Tesla in der Kritik
Der Wunschtraum vom Autopiloten

Im vergangenen Oktober hat Tesla die „Beta-Version“ seines Autopiloten ausgerollt. Nach mehreren Unfällen stellt sich die Frage, ob der Elektro-Pionier seinen Kunden zu viel versprochen hat.

DüsseldorfElon Musk ist bekannt für seine Vorliebe zu Twitter. Gerne nutzt der Tesla-Chef den Kurznachrichtendienst, um der Welt wieder einmal vermeintlich große Neuigkeiten beim Elektroauto-Pionier Tesla anzukündigen. Aktuell ist Musk aber mehr als Krisenmanager gefragt. Die Berichte über Unfälle von Tesla-Autos im Autopilot-Modus häufen sich. Der Hersteller muss sich die Frage gefallen lassen, ob er seine „Beta-Version“ zum teilautonomen Fahren seinen Kunden viel zu früh und damit fahrlässig bereitgestellt hat.

Die Bezeichnung „Beta-Version“ bedeute nicht, dass Teslas Technik zum autonomen Fahren nicht ausgereift sei, verkündete Musk über Twitter. Die Öffentlichkeit habe den Begriff schlicht missverstanden. Kein Wunder, steht „Beta“ in der Tech-Branche doch zumeist für unfertige Software. Nicht so bei Tesla, wenn man Musk glauben mag. Der Hersteller habe den eigenen Autopiloten nur mit dieser Bezeichnung versehen, „um für die, die sich entscheiden, es zu nutzen, zu betonen, dass es nicht perfekt ist“, schrieb Musk weiter. Zur Perfektion fehlten noch haufenweise Daten, die man wohl erst nach „einer Milliarde gefahrener Meilen“ gesammelt habe.

Bis Anfang Juli konnte Tesla allerdings nur auf einen Erfahrungsschatz von rund 130 Millionen gefahrenen Meilen (gut 200 Millionen Kilometer) zurückgreifen. Dennoch fallen die Kalifornier als der Autobauer auf, der die Technologie am offensivsten anpreist. Genau das wird den Amerikanern derzeit zum Problem, meint Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM).

Derzeit ist Teslas Model S mit einer Kamera und einem Radarsensor an der Front, einer zusätzlichen kleinen Kamera vorn und hinten, sowie sechs Ultraschall-Sensoren an Front und Heck ausgestattet. Genug, um selbstständig den Abstand zu halten, zu beschleunigen und zu bremsen oder die Spur zu wechseln, aber längst noch kein Autopilot. Im Wettbewerbsvergleich fehlen Tesla beispielsweise Fernbereichs-Radar-Sensoren.

Auch beim wichtigen Thema Karten ist die Konkurrenz den Amerikanern einen Schritt voraus. Audi, BMW und Mercedes können hier beispielsweise auf das Material vom Kartendienst Here zurückgreifen, den die Hersteller gemeinsam Ende 2015 von Nokia erworben hatten. Die Here-Technologie soll in einem Bereich von 20 Zentimetern auflösen und weitere Informationen beispielsweise zu Begrenzungslinien liefern. Tesla setzt in diesem Bereich dagegen weitestgehend nur auf GPS.

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Wettbewerber vorsichtiger als Tesla

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