Studie
Umweltamt gibt Jumbo-LKW schlechte Noten

Eigentlich, so sollte man meinen, würden die neuen superlangen Lastwagen die Umwelt schonen, steigt der Spritverbrauch doch nicht im gleichen Maße wie die Zuladung. Das Umweltbundesamt ist jedoch ganz anderer Ansicht und macht eine einfache Rechnung auf.

BERLIN. Jumbo-LKW führen zu einer weiteren Verlagerung von Gütertransporten auf die Straße. Sie entlasten weder die Umwelt noch die Straßeninfrastruktur. Das ist das Ergebnis der Untersuchung des Umweltbundesamtes (UBA).

Über den Einsatz der bis zu 25,25 Meter langen Lastkraftwagen mit einem Gesamtgewicht von bis zu 60 Tonnen wird seit geraumer Zeit gestritten. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher LKW hat ein Gesamtgewicht von 40 Tonnen und ist maximal 18,75 Meter lang Bislang sind die „Jumbos“ nur in einigen Bundesländern versuchsweise im Einsatz. Die Logistikbranche drängt auf ihren Einsatz. Angesichts des rasenden Wachstums des Güterverkehrsaufkommens gebe es zu den großen Lastkraftwagen keine Alternative, heißt es.

Das Umweltbundesamt sieht das skeptisch. Wegen der sinkenden Transportkosten und der höheren Ladevolumina schmelze der Konkurrenzvorteil, den die Bahn in bestimmten Segmenten habe, sagte UBA-Chef Andreas Troge dem Handelsblatt. „Die Einführung der Jumbo-LKW würde dafür sorgen, dass noch mehr Transporte über die Straße abgewickelt würden. Das kann niemand wollen.“

In der UBA-Untersuchung heißt es, allein beim kombinierten Verkehr würde ein großer Teil vollständig auf die Straße verlagert; von kombiniertem Verkehr ist die Rede, wenn eine Fracht von einem Verkehrsträger zum anderen wechselt. Laut UBA können die Transportkosten pro Ladung mit den Jumbo-LKW um 20 bis 25 Prozent gegenüber herkömmlichen LKW verringert werden. „Langjährige Marktbeobachtungen zeigen: Wird der Straßengüterverkehr um ein Prozent günstiger, geht die beförderte Menge auf der Schiene um 1,8 Prozent zurück. Bei der Binnenschifffahrt beträgt dieser zu erwartende Rückgang 0,8 Prozent.“

Sänken die Frachttarife für Transporte mit den Riesen-LKW um 20 Prozent, so verlöre die Schiene in den relevanten Marktsegmenten bis zu 38 Prozent und die Binnenschifffahrt bis zu 16 Prozent, schreibt das UBA. Zu einem ähnlichen Ergebnis war kürzlich eine vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebene Studie gekommen. „Ich würde dazu raten, die Jumbo-LKW nicht einzuführen – auch vor dem Hintergrund der Klimaschutzziele der EU“, lautet Troges Fazit.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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