Telematiktarife : Strafe muss nicht sein

Telematiktarife
Strafe muss nicht sein

Die Allianz-Versicherung belohnt junge Kunden für umsichtiges Fahrverhalten. Der Tarif „Bonus Drive“ macht die Lenker tatsächlich besser. Fahranfänger zeigen aber auch auf, was sie am Telematik-Tarif nervt.

Wer bremst, verliert. Zumindest, wenn die Fahrerin zu energisch in die Eisen steigt. Und das findet Michaela Richter nicht so gelungen. Die Fahranfängerin aus Aachen hat seit vergangenen September eine Kraftfahrtversicherung bei der Allianz - und einen Stecker im Zigarettenanzünder ihres Fünfer-BMW. Der misst über eine App im Smartphone ihr Fahrverhalten. Abruptes Bremsen? Das gibt beim “Bonus Drive”-Tarif Abzüge. Abzüge, die Geld kosten.

“Wenn aber vor mir jemand plötzlich in meine Spur schießt, dann muss ich ja wohl bremsen”, sagt Richter jetzt bei einem Workshop dem Allianz-Vorstand Frank Sommerfeld.  Die schnelle Reaktion dürfte keinen Punktverlust in der Gesamtwertung bedeuten, sagt sie … und Sommerfeld nickt. Bonus Drive ist eben noch nicht perfekt.

Den Grundgedanken findet aber jeder des halben Dutzend Kunden gut, deren Urteil sich der Vorstand und sein Projektleiter Stefan Duscha an diesem Vormittag stellen: Wer sanft bremst, beschleunigt, in Kurven nicht zu rasant einfährt, sich an die Geschwindigkeitsregeln hält und gefährliche Tageszeiten und Straßen meidet, der kann seinen sonst sündteuren Fahranfänger-Tarif um bis zu 30 Prozent drücken. Bonus statt Strafe - denn die würde das Angebot unsympathisch machen. Da sind sich die anwesenden Kunden einig.

Das Produkt ist ein Renner, so Sommerfeld: “Nach acht Monaten haben wir mit 26.000 Kunden schon die angestrebte Zahl für das volle Jahr übertroffen.” Jeder fünfte neue Fahrer unter 29 Jahren wählt den Tarif inklusive Messgerät. Ein paar Dutzend Konkurrenten hat bereits ähnliche Telematik-Tarife im Einsatz. Aber Allianz-Mann Duscha legt Wert darauf, manches anders zu machen.

Vor allem sind die Versicherer aus München im Gegensatz zu manchem Wettbewerber nicht datendurstig. Kundin Richter ist da wie viele Deutsche sensibel - und honoriert, dass die Allianz außer der Gesamtwertung ihres Fahrverhaltens in Gold, Silber oder Bronze nichts über Strecken, Ziele oder konkretes Fahrverhalten währenddessen erfährt.

Diese Daten bleiben beim App-Entwickler aus Kanada - der aber wiederum die Kundennamen nicht erfährt. Andere Anbieter würden dagegen genau solche Werte sammeln - und erst daraus den Tarif festlegen.

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