Studie Immer weniger Privatleute kaufen Neuwagen

Wenn Privatkunden ein Auto kaufen, dann ist es immer seltener ein Neuwagen. Gleichzeitig werden die Autos in Deutschland immer älter. Fremdeln die Menschen in Deutschland mit dem einstigen „liebsten Kind“, dem Auto?
7 Kommentare
„Die Begeisterung für neue Autos ist abgeflacht, der Gebrauchte tut es auch ganz gut“, so der Studienleiter. Quelle: dpa
Ferdinand Dudenhöffer

„Die Begeisterung für neue Autos ist abgeflacht, der Gebrauchte tut es auch ganz gut“, so der Studienleiter.

(Foto: dpa)

Duisburg/HannoverImmer weniger Neuwagen in Deutschland werden einer aktuellen Studie zufolge auf Privatkunden zugelassen. Gleichzeitig werden die Autos der Privatnutzer immer älter - und das seit vielen Jahren. Derzeit hat das Durchschnittsauto der Deutschen 9,3 Jahre auf dem Buckel, im Jahr 2000 waren es noch durchschnittlich 6,9 Jahre, wie die Untersuchung des CAR-Forschungszentrums der Universität Duisburg-Essen ergab.

„Die Begeisterung für neue Autos ist abgeflacht, der Gebrauchte tut es auch ganz gut“, urteilte Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer. Er kritisierte, den Autobauern gingen die Ideen aus. Kontinuierliche Verbesserung „wird irgendwann langweilig“.

Womit Autohersteller jetzt die Kunden locken
Ford Ranger Black Edition - Kompletter Chrom-Verzicht
1 von 82

Komplett in Schwarz tritt nun das Sondermodell „Black Edition“ des Ford Ranger auf. Die auf 2.500 Stück limitierte Auflage des Pick-ups verzichtet komplett auf Chromschmuck, Kühlergrill und Leichtmetallfelgen sind schwarz lackiert. Zur Ausstattung zählen unter andere Zweizonen-Klimaanlage, Lederpolster und Navigationssystem.

Für den Antrieb stehen zwei Diesel mit 118 kW/160 PS und 147 kW/200 PS zur Wahl, einzige Karosserieversion ist die Ausführung mit Doppelkabine. Die Preisliste startet bei 42.333 Euro.

Fiat Tipo S-Design - Auch mit viel Ausstattung noch günstig
2 von 82

Fiat wertet seinen kompakten Preisbrecher Tipo auf. In der neuen „S-Design“-Ausführung verfügen Schräghecklimousine und Kombi unter anderem über 18-Zoll-Felgen, Zierteile in Klavierlackoptik und eine Sonderlackierung in Grau. Zur Ausstattung zählen außerdem Xenonlicht und ein Infotainment-System mit 7-Zoll-Monitor. Einstiegsmotor ist ein 88 kW/120 PS starker Saugbenziner, alternativ ist ein Turbo mit 81 kW/110 PS und Automatikgetriebe sowie ein 88 kW/120 PS starker Diesel zu haben, für den auf Wunsch ebenfalls eine Automatik zu haben ist. Die Preisliste startet bei 19.650 Euro für den Fünftürer, der Kombi kostet 1.000 Euro mehr.

Die Tipo-Einstiegsmodelle mit weniger umfangreicher Ausstattung kosten 15.450 Euro beziehungsweise 16.450 Euro. Die Limousine – mit einem Startpreis von 14.450 Euro für das Basismodell die günstigste Karosserieversion im Modelltrio - ist nicht in der neuen Top-Ausstattung zu haben.

Genesis G70 - Edel-Hyundai zielt auf BMW 3er
3 von 82

Hyundais edle Schwester Genesis startet die Eroberung des europäischen Markts mit einer Mittelklasselimousine. Der nun in Seoul präsentierte G70 soll gegen Ende des Jahrzehnts gegen BMW 3er, Audi A4 und Mercedes C-Klasse antreten. Technisch orientiert sich der Koreaner an der deutschen Konkurrenz, hat neben Hinterrad- auch Allradantrieb und neben einem 185 kW/252 PS starken Vierzylinderbenziner auch einen Diesel mit 2,2 Litern Hubraum und 149 kW/202 PS im Angebot. Geplant ist außerdem ein 3,3-Liter-V6-Benziner mit 272 kW/370 PS.

Neben dem 4,70 Meter langen G70 will Genesis in Europa auch die größeren Limousinen G80 und G90 sowie zwei SUV-Modelle in der Liga von BMW X3 und X5 anbieten. Außer den deutschen Premiumherstellern würden die Koreaner damit vor allem Nissan-Tochter Infiniti und dem Toyota-Ableger Lexus Konkurrenz machen. Bislang ist Genesis aber lediglich in Südkorea und den USA aktiv, in Deutschland wurde zwischen 2014 und 2017 als eine Art Testballon die V6-Limousine Hyundai Genesis, der nahezu baugleiche Vorläufer des G80, angeboten.

Mercedes-AMG G 63 und G65 - Teure „Exclusive Edition“
4 von 82

Die beiden stärksten Modelle der G-Klasse-Palette aus dem Hause Mercedes-AMG sieht man im alltäglichen Straßenbild ohnehin schon nicht besonders häufig. Kein Wunder, schlagen die beiden Fahrzeuge doch mit rund 145.000 Euro (G 63) beziehungsweise 275.000 Euro (G 65) zu Buche.

Noch mal 13.000 bzw. 18.000 Euro teurer werden die beiden in der neuen „Exclusive Edition“. Optisch stechen der Unterfahrschutz aus Edelstahl, die seitlichen AMG-Streifen, die in Wagenfarbe lackierte Reserveradabdeckung sowie die 21-Zoll-Leichtmetallräder hervor.

Opel Insignia GSi Sports Tourer - Laderaum und Ladedruck
5 von 82

Opel bietet die sportliche GSi-Version des Insignia künftig auch als Kombi und mit Dieselmotor an. Der 2,0 Liter große Bi-Turbo mit 154 kW/210 PS ist an Achtgangautomatik sowie Allradantrieb gekoppelt und ergänzt im Motorenangebot den bereits angekündigten 2,0-Liter-Turbobenziner mit 191 kW/260 PS. Der Selbstzünder beschleunigt das Mittelklassemodell in rund 8 Sekunden von null auf Tempo 100 und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 231 km/h.

Als Verbrauch gibt der Hersteller 7,3 Liter an. Der Wert gilt für den „Sports Tourer“ genannten Kombi, der nun als Karosseriealternative zur bereits angekündigten Stufenhecklimousine angeboten wird. Alle Varianten des Insignia GSi kommen Ende des Jahres auf den Markt.

Alternativ zum Benziner gibt es einen Biturbo-Diesel
6 von 82

Der Insignia GSi kommt nicht nur als Limousine, sondern auch als Kombi. Und auch der Benziner ist nicht mehr der einzige Motor.

BMW nimmt Alexa an Bord - Amazons Sprachassistent wird Serie
7 von 82

BMW integriert Amazons Sprachassistent Alexa ab 2018 in allen seinen Fahrzeugen. Auch in den Modellen der Kleinwagenmarke Mini können die Insassen dann per Sprachbefehl Musik abspielen, einkaufen, die Navigation einstellen oder sich Nachrichten vorlesen lassen. Insgesamt sollen rund 10.000 Funktionen zu Verfügung stehen, wie man sie auch von den Amazon-Echo-Geräten im Wohnzimmer kennt.

Die Nutzung im Auto ist ohne Smartphone möglich, online geht Alexa über eine in allen BMW und vielen Mini serienmäßig eingebaute SIM-Karte. Nutzen kann man den Dienst jedoch nur, wenn das aufpreispflichtige Konnektivitäts-Paket an Bord ist. Zudem werden Abo-Gebühren fällig. Zu den genauen Kosten sagt BMW noch nichts.

Der Studie zufolge fahren auf Deutschlands Straßen 45,07 Millionen Autos - 41,2 Millionen davon sind demnach auf Privatpersonen zugelassen. Allerdings sinke der Anteil der Privatkäufer an den Neuzulassungen: Im ersten Halbjahr 2017 seien es gerade einmal 34,6 Prozent gewesen - ein Negativrekord, sagte Dudenhöffer. 2006 habe der Anteil noch bei 47,4 Prozent gelegen. „Die Konsequenz: Die Autos der Deutschen werden immer älter“, sagte der Experte.

Dudenhöffer urteilte, das Auto werde für die Menschen in Deutschland immer mehr zum Gebrauchsgegenstand. Die emotionale Bindung, der Stolz, ein neues Auto zu besitzen, hätten dagegen über die Jahre deutlich abgenommen: „Das Auto verliert deutlich an Anziehungskraft.“

Ein paar PS oder ein paar Zentimeter Länge oder Breite mehr beim Nachfolgemodell reichten nicht aus, um Emotionen auszulösen. Er gehe nicht davon aus, dass Autos den Privatkunden schlicht zu teuer würden - angesichts der vielen verkauften Premiumautos.

Die Zahl der Neuzulassungen stieg im ersten Halbjahr um rund drei Prozent auf gut 1,7 Millionen Autos, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) und das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) unlängst bekanntgeben. Bei den Neuzulassungen schlägt sich auch die Diesel-Debatte nieder: Nach KBA-Angaben lag der Diesel-Anteil an den Neuzulassungen bei 41,3 Prozent - im ersten Halbjahr 2016 waren es noch 46,9 Prozent.

Die besten Kunden der Autobauer und -händler seien diese selbst, betonte Dudenhöffer. Im ersten Halbjahr seien 30,6 Prozent aller Neuzulassungen auf das Konto der Händler und Hersteller gegangen - 2006 seien es 24,6 Prozent gewesen. Weitere 23 Prozent gingen an Unternehmen.

Allerdings blieben die Autos nicht lange auf Händler und Hersteller zugelassen, sondern gingen oft nach ein paar Tagen - als Tageszulassungen und mit einem Rabatt von 20 bis 35 Prozent - an die Privatkunden. Die Menschen hätten gelernt, mit hohen Rabatten zu kaufen, erklärte der Auto-Fachmann.

Für Verunsicherung hätten auch der Abgas-Skandal um manipulierte VW-Dieselmotoren und drohende Fahrverbote in einigen Städten gesorgt. Unter den Privatkunden hätten sich im ersten Halbjahr noch 24,2 Prozent für einen Selbstzünder entschieden. Nur 2009, im Jahr der Abwrackprämie, lag der Anteil mit 16,7 Prozent noch tiefer. 2006 dagegen wollte noch ein Drittel der Privatkäufer einen Diesel.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Studie - Immer weniger Privatleute kaufen Neuwagen

7 Kommentare zu "Studie: Immer weniger Privatleute kaufen Neuwagen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Er gehe nicht davon aus, dass Autos den Privatkunden schlicht zu teuer würden - angesichts der vielen verkauften Premiumautos."

    Kleiner Tipp für zukünftig bessere Annahmen: Die Gesellschaft ist zutiefst gespalten.
    Die Einen zahlen Mietzins (de facto oft Wucherzins, da die alternativen Anlageformen sich mit Null rentieren - de jure gilt hier allerdings die "Vergleichsmiete" vor Ort...);
    die anderen streichen den Mietzins ein.

    Im Ergebnis haben die Einen dann eben Geld für nen Oberklassewagen - und den Anderen rostet die Karre weg. Und das ist erst der Anfang. Ein Blick in die Mundhöhle käme wohl zu vergleichbaren Ergebnissen ...

    ... das ist übrigens kein deutsches Problem, sondern ein systemisches.
    In ein paar Jahren -dank Digitalisierung des Arbeitsplatzes sehr viel schneller als von den meisten heute erwartet- haben wir hierzulande Zustände wie in den USA.

  • Das Interesse an Neuwagen ist abgeflacht? Schallendes Gelächter! Seit gut 24 Jahren bin ich im Fuhrparkmanagement aktiv und stelle eher das Gegenteil fest. Das Interesse steigt...die Ansprüche auch. Fragt man jedoch die Dienstwagennutzer, ob sie ein vergleichbares Fahrzeug auch privat kaufen würden, dann lautet die Antwort: "Nee, zu teuer." Genau das ist das Problem. Sieht man sich mal die Neuwagenpreise an, kommt man schnell zur Frage: Wie soll das privat finanzierbar sein? Volkswagen hat sich preislich jedenfalls weit von seinem Namen entfernt, oder wie nennt man das, wenn z. B. ein Tiguan mit "voller Hütte" an die 70.000er Marke kratzt? Auch stellt sich die Frage, warum dann so hohe Rabatte gewährt werden. Sicher nicht, um das Kaufinteresse zu steigern, sondern lediglich um den Wagen preislich etwas "erträglicher" zu gestalten. OK. Herr Dudenhöfer wird sicherlich nicht so genau auf den Euro blicken müssen. Zum einen sicher wegen der Einkünfte, zum anderen fährt er selbst sicher auch einen Dienstwagen.

    Was die vielen verkauften Premiumautos angeht: Einfach mal einen Blick in die Zulassungsstatistik werfen. Das Gros sind gewerblich zugelassene Fahrzeuge. Viele Fahrzeuge werden als Dienstwagen genutzt. Die müssen ja schon allein wegen dem Nachbarn repräsentativ sein...Dann müsste man als nächstes noch den vermeintlich privat geleasten oder anderweitig finanzierten Teil herausrechnen. Da bleibt dann nicht mehr viel übrig.

    Abschließend stellt sich noch die Frage, warum ausgerechnet günstige Marken (z. b. Dacia) gerade bei Privatkäufern so erfolgreich sind.

  • Neuwagen zu teuer? Artikel: "Er gehe nicht davon aus, dass Autos den Privatkunden schlicht zu teuer würden - angesichts der vielen verkauften Premiumautos."

  • HB : "Immer weniger Neuwagen in Deutschland werden einer aktuellen Studie zufolge auf Privatkunden zugelassen. Gleichzeitig werden die Autos der Privatnutzer immer älter - und das seit vielen Jahren."
    --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Die Automobilindustrie bewirbt beim Neuwagenkauf in der Regel nicht mehr den Neuwagenpreis sondern die günstige monatliche Leasingrate und die Leasingrate können sich viele nicht mehr leisten.
    Ergebnis : Wer sich die Leasingrate nicht mehr leisten kann, fährt seinen Gebrauchtwagen solange, bis der TÜV die Rote Karte zeigt ------ und die Automobilindustrie bleibt auf den Produkten sitzen, die der NORMALO nicht mehr finanzieren kann.

  • Wenn 91,4% der Fahrzeuge auf deutschen Straßen von Privatpersonen gefahren werden und diese nur 34,6% der Nachfrageseite ausmachen, scheint das Problem tatsächlich nicht an rot-grünen Lehrern zu liegen, sondern auf der Angebotsseite.

    Ein Neuwagen (leiste ich mir alle 10 Jahre) ist schlicht zu teuer und kann daher überwiegend nur noch hoch subventioniert an Geschäftsleute verkauft werden.

  • Ein weiteres, eher simples und in diesem Artikel nicht beleuchtetes Problem dürfte der Preis eines Neuwagens sein. Selbst für einen halbwegs motorisierten und ausgestatteten Kleinwagen wird mittlerweile ein Listenpreis aufgerufen, der nicht mehr weit vom Nettojahreseinkommen eines Durchschnittsverdieners entfernt liegt. Ab der (oberen) Mittelklasse entschwindet der Listenpreis dann in nahezu unerreichbare Sphären. Wen wundert es da, dass sich immer weniger Normalverdiener einen Neuwagen leisten (können) - und gerne auf die Rabatte der Tageszulassungen zugreifen (müssen).

  • In einem Schulbuch im Fach Politik habe ich neulich das Folgende gelesen. In einem Fallbeispiel wollte der Vater ein neues Auto, die Kinder/Jugendlichen wollten lieber eine Solaranlage auf dem Dach. Pro Auto: Bequem. Contra Auto: Schlecht für die Umwelt etc. Die Schüler sollten dann z.B. diskutieren, wie man mit neuer Solaranlage totzdem hinreichend mobil bleibt usw.

    Journalisten und Lehrer haben großen Einfluss auf die Meinungsbildung einer Gesellschaft. Bei uns sind diese Leute tendenziell rot-grün - mit den entsprechenden Auswirkungen. Wen wundert es da, dass die Automobilindustrie als Herz der deutschen Wirtschaft nun auf dem absteigenden Ast ist.

    Die Grünen werden antworten: Jawoll, wir müssen unsere Wirtschaft umstellen, z.B. Solaranlagen bauen. Das vernichtet aber nach wie vor Arbeitsplätze, weil "Erneuerbare" subventioniert werden müssen. Verlustgeschäfte bringen keine Arbeitsplätze - das können nur gewinnbringende Aktivitäten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%