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Strategien gegen den Stress im Auto

Gestresste Menschen in überhitzten Fahrzeugen auf verstopften Autobahnen - solche Bilder sind für jede Reisezeit typisch. Denn immer wieder begehen gerade Auto-Urlauber die gleichen Fehler.

dpa/gms BONN/STUTTGART. Gestresste Menschen in überhitzten Fahrzeugen auf verstopften Autobahnen - solche Bilder sind für jede Reisezeit typisch. Denn immer wieder begehen gerade Auto-Urlauber die gleichen Fehler.

Sie fahren zur falschen Zeit los, sitzen übermüdet am Steuer und sind nicht gut genug über die Stecken informiert, um Staus umfahren zu können. Wenn es um das Ansteuern des Ziels oder die Wahl von Alternativrouten geht, kommt es auf aktuelles Kartenmaterial an. Und ein Navigationssystem allein ist nur dann ein Garant für sicheres Ankommen, wenn es über frische Daten verfügt.

Die zunehmend verbreiteten Navigationssysteme sollten nicht dazu verführen, den Angaben der Elektronik uneingeschränkt Glauben zu schenken. Denn die Geräte beziehen ihre Informationen in der Regel von CDs oder Dvds - und die kommen eben auch in die Jahre. „Etwa 15 Prozent aller Kartendaten ändern sich jeweils in einem Jahr“, erklärt Eva Appold vom Navigationsgeräte-Anbieter Siemens VDO in Frankfurt/Main.

Im Grunde verhalte es sich mit den Navigations-CDs wie mit dem Straßen-Atlas, sagt Joachim Siedler von Blaupunkt in Hildesheim. Auch der Atlas musste regelmäßig ausgetauscht werden. Allerdings sind die Datenträger teurer: Die Anbieter Teleatlas und Navtec verlangen in der Regel zwischen 100 und 250 Euro für den aktuellen Nachschub. „Es ist sicher nicht erforderlich, jährlich die aktualisierten Ausgaben zu kaufen, aber alle vier bis fünf Jahre sollte es schon sein“, sagt Siedler.

Außerdem weist ein Navigationssystem nicht unbedingt den Weg in alle Urlaubsländer. „Europaweite Navigation in einem Gerät gibt es erst seit etwa zwei bis drei Jahren“, sagt Siedler. Bis dahin galt, dass die Navigation in der Regel länder- oder regionsspezifisch war: Für das angesteuerte Land musste die passende CD im Laufwerk sein. „Vor der Urlaubsfahrt sollte man daher nachschauen, ob man die benötigten Daten hat.“

Doch auch die perfekte Navigation nützt wenig, wenn die allgemeine Planung der Urlaubstour dürftig ausgefallen ist. So bietet der Start an einem Ferienbeginn-Wochenende in der Regel ausgiebige Gelegenheit, den Bildschirm des Navigationsgerätes zu studieren - im Stau. „Es ist ein Fehler, dann loszufahren, wenn auch alle anderen starten“, warnt Matthias Beck vom Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart.

Bernd Kulow vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn rät zu einem Blick auf die Internetseiten des Bundesverkehrsministeriums. Dort ist der Ferienverkehrs-Kalender zu finden, der auf besonders stauträchtige Termine und die Stauschwerpunkte aufmerksam macht (www.bmvbw.de/Anlage/original_914064/Ferienverkehrs-Kalender-2005.pdf).

„Bei längeren Fahrten wie nach Spanien oder Italien sollte man eine Übernachtung einplanen“, rät Kulow. Denn gerade Übermüdung lässt die Unfallgefahr auf solch langen Fahrten stark ansteigen. Auch hier kann sich frühzeitige Planung bezahlt machen - etwa wenn die nötige Nachtrast an einem zuvor ausgesuchten Ort eingelegt wird und so bereits Teil des Urlaubs und nicht einfach nur eine Stresspause ist.

„Die richtige Planung ist schon die halbe Stressbewältigung“, bestätigt Beck vom ACE. Während langer Fahrten sei es wichtig, regelmäßige Pausen einzulegen - bei denen nicht die Portion Pommes in der Raststätte sondern etwas Bewegung auf dem Plan stehen sollte. Als Anhaltspunkt empfiehlt der Adac in München fünf Minuten Pause eine Stunde nach Abfahrt. Drei Stunden nach Abfahrt sollten zehn Minuten, fünf Stunden nach dem Start 20 Minuten Pause eingeplant werden. Nach sieben Stunden steht eine Stunde Rast auf dem Programm, nach neun Stunden wieder zehn Minuten. Spätestens nach zehn Stunden Fahrt ist die Übernachtung fällig.

Kaffee als Wachmacher bei Marathon-Etappen ist kaum hilfreich: „Viele Autofahrer denken, dass literweise Kaffee gegen Müdigkeit hilft - dabei ist das Gegenteil der Fall“, erklärt Beck. Nach einer kurzen Aufputschphase von bestenfalls 15 Minuten folgt ein erneutes Abschlaffen. Besser geeignet sind Wasser und dazu leichte Speisen.

Den Fahrern rät Bernd Kulow, auf längeren Etappen nicht eisern ihren Sitz zu verteidigen. „Es ist zu empfehlen, sich am Lenkrad abzuwechseln.“ Allerdings sollten Gespräche über die Ablösung nicht in Streit ausarten. „Ein Streit führt zu Ablenkungen und erhöht so das Unfallrisiko.“ Laut Kulow ist es besser, etwaigen Zwist auf einem Parkplatz auszutragen - was ganz nebenbei auch eine der so wichtigen Fahrpausen mit sich bringt.

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