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Tagfahrlicht verbessert Sichtbarkeit von PKW

Der Lastwagen nervt den Autofahrer. Seit einigen Kilometern schleicht er vor ihm auf der Landstraße. Endlich bietet sich eine Lücke, der Fahrer will vorbeiziehen, als plötzlich vor ihm ein Auto auftaucht: der Mann hatte es nicht gesehen.

dpa/gms BONN/HAMBURG. Der Lastwagen nervt den Autofahrer. Seit einigen Kilometern schleicht er vor ihm auf der Landstraße. Endlich bietet sich eine Lücke, der Fahrer will vorbeiziehen, als plötzlich vor ihm ein Auto auftaucht: der Mann hatte es nicht gesehen.

Oft enden solche Situationen tödlich. Dabei ließen sie sich vermeiden, wie Studien belegen: indem auch am Tag mit Licht gefahren würde.

Forscher haben nach Angaben des niederländischen Swov Institute for Road Safety Research herausgefunden, dass ein nicht rechtzeitiges Erkennen oder Übersehen anderer Fahrzeuge bei 50 Prozent aller Unfälle tagsüber eine Rolle spielt. Die Wahrnehmung mit den Augen sei im Verkehr tagsüber nicht perfekt. Bei einem Experiment waren laut Swov acht Prozent der Autos auf freiem Feld bei Tage aus der Entfernung nicht zu erkennen - sofern sie kein Licht angeschaltet hatten.

Für die Forscher war dies Grund genug zu untersuchen, welche Auswirkungen eine europaweite Einführung des Tagfahrlichts auf die Unfallzahlen hätte. Die Swov-Experten errechneten, dass sich damit in der Europäischen Union jährlich 5 500 Unfalltote und 155 000 Verletzte vermeiden ließen.

Auch beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn ist man von den Vorteilen, tagsüber mit Licht zu fahren, überzeugt. „Das sind schon eindrucksvolle Zahlen“, sagt DVR-Sprecher Bernd Kulow. Autos würden mit Licht einfach besser gesehen. Die Deutsche Verkehrswacht (DVW) in Bonn würde ebenfalls gerne Tagfahrlicht einführen. „Die Unfallzahlen sprechen eindeutig dafür“, sagt Verbandsdirektor Michael Hartje. Skandinavische Länder machten damit seit Jahren gute Erfahrungen - und im Herbst will Österreich nachziehen.

Doch Deutschland ist von einer Tagfahrlicht-Pflicht wohl noch weit entfernt. Das Bundesverkehrsministerium in Berlin verweist auf eine laufende Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) zu den Effekten einer solchen Regelung. Kritiker wenden ein, Tagfahrlicht sei zum Beispiel mit Sichtbarkeitsnachteilen für Motorradfahrer verbunden. Doch unabhängig vom Ergebnis der Studie, so heißt es im Ministerium, sei derzeit wegen der sich abzeichnenden Neuwahlen im September nicht absehbar, welche Vorschläge danach noch tragfähig sind.

DVR und DVW raten deshalb, freiwillig am Tag mit Abblendlicht zu fahren oder das Auto mit einem Tagfahrlicht auszustatten. Bosch etwa bietet eine „Daytime“-Glühlampe an, die gegen die herkömmliche Lampe getauscht wird. Hella in Lippstadt hat ein komplettes Tagfahrlicht für den nachträglichen Einbau im Programm. Dabei werden zwei zusätzliche Leuchten am Fahrzeug montiert, erklärt Sprecher Ulrich Köster: „Sie haben die Aufgabe, Aufmerksamkeit zu erregen.“ Je nach Fahrzeug und Einbausatz kosten sie zwischen 60 und 140 Euro.

Nicht nur wegen der Verkehrssicherheit ist die Nachrüstung eine sinnvolle Investition - denn im Zuge der EU-Harmonisierung wird man auch hier zu Lande langfristig nicht um das Tagfahrlicht herumkommen, wie man auch im Verkehrsministerium vermutet: „Irgendwann wird es sicher so sein, dass wir auch in Deutschland das Licht anknipsen.“

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