Systeme zum Flottenmanagement
Telematik muss mehr Nutzen bieten

Den europäischen Anbietern von Telematiklösungen - Systeme zur Steuerung und zum Management von Fahrzeugflotten - stehen stürmische Tage ins Haus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Marktforscher von Frost & Sullivan. Bis 2011 werde der Umsatz jährlich um 7,2 Prozent auf dann 1,6 Mrd. Euro zulegen.

FRANKFURT. Gleichzeitig aber wachsen die Ansprüche an die Leistungsfähigkeit der Systeme. "Der Markt, befindet sich an einem Wendepunkt", schreiben die Experten. Dies betrifft vor allem die Technik. Oft sind Produkte noch nicht ganz ausgereift, so dass sie eher wie eine Spielerei wirken denn als ein Instrument, das seinem Anwender tatsächlichen Nutzen bringt. Das aber wird sich nach Ansicht von Frost & Sullivan in den nächsten Jahren ändern.

So würden die Kunden, also Flottenbetreiber oder große Konzerne, angesichts der hohen Treibstoffkosten künftig viel stärker auf Aspekte wie die Kostenersparnis achten: Der wichtigste Treiber für die Telematik wird sein, dass sich die Investition auch auszahlt, heißt es in der Studie. Dieser Trend gilt für die Betreiber von Lkw- und Pkw-Flotten gleichermaßen.

Die Telematik-Anbieter versuchen derzeit, sich auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen, etwa durch Übernahmen und den Aufbau einer globalen Präsenz. So hat der Navigationsanbieter Tom-Tom die Leipziger Datafactory, einen Spezialisten für webbasiertes Flottenmanagement, übernommen. "Es ist ganz klar eine Konsolidierung erforderlich, vor allem, um europaweit tätige Marken zu etablieren", sagt Thomas Becher, Manager von Tom-Tom. Das Unternehmen betreut zurzeit etwa 1 200 Kunden.

Auch Albert de Cillia, Geschäftsführer von GE Fleet Services Deutschland, weltweiter Anbieter von Telematik- und Flottenmanagement-Systemen und Tochter des US-Riesen General Electric, sieht schwere Zeiten auf rein nationale Anbieter zukommen. "Flottenmanagement ist heute eine globale Aufgabe", argumentiert er. GE Fleet Services verwaltet für 950 deutsche Kunden 26 000 Fahrzeuge.

Doch der stärkere Blick auf den finanziellen Nutzen solcher Systeme hat noch eine andere Folge. Sparpotential werden die Flottenbetreiber künftig vor allem in integrierten Lösungen suchen. Hier kann der Bordcomputer des Fahrzeugs über eine Schnittstelle Daten aus der Unternehmenssoftware übernehmen. "Wenn eine Spedition zum Beispiel einen Auftrag mit den Kundendaten direkt auf unser Gerät im Lastwagen überspielen und der Fahrer dann per Knopfdruck die Navigation dorthin starten kann, ist das ein eindeutiger Effizienzvorteil", sagt Becher von Tom-Tom.

Die Anbieter haben zuletzt viele solcher Angebote auf den Markt gebracht. GE Fleetservice bietet zum Beispiel eine Lösung für das Management von Dienstwagen an. Jeder Mitarbeiter kann über das Internet seinen Dienstwagen nach Wunsch und nach den internen Vorgaben konfigurieren. "Bei einem Kunden konnten wir beispielsweise so den gesamten Kalkulations- und Bestellprozess von 195 auf 83 Minuten verkürzen", beschreibt de Cillia die Vorteile.

Das Potenzial für solche Telematik-Systeme ist groß. So haben laut Frost & Sullivan zurzeit nur etwa 16 Prozent der schweren und leichteren Lkw Telematiksysteme an Bord. Allerdings gibt es auch Hindernisse. So wüssten viele Flottenbetreiber nur wenig über die Vorteile einer IT-Lösung. Zudem behindere die fehlende Standardisierung den Verkauf der Systeme.

Aber auch die Fahrzeughersteller selbst machen sich in diesem Markt breit. Zwar dominieren - gemessen am Umsatz - die unabhängigen Firmen den europäischen Markt. Sie werden aber laut Frost & Sullivan bis 2011 mit einem jährlichen Wachstum von 7,2 Prozent deutlich langsamer wachsen als die Hersteller-Lösungen (plus 14,5 Prozent) etwa von Daimler-Chrysler, Volvo oder MAN.

Deshalb wird die Branche künftig bei ihren Kunden wohl noch einige dicke Bretter bohren müssen, vor allem bei eigentlichen "Endkunden", den Lkw-Fahrern. "Hier gibt es noch gewisse Vorbehalte. Einige Fahrer sehen es gar nicht gerne, dass die Firma stets weiß, wo sie gerade sind", weiß Becher aus Erfahrung.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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