom Kauf wegen vorsätzlicher Täuschung ausgesprochen werden. Zugleich kritisierte der Verband, dass der VW-Konzern im Gegensatz zu anderen Autoherstellern bislang nur wenige Fahrzeugmodelle - den Luxuswagen Phaeton, den Geländewagen Touareg sowie den Passat mit Zwei-Liter-Motor - mit einem vollwertigen Filter anbiete. Andere deutsche Hersteller dagegen hätten mittlerweile ein umfassendes Angebot an Filterfahrzeugen.

Die Umwelthilfe geht davon aus, dass es wegen zu hoher Feinstaubwerte bis Jahresende in bis zu 120 deutschen Städten mehr oder weniger harte Fahrverbote geben wird. Einer Studie zufolge kommen fünf Mal so viele Menschen durch das Einatmen der mikroskopisch kleinen Feinstaub-Partikel ums Leben wie durch Verkehrsunfälle. Zum Großteil besteht Feinstaub aus Dieselruß, der für den Tod von 14 000 Menschen pro Jahr in Deutschland verantwortlich gemacht wird. Der Bundesrat berät derzeit noch, wie gefilterte Dieselfahrzeuge gefördert werden sollen.

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