Streitfall zwischen Versicherung und Autobesitzer
Vollkasko muss Wildschäden ersetzen

Eine Vollkaskoversicherung muss auch dann für Wildschäden am Auto aufkommen, wenn der Unfallhergang ungeklärt bleibt. Das Oberlandesgericht Hamm verurteilte eine Vollkaskoversicherung nach einem Wildunfall zur Kostenübernahme, obwohl der Fahrzeugbesitzer den Unfall nicht sicher nachweisen konnte.

HB DÜSSELDORF. Allerdings konnte die Versicherung auch nicht beweisen, dass es den Unfall nicht gegeben hatte. Wenn am Ende der Beweisaufnahme offen bleibe, ob ein Wildunfall tatsächlich stattgefunden habe, gehe dies bei einem Vollkaskovertrag zulasten des Versicherers, urteilten die Richter. Bei einer Teilkaskoversicherung gehe die gleiche unklare Situation dagegen zulasten des Fahrzeughalters.

In dem Streitfall verlangte der Autobesitzer nach einem Zusammenstoß mit einem Reh von der Versicherung 13 375 Euro Reparatur- und 521 Euro Gutachterkosten. Nach dem Unfall fanden zwei Polizisten an dem Auto Spuren von Blut und Wildhaaren. Nachdem das Auto eine Woche im Freien gestanden hatte, konnte ein Gutachter an dem Fahrzeug jedoch keine Wildspuren mehr feststellen.

Das Gericht verurteilte die Versicherung zur Übernahme der Reparaturkosten abzüglich einer Selbstbeteiligung des Fahrzeughalters von 300 Euro. Die Gutachterkosten musste allerdings der Autobesitzer tragen (Aktenzeichen: 20 U 134/07).

Der ADAC rät, nach einem Wildunfall den Warnblinker einzuschalten und das Warndreieck aufzustellen. Danach solle die Polizei gerufen werden. Um Wildunfälle zu verhindern, empfiehlt der ADAC besonders in Waldgebieten "verlangsamte und vorausschauende Fahrt".

Außerdem sei es nicht ratsam, angefahrene Tiere zu berühren. Es könne sein, dass die Tiere noch nicht tot seien und ausschlagen oder zubeißen. Im Straßenverkehr getötete Wildtiere dürften außerdem nicht einfach mitgenommen werden. Das sei juristisch gesehen Wilderei und werde mit Geld- oder Haftstrafen geahndet.

Laut den aktuellen Statistiken der Versicherer ist die Zahl der Wildunfälle im vergangenen Jahr gestiegen. Ebenso fielen die Schäden offenbar teurer aus als im Jahr davor. So wurden 2007 rund 240 000 Wildunfälle gemeldet - sechs Prozent mehr als 2006. Die Auszahlungen der Unternehmen beliefen sich auf 490 Mill. Euro. 16 Prozent mehr als 2006.

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