Technik-Pionier Walter Treser
Grandios gescheitert

Vor 25 Jahre begann der Mazda MX-5 seine Weltkarriere. Gleichzeitig scheiterte in Deutschland Technik-Pionier Walter Treser mit seiner nahezu identischen Idee vom preiswerten offenen Sportwagen für kleines Geld.
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Als im Februar 1989 auf der Chicago Auto Show zahllose Scheinwerfer die Premiere des Mazda MX-5 in helles Licht tauchen, sind in einer Fabrik in Berlin gerade die letzten Lampen erloschen. Während die japanische Marke mit dem neuen Modell einen Überraschungserfolg feiert, der zum meistgebauten Cabrio der Welt werden sollte, muss Walter Treser einen ganz ähnlichen Traum begraben. Sein T1 sollte nie gebaut werden.

Die Geschichte des Treser T1 lässt sich am ehesten mit einer Sternschnuppe vergleichen: Der Premierenauftritt sorgte auf der IAA 1987 für Aufsehen und brachte ihn auf die Titelblätter. Doch schon bevor der erste Kunde seinen Wagen abholen konnte, war alles zu Ende. Was blieb, war der Verlust von Entwicklungskosten in Millionenhöhe, statt der geplanten Jahresproduktion von 1.200 Sportwagen wurden kaum mehr als zwanzig Exemplare auf die Räder gestellt. Alles in allem steht der Treser T1 für eines der mutigsten Projekte der jüngeren Automobilgeschichte und für ein grandioses Scheitern.

Treser – wer bei der Nennung des Namens ein Aufzucken der Erinnerung spürt, wird vermutlich nicht an den T1 denken. Bekannt wurde die Marke vor allem durch Tuning-Zubehör wie schwarz gefärbte Heckleuchten, die in den Achtzigern das Heck unzähliger VW Golf und Audi zierten. Auch die Veredelung ganzer Audi-Fahrzeuge gehörte zum Programm.  Doch dem Mann hinter dem Markennamen reichte das nicht. Walter Treser wollte Autohersteller sein.

Treser begann seine Karriere als leidlich erfolgreicher Rennfahrer. Er arbeitete als Rennreifeningenieur und kam 1976 schließlich zu Audi. Dort fand er seinen Platz in der Fahrzeugentwicklung und wurde zusammen mit dem heutigen VW-Oberen Ferdinand Piëch zu einem der führenden Köpfe hinter dem Projekt Audi Quattro. Später stieg er auf zum Rennleiter für die Rallyeeinsätze der Marke, bis Piëch ihn 1981vor die Tür setzte.

Treser machte sich selbständig, und schon ein Jahr später entstanden Pläne für ein ehrgeiziges Projekt. Die erste Idee lautete: Jugendauto. Ein Sportwagen sollte es sein, den sich auch junge Menschen leisten konnten - aufregendes Design gepaart mit Großserientechnik. Also genau das, was auch Mazda vorhatte.

Über die Jahre Jahren wurden die Pläne immer konkreter, Designer legten Entwürfe für die Karosserieform vor, ein erstes Holzmodell entstand. Auch auf technischer Seite wuchsen lose Ideen zu festen Vorstellungen: Antrieb und weitere technische Bauteile sollten von Volkswagen kommen. Der 139 PS starke 1,8-Liter-Motor aus dem Golf GTI, außerdem Getriebe, Vorderachse, Lenkung und auch die Heizung aus dem gleichen Modell. Die Maschine sollte ihren Platz, anders als beim Spender, allerdings nicht unter der vorderen Haube finden. Treser bevorzugte das Mittelmotorprinzip und statt Front- den Heckantrieb.

Ohnehin setzte Treser abseits der eingekauften Volkswagen-Technik auf Eigenständigkeit – und zwar so weit, dass sich der T1 nicht nur mit seiner keilförmigen Karosserie von allen zeitgenössischen Automobilen unterschied. So bestand die Bodengruppe aus einer Kombination aus Aluminium und Kunststoff, ein bis dahin im Autobau unbekanntes Prinzip.

Auch die Dachkonstruktion konnte als Wegweisend gelten. Schon zuvor baute Treser in Audi-Modelle und sogar in den VW Polo ein festes Klappdach ein, das die Vorteile von Coupé und Cabrio kombinierte – zu einer Zeit, als man bei Mercedes nicht einmal an einen SLK dachte, der heute als Urvater aller Klappdach-Cabrios gilt. Der neue Sportwagen sollte natürlich ebenfalls so eine Dachkonstruktion bekommen.

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Grandios gescheitert

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Gebaute Modellanzahl unbekannt

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